Wie viel Bewegung braucht ein Welpe?

Gerade bei Welpen ist es nicht einfach, das richtige Maß bei der Auslastung zu finden. Sehr oft werden junge Hunde unter- oder überfordert. Tierärztin und Stress-Expertin Gabrielle Scheidegger-Brunner gibt Auskunft, wie viel Bewegung ein Welpe wirklich braucht. 
 
Hundewelpe beim Spiel © Shutterstock/anetapics
Hundewelpen werden häufig überfordert.
Zieht ein Welpe ein, sind die neuen Besitzer natürlich äußerst bemüht, alles richtig zu machen. Dem Hundewelpen  soll es an nichts fehlen. Doch gerade beim Thema Bewegung ist es bei jungen Hunden schwer, das rechte Maß zwischen Auslastung und Ruhephasen zu finden.
 

Tierärztin erklärt: Diese Faktoren müssen Sie berücksichtigen  

Tierärztin Gabrielle Scheidegger-Brunner, die sich in ihrer Praxis auf Sport- und Diensthunde spezialisiert hat, erklärt, dass die benötigte Auslastung bei jungen Hunden sehr individuell ist. Unterschiedliche Faktoren beeinflussen, wie viel sich der Welpe bewegen sollte:
 
1. Einfluss der Hunderasse
Bei schnell- und großwüchsigen Rassen wie Deutscher Schäferhund  oder Deutsche Dogge muss man noch mehr aufpassen als bei kleinen Hunden. Zwergrassen sind vom Knochenapparat her viel früher reif.
 
2. Lieber häufige, dafür kurze Sequenzen
In den ersten Wochen sind mehrere Sequenzen am sinnvollsten. Nicht die Gesamtdauer ist das Wichtigste, sondern wie viel am Stück belastet wird. Der Auslauf  sollte langsam gesteigert werden, beginnend mit zehn Minuten am Stück, dafür ca. sechs bis acht Mal täglich. Erst mit sechs Monaten sollte man ab und zu alle paar Tage einmal eine Stunde spazieren gehen. Auf eine Einheit Belastung sollte mindestens das Drei- bis Vierfache an Ruhe kommen. Dies ist aber nur über den Daumen gepeilt, beobachten Sie Ihren Hund. Er wird signalisieren: Ich bin wieder fit und munter!
 
3. Körperliche Belastung gering halten
Die körperliche Belastung soll minimal gehalten werden. Tierärztin Gabrielle Scheidegger-Brunner empfiehlt nur ganz kurze Konzentrationsübungen und mehrere Koordinationsübungen. So kann man z.B. Agility-Hindernisstangen  auf den Boden legen und den Hund darüberlaufen, aber keinesfalls -springen lassen.
 
Wanderungen  empfiehlt die Hundeexpertin erst ab einem Jahr. Dann natürlich anfangs leichte Touren mit vielen Pausen, die man über die Monate langsam steigern kann. Zunächst auf keinen Fall mehr als Halbtagestouren ohne extreme Steigungen. Und grundsätzlich gilt: Bergauf ist besser als bergab. Natürlich sollten solche Touren auch nicht täglich gemacht werden, sondern Ruhetage eingelegt werden.
 
Welpe schläft im Gras
Ruhepausen sind für junge Hunde wichtig. ©shutterstock/MRacheron
 

Diese Aktivitäten machen dem Welpen besonders Spaß

Beobachtet man seinen Welpen genau, lässt sich schnell beurteilen, wie lange der Hund freudig und konzentriert mitmacht. Aber weniger ist meist mehr! Die Welpen sollen außerdem erst mal gut geprägt und sozialisiert werden. Nach Ansicht der Tierärztin Gabrielle Scheidegger-Brunner ist eine gut geführte Welpenspielstunde  wichtiger als körperliche Auslastung alleine! Zum einen kommt es darauf an, was der Züchter bereits mit den jungen Hunden gemacht hat. Zum anderen ist auch hier die Dauer entscheidend. Zehn oder 15 Minuten sind in der Welpenspielstunde kein Problem, aber alles, was über eine halbe Stunde geht, ist nach Meinung der Tierärztin erstmal zu viel. Mental würde dies den Welpen völlig überreizen. Beim Besuch einer Welpenstunde sollte man daher unbedingt eine geeignete Welpentasche besorgen, in die sich der Hund zurückziehen und ausruhen kann.

Verhaltenstechnisch gesehen kann ein Spiel von übermüdeten Welpen schnell ausarten und in Aggression kippen. Die Hunde lernen nichts Positives mehr zur Sozialisierung, sondern lernen nur noch Negatives.
 

Bei Hundewelpen dieser Rassen ist Vorsicht geboten

Temperament und Belastbarkeit variieren deutlich mit der Rasse, also muss jeder Fall einzeln beurteilt werden.
 
1. Große Hunderassen
Besonders vorsichtig muss man bei schnell- und großwüchsigen Hunden sein, da diese schnell Gelenkschäden entwickeln. Die Muskeln und Bänder sind zu schwach, und so müssen die noch unreifen Knochen und Gelenke die Hauptbelastung tragen. Dies führt schnell zu Schäden und Entwicklungsstörungen.
 
2. Temperamentvolle Rassen
Es gibt natürlich auch Rassen, die vor lauter Temperament nie merken würden, dass sie genug belastet sind, z.B. viele Terrier-Arten, Malinois  und Border Collie  & Co. Diese Hunde muss man dann zur Ruhepause zwingen. Das Naturell eines Hundes ist so ausgelegt, dass er mit dem Rudel mithalten möchte. Das Verlangen nach Ruhe würde ihm als Schwäche ausgelegt.
 
Border Collie Welpe
Border Collies muss man manchmal zur Rast zwingen. ©shutterstock/Fusekle
 

Diese Folgen hat Überforderung für den jungen Hund

Ob Stress schädliche Folgen für den Hund hat, hängt von der Dosis und Dauer ab. Die meisten überforderten Welpen ziehen sich übermäßig zurück, versuchen Ruhe zu finden. Häufig verknüpfen sie die Überforderung mit dem Menschen, das heißt, sie ziehen sich auch von ihren Bezugspersonen zurück. Andere Welpen, häufig solche von stressanfälligen Rassen mit dünnem Nervenkostüm, werden gerne aggressiv, da sie sich nicht anders zu helfen wissen.
 
Wenn der Hundebesitzer merkt, dass er den Welpen überfordert hat, ist dies schon mal gut. Er wird es dann möglichst nicht mehr wiederholen. Einzelfälle von Überforderung sind nach Ansicht von Tierärztin Gabrielle Scheidegger-Brunner auch nicht tragisch für einen normalen, gesunden und bisher gut entwickelten Hund. Hat man das Gefühl, der Hund ist überfordert, sollte man ihm genug Rückzugsmöglichkeit gönnen. Lassen Sie den jungen Hund sich zurückzuziehen, er wird signalisieren, wenn er wieder zu Unternehmungen bereit ist!
 
 
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