Hilfe bei ängstlichen Hunden

Martin Rütter Tipps: Hund hat Angst – so helfen Sie ihm

Ob ein Gewitter, ein bedrohlicher Hund, ein Mensch mit tiefer Stimme oder Krach an Silvester: Ein Hund kann viele Ängste entwickeln. Wenn ein Hund Angst hat, liegt es am Hundehalter, seine Ängste zu verstehen und Schritt für Schritt abzubauen. Martin Rütter DOGS Coach Martin Döhler erklärt, wie es geht.
 
Hund hat Angst © sonyachny - stock.adobe.com
Ein ängstlicher Hund braucht seinen Menschen als eine sichere Orientierungshilfe.
Viele Hunde haben Ängste – die Angst vor einer Situation, vor bestimmten Gegenständen oder Menschen beeinträchtigt die Lebensqualität von Hunden erheblich. Gründe für ängstliches Verhalten gibt es viele.


Hund hat Angst: Das sind die Ursachen

Wieviel Angst ein Hund hat, hängt zum einen davon ab, welche Erfahrungen ein Hund gemacht hat, wird aber auch beeinflusst von seinen individuellen genetischen Voraussetzungen.
  • Hunderasse: Ein robuster Treib-Hund wie der Australian Cattle Dog darf bei seiner Arbeit nicht vor visuellen oder akustischen Reizen zurückschrecken. Ein Hütehund wie der Border Collie dagegen muss auf kleinste Signale des Schäfers achten und schnell reagieren. Solche Merkmale werden bei der Zucht von Hunden berücksichtigt. Aufgrund ihrer angezüchteten Eigenschaften sind manche Hunde daher schneller zu traumatisieren als andere. In unserem Beispiel wird also der sensible Hütehund in der Regel häufiger Angstverhalten zeigen als der robuste Treibhund.

  • Erfahrungen des Hundes: Welche Erfahrungen ein junger Hund in seiner Welpenstube sammelt und welche Beobachtungen er bei der Reaktion der Mutterhündin auf Umwelt- reize erlebt, beeinflusst sein Angstverhalten. So wird ein Welpe, der mit einer Mutter aufwächst, die Angst vor Männern hat, diesen gegenüber auch eher skeptisch und vor- sichtig sein, dem Vorbild der Mutter folgend. Für den Welpen ist klar: Wenn Mama Angst vor Männern hat, müssen diese ja offensichtlich gefährlich sein.

  • Fehlende Umweltreize: Wächst ein Hund unter reizarmen Umständen auf, kann er auf neue Umwelteinflüsse mit Angst reagieren. Bei einem auf dem Land aufgewachsenen Straßenhund beispielsweise wirken Hektik und Trubel in der Großstadt, starker Verkehr, Menschenansammlungen, häufige Hundebegegnungen und laute Geräusche angsteinflößend. Sie sind ihm völlig unbekannt.

  • Körperliche Ursachen: Hormonstörungen, Vergiftungen oder Schmerzen können ebenfalls Ursachen dafür sein, dass Hunde Angst haben. Eine umfassende Untersuchung beim Tierarzt ist vor allem dann ratsam, wenn diese Ängste nicht erklärbar zu sein scheinen.


Ihr Hund zeigt Angstverhalten – so können Sie ihm die Angst nehmen

Wenn Ihr Hund Angstverhalten zeigt, haben Sie als Hundehalter eine Reihe von Möglichkeiten, um dem Hund zu helfen. Wichtig ist, dass Ihr Hund ein hohes Maß an Vertrauen zu Ihnen entwickeln kann. Souveränes, berechenbares und vertrauensvolles Handeln des Menschen stellt die Basis dafür dar.
  1. Machen Sie durch klare Regeln und Strukturen sowie Konsequenz im Miteinander dem Hund klar, dass Sie die Entscheidungen treffen.
  2. Überfordern Sie den Hund nicht und zwingen Sie ihn nicht in unlösbare Situationen hinein.
  3. Bieten Sie Ihrem Hund in schwierigen Momenten Schutz und gehen Sie in unbekannten Situationen aktiv voran.
Auf diese Weise fasst Ihr Hund Vertrauen zu Ihnen und wird sich auch in kritischen Situationen an Ihnen orientieren und damit ein höheres Maß an Entspannung im Alltag erleben.


Training gegen die Angst beim Hund

Zunächst gilt es, den konkreten Auslöser für die Angst zu finden. Ist der Auslöser für das Angstverhalten Ihres Hundes bekannt, können Sie in einem gut aufgebauten Training dagegen ansteuern. Diese Schritte sollten Sie dabei beachten:
 

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  • Bringen Sie den Hund schrittweise, kontrolliert und nacheinander mit den einzelnen Reizen in Kontakt und gestalten Sie diesen Moment positiv! Dies kann über eine angenehme Beschäftigung, etwa ein Apportierspiel, oder auch eine Schmuseeinheit in sicherer Entfernung erfolgen.

  • Verringern Sie allmählich den Abstand zum angstauslösenden Reiz! Doch Vorsicht: Überfordern Sie den Hund dabei nicht. Sie sollten sich dem angstauslösenden Reiz immer nur so weit nähern, wie Ihr Hund ihn zwar bemerkt, aber noch in der Lage ist, sich auf Sie und die Beschäftigung mit Ihnen einzulassen.

  • Unterbrechen Sie das Training zum richtigen Moment! Sogenannte Übersprungshandlungen wie Gähnen, Kratzen, Niesen oder Schütteln signalisieren, dass das Training an einem Punkt angelangt ist, der nicht weiter überschritten werden sollte. Spätestens dann, wenn möglich bereits zuvor, sollten Sie eine Pause einlegen oder das Training mit einer abschließend erfolgreichen Übung sogar beenden.

  • Geben Sie dem Hund Zeit, die Erfahrung zu verarbeiten! Da auch der Abbau des Stresshormons Cortisol Zeit braucht, ist es sinnvoll, mindestens ein, zwei Tage zu pausieren, bevor Sie das Training gegen die Angst fortsetzen. Lasten Sie den Hund stattdessen mit angenehmen Spaziergängen oder einem stressfreien Training in entspannter Umgebung aus.

TIPP: Sind mehrere Auslöser für eine Angstreaktion verantwortlich, dann trainieren Sie diese erst einzeln und führen sie dann strukturiert zusammen. Bei einer generalisierten Angst, beispielsweise der allgemeinen Angst vor Männern, ist es außerdem ratsam, an unterschiedlichen Orten und mit verschiedenen Partnern zu üben. Auch ist es empfehlenswert, sich für das Training gegen die Angst beim Hund professionelle Unterstützung durch einen Hundetrainer zu holen.

In einer idealen Welt wäre die Arbeit an angstauslösenden Situationen möglich, ohne dass unkontrollierte Konfrontationen entstehen. Doch kommt es im realen Leben immer wieder auch zu ungünstigen Momenten, zum Beispiel einem sich im Wald lösenden Schuss. Umso wichtiger ist es dann, dem Hund zu signalisieren, den Auslöser der Angst selber auch wahrgenommen zu haben, mit sicherem Vorbild in der Situation zu stehen und als Schutzschild und Puffer zu agieren.
 

Diesen Fehler sollten Sie vermeiden!

Zeigt Ihr Hund eine Angstreaktion, dann reagieren Sie nicht mit mitleidiger Zuwendung! Damit heben Sie die Situation für den Hund nur unnötig hervor. Damit ist natürlich nicht gemeint, dass für den Hund als angenehm empfundene Maßnahmen wie eine Streicheleinheit verboten sind. Streicheleinheiten vom Sozialpartner Mensch, der für den Hund vertrauenswürdig und orientierungsgebend ist, löst vielmehr das Wohlfühlhormon Oxytocin aus und kann so zu deutlicher Entspannung des Hundes beitragen.


4 Hilfsmittel gegen die Angst beim Hund

Zusätzlich zu dem beschriebenen Trainingsvorschlag gibt es weitere Hilfsmittel, die dem Hund in Angstsituationen helfen und das Training gegen die Angst unterstützen können.
  • Lassen Sie einen sicheren Hund beim Training dabei sein! Die Anwesenheit eines sozial sicheren, erwachsenen Hundes während des Trainings gegen die Angst kann hilfreich sein. Der ängstliche Hund kann sich ihn zum Vorbild nehmen und sich an ihm orientieren.

  • Pheromon Adaptil einsetzen! Adaptil ist ein künstlich hergestelltes Pheromon, das den Hund an seine Zeit bei der Mutter erinnert. Über diesen Wohlfühlgeruch lässt sich ein gewisses Maß an Entspannung erreichen. Das Pheromon können Sie in Form eines Halsbandes oder mit Duftzerstäubern an den Hund bringen.

  • Ein Thundershirt kann beruhigend wirken! Ein Thundershirt ist ein enganliegendes Kleidungsstück für Hunde, das leichten und gleichmäßigen Druck um den Brustkorb des Hundes ausübt. Der sanfte Druck sorgt für das Ausschütten des Wohlfühlhormons Oxytocin, das dem Hund hilft, sich zu entspannen.

  • Nahrungsergänzungsmittel für mehr Gelassenheit! Bestimmte Nahrungsergänzungsmittel wie beispielsweise die Aminosäure L-Tryptophan oder das Milcheiweißprodukt Zylkene können dem Hund helfen, grundsätzlich gelassener im Alltag zu werden.
 
Ganz unabhängig davon, ob die Angst des Hundes durch Erfahrungen erworben wurde, oder in mangelnder Sozialisation begründet ist - die Ängste loszuwerden ist nicht leicht. Der Weg ist lang und das Training erfordert Wissen, viel Zeit und Geduld – doch ist es die Mühe in jedem Falle wert!
 
Über den Autor:
Gemeinsam mit drei weiteren zertifizierten DOGS Coachs berät Martin Döhler Hundehalter in Ulm/Neu-Ulm und Umgebung in allen Fragen des Umgangs mit ihrem Hund. Nähere Infos unter www.martinruetter.com/ulm .

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