Spielregeln für Mensch und Hund

Martin Rütter Tipps: Das ist beim Spielen mit Hund zu beachten

Den Hund sinnvoll zu beschäftigen ist wichtig. Denn miteinander zu spielen macht dem Hund nicht nur Spaß, sondern lastet ihn auch körperlich und geistig perfekt aus. Martin Rütter DOGS Trainerin Franziska Herre erklärt, was beim gemeinsamen Spiel zu beachten ist.
 
Hund richtig beschäftigen - Spielregeln © shutterstock.com / Przemek Iciak
Auch beim Spielen mit Hund gibt es Spielregeln zu beachten!
Wenn Hunde miteinander spielen, dient das grundsätzlich der Entwicklung des Sozialverhaltens. Doch uns Hundehalter beschäftigt ein viel wichtigerer Aspekt – die körperliche und vor allem geistige Auslastung unserer Vierbeiner.
 
Dazu dient das Spielen:
  • Kommunikation mit Artgenossen erlernen
  • Etablierung von Regeln des Zusammenlebens
  • Stärkung der Bindung
  • Entwicklung von Fertigkeiten
  • Ausbildung von Intelligenz
  • Trainieren von Bewegungsabläufen
  • Muskelaufbau


Die Entwicklungsstufen des Spielverhaltens bei Hunden

Wer einmal die Aufzucht von Welpen begleiten durfte, weiß, dass sich das Spielverhalten unserer Hunde bereits sehr früh entwickelt. Ab Beginn der dritten Lebenswoche werden die ersten kleinen Spielsequenzen in der Wurfkiste gezeigt. Hierbei handelt es sich vorrangig um Beißspiele, welche in den kommenden Wochen in intensivere Kampfspiele übergehen. Die Hündin nutzt das Spiel mit den Welpen gezielt, um Regeln und Benehmen beizubringen, indem sie Verhalten fördert oder unerwünschte Verhaltensweisen maßregelt. Mit dem Einzug des Welpen in die neue Familie liegt es nun beim Menschen, während des Spiels ebenso Regeln und Grenzen festzulegen.
 
Tipp: Unterbinden Sie Rempeln, Beißen und Beute-Verteidigen bereits in diesem Alter, um zu vermeiden, diese unerwünschten Verhaltensweisen unbewusst zu fördern.

Ab der achten Lebenswoche beginnen die Welpen bestimmte Verhaltensweisen in Hundekontakten auszutesten und weiterzuentwickeln. Dies geschieht vorrangig unter gleichaltrigen Welpen.  Jedoch sind Welpen untereinander nicht in der Lage, Verhaltensweisen des anderen entsprechend zu maßregeln und somit zu unterbinden.
 
Tipp: Achten Sie ganz besonders auf die Auswahl der Welpengruppe. Es ist wichtig, dass der Sozialkontakt zwischen Welpen kontrolliert geschieht. Die Halter müssen in Sachen Körpersprache gut geschult sein und rechtzeitig eingreifen können.

Im Junghundealter verändert sich das Spielverhalten. Spiele werden dynamischer und körperlicher, vor allem dann, wenn die Junghunde geschlechtsreif werden. Von nun an werden potenzielle Grenzen anderer Hunde ausgetestet.
 
Tipp: Junghunde sollten in dieser Phase viel Kontakt zu älteren Hunden haben, die überschwängliches Verhalten eindämmen können.

Erwachsene Hunde spielen dagegen nur noch relativ selten. Ein ausgelassenes Spiel ist vorrangig zwischen zusammenlebenden Hunden oder mit dem eigenen Menschen als Sozialpartner in einem entspannten Umfeld zu finden. Das Spiel innerhalb eines Rudels dient vorrangig der Stabilisierung der sozialen Struktur. Das Aufeinandertreffen mit fremden Artgenossen bedeutet für einen Hund jetzt vor allem das Vertreten existenzieller Interessen und Privilegien. Hier geht es um territoriale, soziale oder sexuelle Ansprüche, die zu allererst ausgelotet werden. Das Aufeinandertreffen fremder Hunde kann aber ebenso innerhalb kürzester Zeit in ein ausgelassenes Spiel übergehen. Das ist vor allem abhängig vom Charakter der jeweiligen Hunde, der Vorliebe für dieselbe Spielform oder einer direkten Sympathie der beiden.
 
Tipp: Sozialkontakt ist selbstverständlich erlaubt und wichtig, jedoch nur solange sich alle beteiligten Hunde wohlfühlen. Umso wichtiger ist es, dass der dazugehörige Mensch eine „Aufpasserrolle“ übernimmt und seinen Vierbeiner lesen und verstehen lernt, um die Situation einzuschätzen und notfalls eingreifen zu können.
 

So erkennen Sie, wenn sich Ihr Hund unwohl fühlt

Verschiedene körpersprachliche Signale des Hundes können dem Halter dabei Aufschluss darüber geben, ob sich ein Hund in einer Situation unwohl fühlt. Mögliche Stressanzeichen beim Hund sind:
  • Gähnen
  • Schütteln
  • Kratzen
  • Über die Schnauze lecken
  • Pföteln
  • Vermeiden von Blickkontakt
  • Abwenden des Körpers
Wenn Sie diese Signale beobachten, ist eventuell ein Eingreifen Ihrerseits erforderlich.


4 Anhaltspunkte für entspanntes Spiel

Entspanntes Spielen erkennen Sie an folgenden Anhaltspunkten:
  1. Wenn verschiedene Verhaltensweisen ohne eine ernsthafte Endhandlung aneinandergereiht werden, handelt es sich um ein ausgelassenes Spiel. So kann ein Jagd- und Hetzspiel in der nächsten Sekunde in ein völlig ungefährliches Beißspiel umschlagen.
  2. In entspannten Spielen sind häufige Rollenwechsel zu beobachten. Sollte sich das Spiel derart einseitig gestalten, dass das vermeintliche Opfer ausschließlich von anderen gejagt und gehetzt wird, muss der Mensch die Situation neu einschätzen und gegebenenfalls eingreifen.
  3. Beim Spielen setzt der Hund das sogenannte „Spielgesicht“ auf: Das Maul ist weit geöffnet, sodass alle Zähne sichtbar sind, die Nase wird kraus gezogen und der Blick geht leicht am Spielpartner vorbei, um ein Fixieren zu vermeiden.
  4. Häufig fordern Hunde durch eine Vorderkörper-Tiefstellung zum Spiel auf: Der Vorderkörper wird auf den Boden gedrückt, der Kopf zwischen den Vorderpfoten abgelegt, während das Hinterteil mit stark durchgestreckten Hinterbeinen in die Luft gestreckt wird.


So finden Sie das richtige Spiel für Ihren Hund

Das Spiel zwischen Mensch und Hund ist extrem bindungsfördernd und aus sozialer Sicht unbedingt notwendig. Auch hier werden, wie bei der Interaktion zwischen Hunden, Regeln etabliert und gewünschtes Verhalten trainiert. Um das optimale Spiel für Ihren Hund zu finden, sollten Sie seine rassespezifischen Merkmale, aber auch individuellen Wesenszüge berücksichtigen.
 
Spielformen:
 
Ein Blick in den ursprünglichen Zuchtgedanken einer Rasse kann Aufschluss über die richtige Spielform geben. So liebt etwa das Italienische Windspiel als Windhund und Sichtjäger vor allem Rennspiele. Der Cattle Dog agiert als ursprünglicher Treibhund wesentlich körperlicher und lässt sich weitaus mehr über dynamische und „gröbere“ Spiele motivieren. Der Labrador Retriever lässt sich als Gesellschaftsjäger, der darauf gezüchtet wurde, eng mit dem Menschen zusammenzuarbeiten, in der Regel zu allen Spielformen motivieren.
 
Wesensförderung:
 
Auch der individuelle Charakter muss bei der Auswahl der optimalen Spieleform berücksichtigt werden. Bei einem distanzlosen und körperbetonten Hund gilt es, weniger Körperkontakt im Spiel zuzulassen als bei einem tendenziell vorsichtigen Hund. So kann der Draufgänger spielerisch lernen, dass sich der menschliche Körper nicht für massive Rauf- und Kampfspiele eignet und Körperlichkeiten generell nicht erlaubt oder gar erwünscht sind. Unsichere Hunde hingegen können gezielt im Selbstbewusstsein geschult werden. So eignet sich eine freie Suche, bei der der Mensch einen Gegenstand oder Futterstücke auf einer kleinen Wiesenfläche versteckt, um dem zurückhaltenden Hund ein Erfolgserlebnis zu ermöglichen. Ein sehr selbstständiger Hund kann durch kreative Aufgabengestaltung lernen, dass er vom Menschen abhängig ist und diesen braucht. Das Objekt der Begierde in unerreichbarer Höhe auf einem Baum versteckt, macht dem Hund hierbei deutlich, dass er auf die Hilfe des Menschen angewiesen ist.
   

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Spielformen für den Hund im Überblick – und was zu beachten ist

Es gibt eine große Bandbreite an Spielformen für den Hund, aus denen der Hundehalter wählen kann. Hier finden Sie die wichtigsten Spielformen im Überblick mit Hinweisen, worauf dabei besonders zu achten ist.
  • Kampfspiele: Sie sind mit Vorsicht zu genießen. Die Menschenhaut ist weitaus sensibler als der durch Fell geschützte Hundekörper. Wichtig ist, dass der Hund dieses Spiel nicht zu intensiv betreibt und genau seine Grenzen kennt. Einem Welpen können sie ganz leicht aufgezeigt werden: Sofern das Spiel zu grob wird, sollte die Interaktion vom Halter wortlos beendet werden. So lernt ein Welpe schnell, sich an gegebene Spielregeln zu halten.

  • Rennspiele: Sie sind mit dem Menschen generell aufgrund der unterschiedlichen Geschwindigkeit ausgesprochen schwierig umzusetzen. Der Hund könnte hierbei unter Umständen lernen, dass der Mensch ihm körperlich in Sachen Geschwindigkeit und Kondition nicht gewachsen ist. Andererseits können kurze Sequenzen, die mit anderen Spielformen kombiniert werden, dem Hund große Freude bereiten.

  • Objektspiele: Sie sind bei Hundehaltern sehr beliebt. Hierfür wird ein Gegenstand als Hilfsmittel für Zieh-, Zerr- oder Apportierspiele genutzt. Bedenken Sie aber: Mit Zieh- und Zerrspielen werden vor allem Fertigkeiten aus dem Aggressionsverhalten geschult. Der Hund trainiert die Verteidigung und den Streit um Beute für den Ernstfall. Wichtig: Trainieren Sie die Abgabe des Gegenstands möglichst separat. Je besser das Signal zur Abgabe und dem Unterbrechen funktioniert, umso ausgelassener kann mit dem Hund gespielt werden.

  • Apportierspiele: Die Jagd auf eine Ersatzbeute dient der körperlichen und geistigen Auslastung. So kann der Hundehalter jeden Spaziergang zu einem Jagdausflug werden lassen. Unabhängig von der Rasse, dem Alter oder auch der körperlichen Fitness ist es für jeden Hund (als ursprüngliches Laufraubtier) natürlich, eine Beute zu tragen und diese an einen sicheren Ort zu bringen. Ein sinnvolles und gut durchdachtes Apportiertraining kann den rassespezifischen und persönlichen Eigenschaften sowie Fähigkeiten des Vierbeiners angepasst werden.

  • Ballspiele: Durch die dynamischen Bewegungen kann der Hund nach Herzenslust seine Lauffreude ausleben. Noch spannender wird es, wenn ein sich unregelmäßig bewegender Gegenstand, wie beispielsweise ein Kong, ins Spiel kommt. Aber: Ein Hund, dessen Spiel lediglich daraus besteht, den geworfenen Ball zu verfolgen und zu packen, wird körperlich zwar zu einem Hochleistungssportler und perfekten Sichtjäger trainiert. Er läuft aber auch Gefahr, im Alltag dynamische Reize schwer ausblenden zu können und kann damit Verhaltensproblematiken entwickeln. Bauen Sie daher auch Signale in das Spiel ein, die den Hund darin schulen, derartige Reize auszublenden. Ein „Sitz-Bleib“, während ein Ball geworfen wird, und die gezielte Freigabe zum Apport vom Menschen bilden hierfür eine gute Basis.
 

Die wichtigste Spielregel zwischen Hund und Mensch

Ganz gleich, welche Spielform der Mensch auswählt – auch hier sollten die gleichen Regeln eingehalten werden, wie sie zwischen Hunden gelten. So bestimmt zumeist der Ranghöhere innerhalb eines Rudels, ob und wann ein Spiel stattfindet, ob er auf die Spielaufforderung des Rangniedrigeren eingeht und wann das Spiel beendet wird.
 

Hund will nicht spielen – was ist der Grund?

Eine Reihe von Gründen kann dazu führen, dass der Hund nicht mit seinem Menschen spielen möchte.
 
  • Hund ist unsicher: Ein unsicherer Hund kann keine körperlichen Spiele zulassen. Sollte der Mensch ihn hierbei unbewusst stark bedrängen, kann dies zu noch größerer Unsicherheit führen. Im Ergebnis entzieht sich der Hund dieser unheimlichen Situation. Hier sollten die Halter ihre Hunde genauestens beobachten.

  • Hund ist der bestimmende Part: Der Hund hat ggf. im Alltag mit seinem Menschen gelernt, dass er der agierende Part ist, der bestimmt, ob und wann Aktionen stattfinden. Sollte der Hund seinen Menschen im alltäglichen Zusammenleben häufiger zu Spielen auffordern und dieser geht immer auf die gestellte Forderung ein, erzieht der Hund den Menschen, wie es ein ranghöheres Rudelmitglied tun würde.

  • Das Spiel bedient fehlende oder bereits befriedigte Bedürfnisse: Hat der Vierbeiner keine Lust, versteckte Leckerlis zu suchen, ist er vielleicht satt oder so sicher in seiner sozialen Position, dass er für Futter keine Anstrengungen aufbringen muss. Hat er keine Lust, den geworfenen Ball zu apportieren, dann stehen ihm eventuell zu Hause Beute und Besitz im Überfluss zur Verfügung.

  • Mangelnde Fitness oder Gesundheit: Bei Spielunlust fehlt es dem Hund vielleicht auch an körperlicher Fitness oder er hat gesundheitliche Defizite.

  • Körpersprache des Menschen ist unklar: Der Hund versteht nicht, dass er zum Spiel aufgefordert wird bzw. was genau der Halter von ihm erwartet.

  • Spielform ist unpassend: Hund lässt sich nicht für das Spiel begeistern, weil der Halter nicht die richtige Spielform ausgewählt hat. Ggf. wurden rassespezifische Merkmale und individuelle Wesenszüge des Hundes bei der Auswahl des Spiels nicht berücksichtigt.


Futter als Spielmotivation

Um einen Hund fürs Spielen zu begeistern, eignen sich Apportierspiele am besten. Doch nicht jeder Hund findet das Apportieren von leblosen Gegenständen spannend oder erstrebenswert. In kleinen Schritten aufgebaut, wird auch ein schwerlich motivierbarer Vierbeiner innerhalb kurzer Zeit große Freude an diesem Spiel finden. Durch die Motivation Futter bekommt ein Apportierspiel einen ganz eigenen Charakter. Der Hund hat damit die Möglichkeit, existenziell wichtige Beute zu machen und zusammen mit dem Menschen zu einem Jagderfolg zu gelangen. Je nach Charakter des Hundes kann es allerdings unter Umständen notwendig sein, dass der Hund sich mit dem Gegenstand Futterbeutel vorerst vertraut machen muss, um Unsicherheiten ablegen zu können. Auch das Tragen und die Abgabe der Beute müssen in Einzelschritten aufgebaut werden. Sobald der Hund den Futterbeutel freudig apportiert und mit seinem Menschen zusammen auf die Jagd geht, ist es möglich, das Verhalten auch auf andere Gegenstände zu übertragen. Je spannender und abwechslungsreicher die Aufgaben an den Hund gestellt werden, umso höher ist die Motivation, mit dem Menschen zu agieren.
 

Bei diesem Spielzeug ist Vorsicht geboten!

Auch bei der Auswahl des für den Hund geeigneten Spielzeugs gibt es einiges zu beachten.
  1. Stöcke: Sie sollten beim Hundespiel tabu sein! Allein das Zerkauen eines Stockes kann dem Hund erheblichen Schaden durch entstehende Splitter in der Speiseröhre oder auch im Magen-Darm-Trakt zufügen. Teile eines Stockes können sich in den Kiefer- und Rachenraum verkeilen und starke Entzündungen hervorrufen. Zudem kann ein geworfener Stock schnell lebensgefährlich werden, indem er sich beim Aufkommen schief in den Boden spießt und dem Hund ernsthafte oder gar lebensgefährliche Verletzungen zufügen kann. Mittlerweile gibt es Stockimitate käuflich zu erwerben, die das Verletzungsrisiko drastisch reduzieren.
  2. Bälle: Achten Sie auf die Oberflächenbeschaffenheit und Größe! Tennisbälle schleifen durch ihre raue, synthetische Oberfläche die Zähne des Hundes in kürzester Zeit ab. Zu kleine Bälle können dazu führen, dass der Hund erstickt, wenn er sie verschluckt.
  3. Kinderspielzeug: Hält der Beißkraft von Hunden nicht stand! Dadurch kann der Hund Kleinteile sehr schnell verschlucken.
 Tipp: Ein robustes Spielzeug aus dem Tierfachgeschäft sollte allererste Wahl sein. Die große Auswahl an Farben, Größen und Formen lässt kaum Wünsche offen


Spaß beim Spiel ist das A und O

Ganz gleich welche Spielform, welche Motivation oder welches Spielzeug der Halter für seinen Hund wählt – wichtig ist, dass beide Seiten Spaß miteinander haben und die gemeinsame Zeit auch genießen!
 
Über die Autorin:
Zusammen mit ihrem Team ist Martin Rütter DOGS Coach Franziska Herre Ansprechpartnerin für die Hundehalter im Raum Weimar, Erfurt, Eisenach und begleitet sie mit ihren jungen und älteren Hunden durch den Alltag. Nähere Informationen unter www.martinruetter.com/erfurt-weimar .

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