Ernährung

BARF für Hunde – Die Vor- und Nachteile im Überblick

Wer seinen Hund BARFen, also mit „Biologisch artgerechtem rohem Futter“ füttern will, sollte sich vorher genau informieren, um Mangelerscheinungen zu vermeiden.
 
Kleiner Hund bekommt rohes Fleisch in Napf serviert © shutterstock.com
Die Fütterung nach BARF-Konzept gilt als besonders gesund und artgerecht. Doch worauf ist dabei generell zu achten?

Hunde sind der beste Freund des Menschen. Bereits früh domestiziert stand der Haushund (Canis lupus familiaris) lange als Arbeitstier im Vordergrund. Mittlerweile sind Hunde als Haustiere mitten in Familien und Haushalten angekommen und erhalten – neben deutlich mehr Aufmerksamkeit – auch hochwertigeres Futter.

Aber: Die Tiermedizin beobachtet seit Jahren, dass Allergien immer häufiger auftreten. Im Fokus stehen an dieser Stelle laut Untersuchungen der Uni München auch Futtermittelallergien, die je nach Quelle in ihrer Häufigkeit zwischen weniger als zwei Prozent bis zwei Drittel schwanken. Hierfür verantwortlich gemacht werden von Haltern unter anderem Zusatz- und Konservierungsstoffe in kommerziellem Futter.

Die Rückkehr zur Rohfleischfütterung – das BARFen – wird als echte Alternative gefeiert. Doch kann BARF diesem Anspruch in der Praxis tatsächlich gerecht werden?
 

BARF für Hunde: Was bedeutet das eigentlich?

BARF wurde in der Vergangenheit mit verschiedenen Bedeutungen belegt. Neben Born-Again Raw Feeders oder Bones And Raw Foods taucht in der Literatur auch Biologically appropriate raw food als Deutung auf.

Im Kern zielt BARF auf eine Rohfleischfütterung nach Beutetierkonzept ab, die sich wesentlich an der Ernährung von Wolf und Wildhunden orientiert. Gefüttert werden unter anderem Muskelfleisch, Innereien und Knochen von Schlachttieren.

Wolf frisst Fleisch
Beim BARF ist die Ernährung des Hundes der des Wolfes nachempfunden. ©shutterstock.com

Geschätzte 25 Prozent aller Hundehalter BARFen ihren Hund komplett oder zumindest teilweise. 
 

Hunde BARFen – Die Vorteile 

Individuelle Zusammenstellung des Futters

Der größte Vorteil liegt sicherlich darin, dass man die Rationen des Hundes selbst zusammenstellen kann und daher genau weiß, was im Futternapf landet. Gerade für Hunde, die eine Allergie oder eine andere Erkrankung entwickelt haben, ist BARF ideal, weil man bei der Futterzusammenstellung die unverträglichen Bestandteile einfach weglässt.

Doch Vorsicht! Bei einem Fertigbarf-Menü geht der Vorteil der individuellen Zusammenstellung natürlich wieder verloren.

Naturbelassenheit

Oft wird BARF mit „naturnah“ in Verbindung gebracht. Es wird nichts erhitzt, alles soll möglichst naturbelassen sein, nichts Künstliches soll zugesetzt werden. Durch den Verzicht auf Erhitzung werden möglichst viele Nährstoffe in den Nahrungsmitteln erhalten, sodass es nicht nötig ist, sie durch künstliche Nährstoffe zu ersetzen. Auch die Orientierung am Wolf suggeriert hier eine gewisse Natürlichkeit, da der Wolf ein Tier ist, das in der Wildnis lebt.

Trockenfutter und Frischfleisch im Vergleich
Rohfütterung punktet im Gegensatz zu Fertigfutter mit Natürlichkeit. ©shutterstock.com

Bessere Futterverwertung

Verdaulichkeit meint, wie viel der Verdauungstrakt von einem Futter tatsächlich verwertet. Je höher die Verdaulichkeit, desto effizienter wird das Futter vom Organismus genutzt. Bei Trockenfutter liegt die Verdaulichkeit bei 85 bis 90 Prozent. Stellt man Rationen selber aus frischen Nahrungsmitteln zusammen, liegt die Verdaulichkeit bei über 90 Prozent. Rohes Fleisch hat eine Verdaulichkeit von 92 Prozent, erhitztes Fleisch ist zu etwa 90 Prozent verdaulich, dieser Unterschied ist allerdings marginal.


Hunde BARFen – Die Nachteile

Keimbelastung

Rohes Fleisch ist häufig mit Keimen belastet, die pathogen wirken können. Viele Hundehalter glauben, für den Hund wäre das nicht so relevant, weil die Magensäure des Hundes die Keime abtöten würde. Das ist jedoch nicht ganz richtig, da es dabei auch auf die Art der Keime ankommt. Eine Belastung mit Clostridien z. B. kann dazu führen, dass im Darm vermehrt Giftstoffe gebildet werden, die zu einer Leberbelastung führen können.

Hunde sind nicht so empfindlich wie Menschen, trotzdem können auch sie durchaus erkranken, oder sie scheiden die Keime aus, wodurch sie zur Infektionsquelle für andere Tiere oder Menschen werden. Hygiene sollte bei der Fütterung von rohem Fleisch daher das A und O sein.

Unausgewogene Nährstoffversorgung

Unterschätzt wird von Haltern auch die Tatsache, dass BARFen keineswegs automatisch die gesündeste aller Fütterungsvarianten ist. Unerfahrenen Haltern fällt es nicht selten schwer, den wirklichen Bedarf der Tiere zu berechnen. Hier ist etwa zu beachten, dass:
  • sich in einzelnen Lebensphasen der Bedarf ändert
  • sich einzelne Inhaltsstoffe gegenseitig beeinflussen
Beispielsweise ist bekannt, dass die Anwesenheit bestimmter Inhaltsstoffe die Aufnahme von Mineralstoffen hemmt. Bezüglich der Lebensphasen gilt zudem folgender Grundsatz: Heranwachsende Hunde benötigen eine andere Futterzusammensetzung als alte Tiere. Zu viel Energie kann Wachstumsstörungen verursachen. Gleiches gilt für eine mangelhafte Versorgung mit Mineralstoffen.

Kranker Husky beim Tierarzt
Wer bei der Zusammenstellung der BARF-Ration schlampt, riskiert die Gesundheit seines Hundes. ©shutterstock.com 

Sowohl bei kommerziellen Barf-Menüs als auch bei selber zusammengestellten Barf-Rationen kommt es immer wieder zu Mängeln oder auch Überversorgung mit Nährstoffen. Beides kann sich langfristig negativ auf die Gesundheit des Hundes auswirken. Dem lässt sich auch durch regelmäßig erstellte Blutuntersuchungen nicht entgegenwirken, da ein Blutbild nicht die tatsächliche Versorgung mit Nährstoffen widerspiegelt.

Um zu überprüfen, ob der Hund mit der Barf-Ration gut versorgt ist, eignet sich am besten eine Rationsüberprüfung vom Fachmann.

Der ökologische Pfotenabdruck

Umweltschutz wird aktuell großgeschrieben, Klimaschutz ist wichtig. Die heute praktizierte Massentierhaltung, die Grundlage unseres hohen Fleischkonsums ist, geht mit großer Umweltbelastung einher.

Einer Untersuchung zufolge gehen 64 Millionen Tonnen CO2-Emissionen pro Jahr auf den Fleischkonsum der Haustiere zurück. Der Fleischanteil beim Barfen liegt deutlich höher, als tatsächlich benötigt.
 

Fazit: BARF – Der Hund ist kein Wolf

BARFen ist zum Trend beim Hundefutter in den vergangenen Jahren geworden. Dahinter steht der Wunsch, den Hund gesund und natürlich zu ernähren. Allerdings ist der Blick auf wildlebende Verwandte wie den Wolf ein falscher Ansatz.

Der Grund: Hund und Wolf haben sich im Stoffwechsel voneinander entfernt. Dies betrifft auch die Anpassung an Kohlenhydrate im Futter. BARFer müssen diese Tatsache berücksichtigen und den Speiseplan des Tieres entsprechend anpassen.

Darüber hinaus hat klar zu sein, welche Risiken sich aus dem BARFen ergeben können – für alle Beteiligten. Es ist sicher kein Fehler, professionellen Rat bei der Erstellung des Futterplans in Anspruch zu nehmen. Mittlerweile haben sich diverse Tierärzte auf die Berechnung und Erstellung von Ernährungsplänen für Hund spezialisiert.
 
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