Gefährliche Substanzen auf dem Boden

Hund frisst etwas vom Boden und stirbt fast – doch Giftköder sind nicht der Grund!

Hat der Hund beim Gassi-Gehen etwas vom Boden gefressen und geht es ihm danach immer schlechter, haben Hundehalter und Tierärzte gleich eines im Verdacht: Giftköder! Doch dieser Fall ist überraschend anders.
 
Pekinese © shutterstock.com / Olga Aniven
Junkie-Kot kostet einer Hündin fast das Leben. (Symbolbild)

Als eine Hundehalterin aus Aschaffenburg mit ihrer Hündin Mika im Park spazieren geht, ahnt sie nichts Böses. Die beiden nehmen die altbekannte Route durch den Park. Noch nie ist dabei etwas Auffälliges passiert.
 
„Zurück in der Wohnung war sie kaum noch sie selbst“, erzählt die Hundebesitzerin gegenüber Primavera 24 . Sie hatte Mika dabei beobachtet, wie sie etwas vom Boden gefressen hatte und reagiert daher sofort.
 
Die Diagnose ist schockierend
 
Zitterattacken, Durchfall, Flüssigkeitsverlust. In der Tierklinik gibt Mikas Fall den Ärzten Rätsel auf. Stundenlang wird sie behandelt und versorgt. Die Diagnose, die schließlich gestellt wird, ist schockierend: Nicht Giftköder haben Mikas heftige Reaktion ausgelöst und sie beinahe das Leben gekostet, sondern Menschen-Kot – es enthielt Spuren von Kokain!
 
Dieser Fall zeigt auf: Nicht nur von Menschenhand präparierte Giftköder können Ihrem Hund gefährlich werden. Für Hundehalter ist es kaum vorstellbar, welche Substanzen der Hund beim Rumschnuppern auf der gewohnten Gassi-Tour vom Boden aufnimmt. Giftköder-Training kann in vielen Fällen helfen, das Leben Ihres Hundes zu schützen – nehmen Sie es ernst und legen Sie gleich los! Hundetrainerin Sonja Meiburg erklärt, wie Sie mit einem Anti-Giftköder-Training die Gefahr reduzieren können, dass Ihr Hund Schädliches vom Boden frisst.
 

Anti-Giftköder-Training: So funktioniert es

Zunächst müssen Sie ein paar Vorbereitungen treffen. Testen Sie, welche Leckerlis oder Hundekekse Ihr Hund am liebsten mag, und machen Sie eine Top-10-Liste. Außerdem sollte Ihr Hund entweder den Clicker als positiven Marker kennen oder Sie konditionieren ihn auf ein kurzes Markerwort wie „Klick“, „Zack“ oder Ähnliches. Außerdem sollten Sie ein Freigabesignal wie z.B. „Nimm’s“ mit ihm trainieren.

Ihr Hund, ausgestattet mit Geschirr und Leine, wird angebunden oder von einer zweiten Person festgehalten und schaut Ihnen zu, wie Sie in einigem Abstand ein für ihn mäßig spannendes Futter auf einem Teller am Boden anrichten. Das Top-Futter und den Clicker haben Sie griffbereit. Dann gehen Sie mit Ihrem angeleinten Hund auf den Teller zu, bleiben aber im sicheren Abstand davor stehen. Seinen Blick zum Teller hin belohnen Sie mit einem Klick oder dem Markerwort. Dann zeigen Sie ihm das Leckerchen in Ihrer Hand und bringen ihn so dazu, sich vom Teller weg zu Ihnen hin zu drehen. Er bekommt das Top-Leckerli und darf nach Ihrem Freigabesignal auch das Futter auf dem Teller fressen. Natürlich wird er später dieses Futter nicht immer bekommen dürfen.

Damit er aber im Laufe des Trainings nicht frustriert wird und versucht, die Leckerlis heimlich hinunterzuschlingen, darf er sie in der Anfangsphase der Übungen und immer mal wieder zwischendurch haben. Er soll lernen, dass er sich, bevor er das Futter auf dem Boden erreicht, zu Ihnen umdreht und dort eine tolle Belohnung bekommt. Wenn das sitzt, variieren Sie, indem Sie immer einen Faktor wie Ort oder Zeit des Trainings, Art der beiden Leckerlis, mit Teller oder ohne, verändern. Wenn Sie sicher sind, dass er sich umdreht und sich nicht auf das Futter am Boden stürzt, verringern Sie den Abstand, bis Sie schließlich neben dem Teller stehen. Später können Sie dann beim Spaziergang unauffällig ein Leckerchen verlieren, an dem Sie dann auf dem Rückweg das Stoppen und Umdrehen üben können. In der hohen Schule funktioniert das dann auch ohne Leine.


Wichtiges Signal beim Anti-Giftköder-Training: „nix da!“ 

Setzen Sie sich vor Ihren Hund auf den Boden. Die eine Hand, gefüllt mit unattraktiverem Futter, strecken Sie ihm geschlossen auf dem Boden entgegen. Die andere Hand mit den Top-Leckerlis ist hinter Ihrem Rücken verborgen. In dieser Hand halten Sie zwischen Daumen und Zeigefinger auch den Clicker. Wenn der Hund sich zur ausgestreckten Hand wendet, sagen Sie freundlich „Nix da!“.

Egal, was Ihr Hund jetzt auch anstellt, an das Futter in Ihrer ausgestreckten Hand kommt er nicht heran. Sollte er kurz innehalten, dann clickern Sie und locken ihn mit der Top-Leckerli-Hand von der anderen Hand weg. Er darf das Top-Leckerli fressen, und wenn er beim letzten Bissen ist, bekommt er die Freigabe, auch das Futter in Ihrer anderen Hand zu fressen. Im nächsten Schritt bekommt er erst den Klick, wenn er sich von der Hand am Boden weg zu Ihnen oder der Top-Leckerli-Hand wendet. Wenn er das zuverlässig macht, können Sie auch mal versuchen, das Futter am Boden offen hinzulegen. Dann müssen Sie aber schnell sein und das Futter mit der Hand abdecken, falls er sich doch darauf stürzen will. In diesem Fall sollten Sie mit Ihrem Training wieder einen Schritt zurückgehen.

Klappt das mit dem offenen Futter, dann wieder die verschiedenen Faktoren wie Ort, Zeit oder Leckerli variieren. Jetzt kann auch das Futter am Boden mal für den Hund interessanter sein als das Futter in der Hand. So lernt er, sich auch vom Futter abzuwenden, wenn es richtig gut ist. Um das Signal „Nix da!“ im Gehen zu üben, bauen Sie die Übung ähnlich wie beim Futter-Stopp-Training auf. Legen Sie dazu das unattraktivere Futter auf einen Teller und führen Sie Ihren Hund am Brustgeschirr mit ausreichendem Abstand in gerader Linie daran vorbei. In dem Moment, wo er das Leckerli wahrnimmt, geben Sie Ihr „Nix da!“-Signal, und Ihr Hund sollte sich dann zu Ihnen umdrehen. Wenn er das tut, clickern Sie und er bekommt natürlich den Jackpot, das Top-Futter aus Ihrer Hand. Nach dem Freigabe-Signal darf er auch das Futter vom Teller fressen. Das müssen Sie jetzt eine ganze Weile trainieren, variieren und verfeinern, bis Sie sich trauen können, die Übung ohne Leine zu probieren. Das Futter auf dem Teller ist zunächst so abgedeckt, dass er es zwar riechen kann, aber nicht herankommt.

Am Ende des Trainings haben Sie im Idealfall einen Hund, der sich auf Ihr Signal hin von allem Fressbaren, das vor ihm am Boden liegt, wegdreht. Das heißt aber auch: Wenn Sie das Futter am Boden, also im schlimmsten Fall den Giftköder, nicht rechtzeitig vor ihm sehen und Ihr „Nix da!“ nicht kommt, besteht immer noch die Gefahr, dass er vom Boden frisst. Noch sicherer ist da die nächste Variante.

Das Anzeigeverhalten sollte ein Signal sein, das der Hund schon kennt und das er total gerne ausführt. Wenn er es im Schlaf kann, verfeinern Sie das Futter-Stopp-Training, bis der Hund in etwa 30 Zentimeter Entfernung entspannt vor dem tollsten Futter stehen kann, ohne es anzurühren, sondern zu Ihnen schaut. Im nächsten Schritt warten Sie in dieser Situation mit dem Clickern und geben stattdessen das Anzeigesignal. Das müssen Sie jetzt gut üben, und wenn Sie sicher sind, dass der Hund es beherrscht, lassen Sie das Signal weg und warten ab, ob Ihr Hund das Anzeigeverhalten trotzdem zeigt. Wenn ja, dann bekommt er den Jackpot. Wenn nicht, dann war er wohl noch nicht soweit, und Sie müssen erst mal weiter mit Signal arbeiten.

Ganz wichtig: Der Hund ist zunächst noch angeleint, sodass er niemals ohne Freigabe die Möglichkeit hat, an das Futter zu gelangen. Ihre Geduld und Ausdauer wird gekrönt, wenn Ihr Hund später kein Futter, egal wie verführerisches auch sein mag, vom Boden frisst , sondern Sie mit seinem Anzeigeverhalten darauf aufmerksam macht.


Hund frisst Giftköder: Was tun?

Sollten Sie vermuten, dass Ihr Hund einen Giftköder gefressen hat, dann verlieren Sie keine Zeit, sondern bringen Sie ihn auf dem schnellsten Weg zum Tierarzt. Wenn möglich nehmen Sie Reste des vermeintlich giftigen Futters mit. Dann kann ausgeschlossen werden, dass spitze Gegenstände wie Glassplitter oder Nägel enthalten sind, bevor der Hund zum Erbrechen gebracht wird. Und gegebenenfalls kann der Köder im Labor genauer untersucht werden, um festzustellen, um welche giftige Substanz es sich handelt. Ganz wichtig: Machen Sie eine Anzeige bei der Polizei! Viele Menschen fordern immer wieder höhere Strafen für Tierquäler. Um dies durchzusetzen, müssen die Fälle jedoch bei den Behörden registriert sein. Und informieren Sie andere Hundehalter, indem Sie an der betreffenden Stelle einen Warnzettel aushängen. In den sozialen Netzwerken im Internet gibt es viele regionale Gruppen, die sich zum Thema Giftköder austauschen. Auch hier macht ein Hinweis Sinn. Handy-Apps wie „Giftköder-Radar“ warnen vor aktuellen Bedrohungen und sind auf gesicherte Angaben angewiesen.

Zudem ist es ganz wichtig, auch vorsorglich zu handeln. Das bedeutet, dass Sie Ihrem Hund beibringen, nichts vom Boden zu essen. Auch wenn dieses Training viel Geduld erfordert, es zahlt sich aus!

>>>  Erste Hilfe für den Hund: Was tun im Falle eines Falles?
>>>  Giftnotruf national und international

 

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