Durchfall beim Hund

Durchfall bei Hunden: Gehäuftes Haufenproblem

Durchfall tritt bei vielen Hunden auf. Manchmal harmlos, manchmal sehr belastend. Eine erschreckende Meldung kommt aus Norwegen. Hier grassiert unter Hunden eine so schwere Durchfallerkrankung, dass bereits viele Hunde erlöst werden mussten. Lesen Sie, was Durchfall beim Hund auslösen kann und wie der Hund richtig therapiert wird.
 
Hund macht sein Geschäft auf einer Wiese © shutterstock.com/Dora Zett
Durchfall kann bei Hunden immer wieder mal vorkommen.
Der Tierarztverband in Norwegen steht vor einem Rätsel. In und um Oslo erkranken völlig gesunde und ausreichend geimpfte Hunde plötzlich an gravierendem Durchfall. Bei den erkrankten Hunden tritt blutiger Durchfall und blutiges Erbrechen auf. Innerhalb von nur wenigen Stunden sind die Hunde so geschwächt, dass der Tierarzt sie nur noch einschläfern kann. Norwegische Medien sprechen aktuell von über 25 Todesfällen. Die ersten verstorbenen Hunde werden aktuell obduziert, um die Ursache der Erkrankung herauszufinden. Hundehaltern in der Region Oslo empfehlen die Behörden, beim Gassigehen erst einmal Abstand zu anderen Hunden zu halten.

>> UPDATE << 
Auch in Deutschland wurde nun schon ein Fall der mysteriösen Hundekrankheit aus Norwegen gemeldet. In Bad Oldesloe, Schleswig-Holstein, verstarb jetzt ein Hund, der an den gleichen Symptomen, wie die in Norwegen erkrankten Hunde, litt. In seinem Darm konnte die gleiche Bakteriengattung (Providencia alcalifaciens) nachgewiesen werden. Zudem wurde bei dem verstorbenen Hund auch eine Darmverdrehung festgestellt. Die Besitzerin gab an, dass sie weder Urlaub in Norwegen gemacht noch direkten Besuch aus der Region gehabt habe. Auch in Norwegen herrscht noch immer Unklarheit über die Ursachen dieser Erkrankung. 
 
Im Moment sollten Sie mit Ihrem Hund nicht nach Norwegen reisen und auch keinen Hund aus Norwegen ausführen.


Durchfall bei Hunden: Ein Symptom für verschiedene Krankheiten

Durchfall bei Hunden ist streng genommen keine Krankheit, sondern ein Symptom. Allerdings kann auch das Symptom Durchfall gefährlich werden. Heftige Durchfälle können, insbesondere wenn sie von Erbrechen oder Fieber begleitet werden, sehr schnell zu einer Austrocknung und zu einem lebensbedrohlichen Kreislaufversagen führen. Welpen oder geschwächte Tiere sollten daher bei einem schweren Durchfall mit oder ohne Begleitsymptome rasch tierärztlich untersucht werden.
 

Auslöser und Ursachen für Durchfall beim Hund

Für Durchfall beim Hund gibt es unzählige Ursachen: Vom verdorbenen Magen über Viren, Würmer oder einfach „Schiss“ aus Angst. Häufig erfährt man gar nicht, was einen akuten Durchfall verursacht hat, denn bevor der Tierarzt ernsthaft an die Diagnose gehen kann, ist der Spuk glücklicherweise wieder vorbei. Das liegt daran, dass viele Durchfälle selbst begrenzend sind. Das heißt, sie sind sowohl ein Teil des Problems als auch ein Teil von dessen Lösung. Vereinfacht kann man sich das so vorstellen: Der Darm wird durch Erreger oder schädliche Stoffe gereizt und reagiert daraufhin mit Durchfall. Der Durchfall spült dann die eigenen Ursachen aus dem Darm heraus. Damit der Durchfall seine Funktion als Ausputzer des Darms auch ausführen kann, darf er nicht durch Medikamente unterdrückt werden. Das gilt natürlich nur dann, wenn sich die Ursachen für den Durchfall auch tatsächlich im Darm befinden und sich herausspülen lassen. Wenn das nicht der Fall ist, kann es schwierig und manchmal auch langwierig werden.

Hund trinkt aus Pfütze
Im Pfützenwasser befinden sich oft Durchfallerreger (c)shutterstock.com/GoDog Photo


Durchfall bei jungen Hunden

Ursachen für komplizierte Durchfälle bei Welpen und Junghunden sind in erster Linie ausgelöst durch Allgemeininfektionen und hartnäckige Parasiten. Besonders gefährlich sind Infektionen wie Parvovirose , Staupe und Leptospirose , die zu schweren Allgemeinerkrankungen und zum Teil auch zum Tod führen können. Allen drei Krankheiten, oder zumindest einem schweren Krankheitsverlauf, kann man durch Impfungen vorbeugen.


Wiederkehrende Durchfälle beim Hund

Eine häufige Ursache für immer wiederkehrende Durchfälle bei Hunden unter einem Jahr sind Giardien. Das sind einzellige Darmparasiten, mit denen sich der Hund überall infizieren kann. Die Darmschleimhaut ausgewachsener gesunder Hunde kann Giardien in der Regel gut in Schach halten, sodass die Tiere trotz einer Infektion keine Symptome zeigen. Junghunde hingegen leiden unter hartnäckigen Durchfällen. Abgesehen vom Durchfall sind die betroffenen Hunde meist fit und munter. Eine Erkrankung an Giardien weist der Tierarzt mithilfe einer Kotuntersuchung nach. Neben der Behandlung mit speziellen Antiparasitika gegen Giardien ist strenge Hygiene zur Vermeidung erneuter Infektionen bei dieser Krankheit wichtig, denn leicht werden aus diesen Parasiten Stammgäste und der Durchfall zum Dauerproblem. In einer Berliner Studie aus dem Jahr 2017 verursachten Giardien sechs Prozent der chronischen Durchfälle. Als chronisch bezeichnet man Durchfälle, die drei Wochen und länger bestehen oder immer wieder auftreten.


Durchfall durch Erkrankungen außerhalb des Darms

Grob unterscheidet man Durchfälle, die von einer Erkrankung des Darms ausgehen, von solchen, die durch Erkrankungen außerhalb des Darms verursacht werden. Zu den Letzteren zählen an erster Stelle Krankheiten der Bauchspeicheldrüse (knapp vier Prozent der Hunde aus der Berliner Studie), gefolgt von Hormonstörungen, Leber-, Nieren- oder Herzkrankheiten. Bei einer eingeschränkten Bauchspeicheldrüsenfunktion (exokrine Pankreasinsuffizienz, EPI) kann der Hund Nahrungsfette nicht mehr verdauen. Die Fette bleiben im Darm und führen zu Blähungen und Durchfall. Darüber hinaus blockieren die Fette im Darm die Aufnahme von Vitaminen und anderen wichtigen Nährstoffen. Es kommt auf Dauer zu einer Mangelernährung, die Heißhungerattacken und Hautprobleme verursachen kann.

Die Diagnose EPI stellt der Tierarzt mithilfe spezieller Kot- und Blutuntersuchungen. Behandelt wird die Krankheit lebenslang, indem man der Nahrung Enzyme zufügt, die die Fettverdauung übernehmen. Bei 136 Hunden mit Dauer-Durchfall in der Berliner Studie konnte eine chronische Darmerkrankung (Enteropathie) festgestellt werden. Davon litten 18 Hunde unter einer Infektion und 16 unter Parasiten (hauptsächlich Giardien). Fünf Tiere hatten einen Tumor im Darm. Bei 97 Hunden, also mehr als 70 Prozent, konnte eine Darmentzündung nachgewiesen werden, aber nicht deren Ursache. In Fällen von chronischen Darmentzündungen ohne eindeutige Ursache führt man diagnostische Behandlungsversuche durch. Man unterscheidet die Erkrankungen dann nach dem Ansprechen auf eine bestimmte Therapie als Futter-responsive Enteropathie (FRE), Antibiotikaresponsive Enteropathie (ARE) oder Darmentzündung ohne feststellbaren Grund (auf Englisch „idiopathic inflammatory bowel disease“, kurz IBD).
 

Durchfall durch Futterunverträglichkeit

Am häufigsten kommt als Therapie bei Durchfall die Futter-responsive Enteropathie (FRE) vor, die man mit einer speziellen Diät gut in den Griff bekommen kann. Entscheidend für den Erfolg der Therapie und damit auch für die Diagnose ist, dass ein Hund mit Verdacht auf diese Erkrankung tatsächlich nur sein Diätfutter in den Fang bekommt und nichts anderes. Bis das Tier unter der Diät keine Verdauungsstörungen mehr hat, können zwei bis vier Wochen vergehen. Solange weiß man also nicht, ob der Hund tatsächlich unter einer FRE leidet. Wenn diese diagnostische Diät keinen Erfolg zeigt, kommt ein Versuch mit speziellen Antibiotika infrage. Das gilt auch, wenn bei dem Tier keine Infektion festgestellt wurde. In der Berliner Studie konnten die Tierärzte den chronischen Durchfall so bei elf Tieren unter Kontrolle bringen und diagnostizierten eine Antibiotikaresponsive Enteropathie (ARE). Bei Tieren, bei denen weder die Diät noch die Antibiotika anschlugen, diagnostizierten die Tierärzte eine Darmentzündung ohne feststellbaren Grund (IBD). 
 

Hund wird gefüttert

Mit spezieller Diät kriegt man Durchfall oft in den Griff. (c)shutterstock.com/ Dmytro Zinkevych
 

Individuelle Therapie bei Durchfall

Bei Durchfall durch eine Darmentzündung ohne feststellbaren Grund (IBD) versucht der Tierarzt, die Entzündung durch Medikamente zu lindern. Um die Medikamentendosis möglichst gering zu halten und so Nebenwirkungen vorzubeugen, erhält der Hund eine reizarme Kost, in der Regel ein Anti-Allergiefutter. Ausgewählte Nahrungsergänzungsmittel, wie beispielsweise Omega Fettsäuren, wirken entzündungshemmend und unterstützen so zusätzlich die Therapie.

Da Stress und Angst Durchfälle auslösen oder verstärken können, hilft es insbesondere bei nervösen Tieren manchmal, Stressquellen zu identifizieren und – wenn möglich – auszuschalten. Bei der Darmentzündung ohne feststellbaren Grund (IBD) muss man sich im Einzelfall an die richtige Therapie herantasten, denn was bei dem einen Hund gut wirkt, hilft bei einem anderen vierbeinigen IBD-Patienten überhaupt nicht. Leider gibt es auch Fälle, in denen trotz aller Bemühungen keine Besserung zu erzielen ist. Eine Heilung der IBD ist in der Regel unmöglich, das bedeutet, dass der Hund ein Leben lang behandelt werden muss. Aber wenn die richtige individuelle Therapie erst gefunden ist, kann man die Symptome effektiv lindern.

Rückfälle können zwar immer wieder vorkommen, sind aber auch wieder in den Griff zu bekommen. Viele Besitzer können die Krankheit ihres Hundes so gut unter Kontrolle bringen, dass beide, Hund und Mensch, zufriedenstellend damit leben können
 
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