Hunde-Alarm in der Normandie

Nachdem sie ihre vierköpfige Rasselbande auf kleineren Fahrten an das neue "rollende Körbchen" gewöhnt hatten, machten Rita und Hubert Möllers mit ihren Shelties Urlaub in Frankreich. Für Natur- und Hundeliebhaber ist dies mehr als zu empfehlen – lesen Sie hier die Reisereportage.
 
Hunde-Alarm in der Normandie © Thomas Brodmann / animals-digital.de
Frankreich ist einfach wie geschaffen, um es mit dem Wohnmobil und Hund zu erkunden.
Diesmal sollte es mit unserem neuen Wohnmobil auf Jungfernfahrt in die Normandie gehen. Natürlich hatten wir einige Reiseführer gewälzt und im Internet recherchiert, um eine passende Tour zusammenzustellen. Wir wollten ja die schönsten Ecken nicht verpassen!

Um schon während der Fahrt viel von der Landschaft zu erleben, folgten wir möglichst nahe der Küstenlinie von Dünkirchen bis zum Cotentin. Über einen Womo-Stellplatz brauchten wir uns keine Gedanken zu machen, die gibt es in Frankreich wirklich wie "Sand am Meer". Überrascht waren wir jedoch, dass in fast jedem zweiten Gefährt ein Hund mit auf Reisen war, und es trotzdem keine störende Bellerei oder frei laufende, sich selbst überlassene Hunde gab. Man traf sich zu den Gassigehzeiten, und unter Hundefreunden ist ja schnell ein gemeinsames Thema gefunden – total entspannt. Eine wunderbare Gegend zum Wandern ist die Alabasterküste bei Étretat. Die berühmten und imposanten Felsformationen "Trinkender Elefant", "Die Nadel" und die weiteren Felsentore sind wirklich eine touristische Attraktion. Wir suchten uns dort einen Stellplatz direkt an der D 940.

Herrliche Wanderung an der Küste von Étretat

Mit gepacktem Rucksack, Wanderstöcken und unseren Vierbeinern brachen wir dann zu einer wunderschönen fünfstündigen Wanderung entlang der Küste auf. Zunächst marschierten wir durch Étretat mit seinen hübschen Fachwerkhäusern direkt auf den Strand zu. Schon bald konnten wir die Felsformationen erkennen, und dann es ging steil auf- und abwärts der Küste entlang. An einigen Stellen führt der Weg dicht am Rand der Klippen entlang. Es sind also etwas Trittsicherheit und Schwindelfreiheit nötig, und wir ließen unsere Shelties lieber angeleint. Der Ausblick war aber einfach gigantisch.

Strandparadies für die Shelties zum Laufen, Toben und Spielen

Wieder am Strand angekommen, konnten sich unsere Hunde austoben und die Freiheit genießen. Die kilometerlangen Sandstrände entlang der Küste sind einfach wie geschaffen für Hundebesitzer. Die traumhaftesten Strände haben wir am Omaha Beach, Gold Beach bzw. Juno Beach gefunden. Sie scheinen unendlich zu sein, und unsere Shelties hatten ein richtiges Paradies zum Toben, Laufen, Spielen ... Nun ging es weiter zur Côte Fleurie nach Honfleur. Ein wunderschöner Ort mit Blick auf die Brücke "Pont de Normandie". Sie ist über zwei Kilometer lang und liegt an der höchsten Stelle 250 Meter über dem Wasserspiegel.

Naturnaher Stellplatz mit täglichem Brötchenservice

Der dortige Stellplatz Quai du Nord ist sehr zu empfehlen, da er nur einige Gehminuten vom Hafen und der Altstadt entfernt und trotzdem sehr naturnah ist. Es gibt morgens sogar einen mobilen Brötchenservice. Sehr interessant war auch die Rückkehr und Abfahrt der Fischerboote. Da die meisten Fischerdörfer hier keinen geschützten Hafen haben, werden die Boote bei Ebbe wieder an Land geholt. Die Trecker fahren dazu mit Anhänger direkt bis fast ins Wasser und ziehen die Boote mit Seilwinden hoch.

Am Stellplatz an der Landspitze vom Cap de Carteret überraschte uns dann ein richtiger Sandsturm. Trotz dem schafften wir es noch, einige „Vom Winde verweht“-Bilder zu machen. Schon glaubten wir das Hafenfest verloren, auf das wir uns so gefreut hatten. Doch weit gefehlt. Im Hafen war es fast windstill, und so genossen wir leckere normannische Moules und Frites – Miesmuscheln mit Pommes, ein in Nordfrankreich sehr populäres Gericht.

Zur nächsten Wanderung brachen wir dann am Cap Manvieux an der der Côte de Nacre, zu Deutsch Perlmuttküste, auf. Einen Stellplatz hatten wir an einem Tenniscenter in Arromanches-les-Bains mit fast direktem Zugang zum Meer gefunden. Diese Küstenlinie war ein wichtiger Platz für die Landung der Alliierten im Jahr 1944, und es gab zwischen imposanten Felsformationen, ockerfarbenen Klippen, kilometerlangen Sandstränden und tiefblauem Meer noch viele Reste der künstlichen Hafenanlage und Bunker zu entdecken. Wir besuchten in Merville-Franceville auch eine zum Museum umfunktionierte, komplett erhaltene Bunkeranlage.

Natürlich durfte auch der Besuch des Mont-Saint-Michel nicht fehlen. Der zum Weltkulturerbe der UNESCO zählende Klosterberg erhebt sich imposant aus dem Wattenmeer und kann nur durch eine einzige Öffnung in der Wehrmauer begangen werden. Malerisch führt eine enge Gasse zwischen hübschen Fachwerkhäusern hoch zur Abtei. Alle Häuser sind vollgestopft mit Souvenirläden, Bistros und Restaurants. Es empfiehlt sich daher, gleich am frühen Morgen einen Besuch einzuplanen. Wegen der Menschenmengen haben wir uns die Besichtigung der Benediktinerabtei erspart.

Die Normandie ist ein Paradies für Natur- und Hundefreunde

Mit dem Wetter hatten wir wirklich Glück. Während fast zur gleichen Zeit in Deutschland ein Jahrhundertregen ganze Landstriche unter Wasser setzte, machten wir am einzigen Regentag in diesem dreiwöchigen Urlaub unser „Schlechtwetterprogramm“. Wir besuchten eine tolle Biscuiterie zwischen Barneville-Carteret und Cherbourg, verkosteten leckeren Cidre, Calvados und Camembert und fühlten uns wie Gott in Frankreich.

Unser Resümee: 2.500 Kilometer immer an der Küste entlang, traumhafte Sandstrände, urige Dörfer, schöne Gärten, herrliche Wanderungen, Sandsturm, Sonnenschein, köstliches Essen – Frankreich ist einfach wie geschaffen, um es mit dem Wohnmobil zu erkunden. Es gibt unzählige Stellplätze in den verschiedensten Kategorien von kostenlos bis exklusiv und von zentral bis einsam und romantisch. Wir werden hier garantiert noch öfter einen Urlaub verbringen und können es für Natur- und Hundeliebhaber einfach nur empfehlen.

Text: Rita Möllers

 

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Rita und Hubert Möllers züchten seit über 20 Jahren Shetland Sheepdogs. Das Münsteraner Ehepaar wird natürlich auch im Urlaub von seinen vier Shelties begleitet. Ihr Rudel besteht derzeit aus Drops (13 Jahre), Tessa (8 Jahre), Shirley (4 Jahre) und Alexa (7 Monate). Weitere Infos: www.monasteria-shelties.de

Geheimtipp für Feinschmecker: In der 100 Jahre alten Keksbäckerei „La Maison du Biscuit“ in Sortosville-en-Beaumont fühlt man sich wie im Schlaraffenland.
www.maisondubiscuit.fr

Tipp Stellplatz Quai du Nord: Er kostet 10 €/24 Std. inkl. Strom, Ver- und Entsorgung (Parkscheinautomat) und ist sehr gut am Ortseingang ausgeschildert. www.bit.ly/1ePGC1j

Tipp für an Zeitgeschichte Interessierte: Musée de la Batterie de Merville in Merville-Franceville, Place du 9ème Bataillon, www.batterie-merville.com


 
Artikel aus Partner Hund Ausgabe 05/2014. Jetzt abonnieren!
 
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