Tod des Hundes kann schmerzhafter sein als der eines Verwandten

Wenn der eigene Hund verstirbt, ist das für jeden eines der schlimmsten Erlebnisse. Studien zeigen, wie schmerzhaft diese Erfahrung für Hundebesitzer wirklich sein kann und woran es liegt, dass wir um Hunde genauso intensiv – manchmal sogar noch stärker – als um einen verstorbenen Verwandten trauern. 
 
Schmerzlicher Abschied vom Hund © shutterstock.com/fongbeerredhot
Es schmerzt, wenn der Hund von uns geht.
Es spielt keine Rolle, ob der Hund aufgrund von Altersschwäche, wegen einer Krankheit  oder aus einem anderen Grund von uns geht – es ist immer eine unglaubliche Belastung. Das weiß auch Frank T. McAndrew – Psychologieprofessor am Knox College in Galesburg, Illinois. Er selbst musste bereits Abschied von seiner treuen Hündin Murphy nehmen. Dem internationalen Nachrichten-Portal The Conversation erklärt er, wie die Forschung beweist, dass Hundebesitzer um ihre Vierbeiner genauso trauern, wie um einen verstorbenen Verwandten. Außerdem zeigt der Psychologieprofessor, woran es liegt, dass beim Todesfall des Tieres eben nicht „einfach nur ein Hund“ geht.
 

"Es war doch nur ein Hund" – Unverständnis von vielen Seiten

Für die meisten Menschen ist der Tod des eigenen Hundes in nahezu jeder Art und Weise mit dem Verlust eines geliebten Menschen vergleichbar – das zeigt eine Studie aus England. Dennoch: In unserer Kultur ist es unüblich, sich von dem eigenen Vierbeiner genauso traditionell zu verabschieden – beispielsweise durch eine Trauerfeier – wie bei dem Todesfall eines Menschen. Aber genau solche Rituale hält der Psychologieprofessor Frank T. McAndrew für besonders wichtig: Hundebesitzer hätten so die Chance, den schmerzlichen Verlust auf die richtige Weise zu verarbeiten.

Leider sieht die Realität anders aus: Häufig stoßen Hundebesitzer auf Unverständnis. Wer selbst kein Haustier hat, kann den Schmerz oft nicht nachempfinden. Aussagen wie „es ist doch nur ein Hund“ geben Betroffenen zu Unrecht das Gefühl, sie dürften nicht um ihre Tiere trauern. Professor McAndrew ist sich sicher: Würden mehr Menschen verstehen, wie intensiv die Beziehung zwischen Zwei- und Vierbeiner tatsächlich ist, wäre es auch gesellschaftlich anerkannt, um das Tier öffentlich zu trauern. Die Folge: Hundebesitzer könnten mit dem immensen Verlust besser umgehen.


Die Trauer um den Hund braucht Zeit.    ©shutterstock.com/Antonio Guillem
 

Starke Bindung zum Hund macht Verlust schmerzhafter

Die tiefe Verbindung zwischen Mensch und Hund kommt nicht von ungefähr: Seit etwa 10.000 Jahren werden die Tiere gezielt dazu gezüchtet, unser Begleiter und Freund zu sein. Das hat starke Auswirkungen: MRT-Scans zeigen, dass das Hundegehirn auf das Lob des Besitzers genauso reagiert, wie auf Futter – bei manchen Hunden sogar noch stärker. Hunde haben über die Jahre auch gelernt, das emotionale Befinden des Menschen zu interpretieren  – sogar allein durch Gesichtszüge.

Studien beweisen außerdem, dass uns Hunde bewusst helfen möchten – sie machen uns glücklich. Allein einen Hund anzusehen, gibt den meisten Menschen ein gutes Gefühl. Außerdem: Hundehalter leben durch Hunde länger und gesünder  – das ist bei anderen Haustieren laut Professor McAndrew in diesem Maße nicht der Fall. Die natürliche Verbindung zwischen Hund und Mensch ist laut McAndrew einer der ausschlaggebendsten Gründe, weshalb der Verlust des eigenen Vierbeiners so schwer ist.


Hunde schenken uns ein gutes Gefühl.       ©shutterstock.com/Olena Yakobchuk
 

Der Tod des Hundes verändert das eigene Leben

Psychologin Juli Axelrod fand in einer Studie heraus, weshalb uns der Tod des Hundes so zu schaffen macht. Durch den eigenen Vierbeiner erfahren Menschen bedingungslose Liebe – der Hund ist der beste Freund, der uns Sicherheit und Wohlbefinden schenkt. Außerdem: Für einige Menschen ist der Hund tatsächlich eine Art Schützling – sie betrachten ihn wie ihr eigenes Kind. Das alles mit einem Mal zu verlieren, belastet selbstverständlich unsere Psyche enorm.

Viele Hundebesitzer erleben auch, dass nach dem Abschied des Vierbeiners die alltägliche Routine zerstört ist. Viele Entscheidungen im Leben werden von dem Hund abhängig gemacht – nach dem Tod muss plötzlich nicht mehr auf den geliebten Vierbeiner Rücksicht genommen werden. Wie eine englische Studie beweist, lösen Veränderungen der Routine und der Lebensumstände in uns großen Stress aus. Einen Hund und damit auch ein Stück des alltäglichen Lebens zu verlieren, ist also alles andere als einfach.


Der verstorbene Hund hinterlässt eine Lücke.        ©shutterstock.com/Jareerat
 

Der Umgang mit dem Tod des Hundes

Durch eine Umfrage fand ein amerikanisches Forscherteam heraus, dass viele trauernde Tierbesitzer unklare Geräusche mit dem Winseln des verstorbenen Tieres gleichsetzten – auch wenn sich etwas bewegte, glaubten viele zuerst, plötzlich ihren geliebten Vierbeiner aus dem Augenwinkel gesehen zu haben. Am häufigsten traten diese Täuschungen kurz nach dem Todesfall auf – besonders, wenn die Besitzer eine starke Bindung zu ihrem Tier hatten.

Ohne Zweifel: Jeder Hundebesitzer würde sich liebend gerne wünschen, dass sein treuer Vierbeiner wieder bei ihm wäre. Psychologieprofessor Frank T. McAndrew ist sich sicher, dass man sich an die beruhigende Wirkung von Hunden als Besitzer gewöhnt – und diese besonders vermisst, wenn der Hund nicht mehr da ist. Die Folge: Die meisten Betroffenen holen sich nach einiger Zeit auch wieder einen Hund nach Hause, der ihnen auf seine ganz eigene Art und Weise dieses Gefühl zurückgeben kann.

Wenn der Vierbeiner stirbt, verlieren wir also viel mehr als „einfach nur ein Haustier“. Es geht ein Freund, ein treuer Begleiter, der uns immer zur Seite stand und uns absolut bedingungslos seine Liebe geschenkt hat. Es ist wichtig, dass Sie sich die Zeit, die Sie für die Trauer um Ihren geliebten Hund  brauchen, auch nehmen. Auch wenn es viele nicht glauben wollen: Der Verlust des geliebten Vierbeiners ist immer schwer und muss mit viel Zeit verarbeitet werden.