Die Supernase unserer Vierbeiner

Der Geruchssinn des Hundes: Warum Hunde am Schritt schnüffeln

Warum schnüffeln Hunde am Schritt von Menschen? Sind es mangelnde Manieren? Sicher nicht. Vielmehr ist es Wissensdurst! Denn Hunde erlangen durch Schnüffeln viele Informationen über ihr Gegenüber.
 
 
Die Supernase des Hundes © shutterstock.com / David Porras
Wenn Hunde am Schritt von Menschen schnüffeln, dann nicht aus Mangel an Manieren.
Jeder (weibliche) Hundebesitzer und auch deren Gäste haben wohl schon einmal diesen peinlichen Moment erlebt, wenn der Hund ganz besonders intensiv am Schritt schnüffelt. Ganz besonders häufig trifft es dabei Frauen, die gerade ihre Periode haben. Aber warum tun Hunde das und wie kann man als Hundebesitzer dieses unerwünschte Verhalten abstellen? Um das zu beantworten, gilt es zunächst den Geruchssinn des Hundes und dessen Motivation am Schnüffeln zu verstehen.


Die feine Nase des Hundes

Das Riechorgan des Hundes ist äußerst gut ausgeprägt und sehr sensibel. Zum Vergleich: Die Hundenase besitzt mehr als 220 Millionen Riechzellen, zehnmal mehr als wir Menschen. Mit der Vielzahl an Riechzellen, der speziell gebauten Nase und ihrer stoßweisen Atemtechnik können Hunde schätzungsweise eine Million verschiedene Gerüche unterscheiden. Die Nase ist das leistungsfähigste Organ des Hundes. Doch wozu setzen sie es ein?


Warum beschnüffeln sich Hunde?

Das Schnüffeln und Beschnuppern sind Hunden ein Grundbedürfnis. Es ist vergleichbar mit Zeitung lesen oder mit Freunden sprechen. Durch das Schnüffeln versorgen sich Hunde mit Informationen aus ihrer Umgebung und kommunizieren mit ihren Artgenossen. So lernen sich Hunde über das gegenseitige Beschnuppern näher kennen. Sie bringen auf diese Weise in Erfahrung, wie es um das Geschlecht, das Alter, die Paarungsbereitschaft, das Gemüt, die Gesundheit und die Ernährung des anderen steht. Für den Hund sind das ganz wesentliche Informationen über seinen Artgenossen, die ihm beispielsweise Auskunft darüber geben, ob dieser sich zur Fortpflanzung eignet oder gar eine Bedrohung darstellt.
 
All die eben genannten Informationen filtert der Hund aus den geruchsproduzierenden chemischen Stoffen, auch Pheromone genannt. Diese werden von speziellen Schweißdrüsen abgesondert, den apokrinen Drüsen. Und auch die Analdrüsen des Hundes produzieren ein Sekret mit individuellem Duft. Daher beschnuppern sich Hunde bevorzugt am Hinterteil.


Darum schnüffelt der Hund beim Menschen am Schritt

Auch der Mensch besitzt apokrine Drüsen, die Duftstoffe absondern. Diese Drüsen sitzen vermehrt in unseren Armbeugen oder im Genitalbereich. Kommt der Hund auf uns zu und beschnuppert uns, dann will er uns einfach besser kennenlernen und mehr über uns erfahren. Er bringt uns dieselbe Neugier entgegen, wie einem Artgenossen. Und am einfachsten erhält er seine Informationen über die komplexen Duftstoffe in unserem Schritt. Denn dort sind sie zahlreich vorhanden und für den Hund gut erreichbar platziert.
 
Noch interessanter wird es für den Hund, wenn Frauen ihre Monatsblutung haben. Wissenschaftler haben herausgefunden, dass die Pheromone sich bei Frauen während der Periode verändern. Der Hund nimmt die Veränderung war. An der Frau zu schnüffeln, ist für ihn dann um ein Vielfaches interessanter und er tut es daher viel intensiver. Dasselbe Phänomen ist zu beobachten, wenn eine Frau den Eisprung hat. Hunde erkennen auch diese fruchtbare Phase der Frau am veränderten Geruch. In der Landwirtschaft wird diese Fähigkeit der Hunde bereits für die gezielte Zucht genutzt.


So vermeiden Sie, dass Ihr Hund am Schritt von Menschen schnüffelt

Die meisten Menschen empfinden es als peinlich, wenn der Hund mit seiner Nase ihren Intimbereich so intensiv erkundet. Und auch für den Hundebesitzer ist die Situation eher unangenehm. Doch wie kann man den Hund davon abhalten, seinem Instinkt und seinem Grundbedürfnis nachzugehen? Eins steht fest: Ihn zu maßregeln oder gar zu bestrafen ist tabu. Denn schließlich hat der Vierbeiner aus Hundesicht nichts falsch gemacht. Er folgt nur seinem ganz natürlichen Verhalten. Warum Sie ihn dafür bestrafen, wird er schlichtweg nicht verstehen.
 
Ist Ihr Hund ein intensiver Schnüffler, wird Ihnen zu Beginn nichts anderes übrigbleiben, als ihn an die Leine zu nehmen, wenn Sie Besuch bekommen oder unterwegs fremden Passanten begegnen. Gleichzeitig sollten Sie mit ihm die Grundkommandos trainieren. Hat der Hund diese Kommandos verinnerlicht, haben Sie die Kontrolle darüber, wie und wann er andere Menschen begrüßen darf. Der Königsweg ist aber, dem Hund, immer wenn er Sie oder andere Menschen am Schritt beschnüffeln will, ein Alternativverhalten anzubieten und ihn zu belohnen, wenn er das gewünschte Verhalten zeigt. Bieten Sie ihm zum Beispiel einen anderen Geruch an, den ihr Hund selten in die Nase bekommt und der sein Interesse noch mehr auf sich zieht, als der Geruch Ihres Gastes.

 
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