Gefährliche Gewässer

Blaualgen – Lebensgefahr für Hunde und andere Tiere

Drei Hunde sterben qualvoll kurz nachdem sie schwimmen waren. Grund dafür ist Vergiftung durch Blaualgen. Lesen Sie hier, welches Gesundheitsrisiko für Tier und Mensch Blaualgen bergen, woran Sie befallene Gewässer erkennen und wie Sie Ihren Hund schützen können.
 
Blaualgen sind tödlich für Hunde © shutterstock.com / dezy
Blaualgen sind tödlich für Hunde
Auf einer Gassi-Tour erlauben Hundebesitzer ihren drei Hunden in einem Weiher baden zu gehen. Keine fünfzehn Minuten später erleidet ein Hund heftige Krampfanfälle. Die Besitzer bringen ihn sofort in die Tierklinik. Dort angekommen, beginnt der zweite der drei Hunde Anzeichen für einen Anfall zu zeigen. Kurz danach wird der dritte Hund ebenfalls krank, die Leber beginnt zu versagen. Bereits am nächsten Tag sterben alle drei Hunde tot. Der Grund für diesen tragischen Vorfall: Der Weiher, in dem die Hunde baden waren, war befallen mit giftigen Blaualgen.
 
Was sich vor einigen Tagen in North Carolina in den USA zugetragen hat, ist auch in Deutschland denkbar: Im Hitzesommer 2018 waren mehrere Hunde ebenso wie Wildtiere in der Umgebung des Tegeler Sees in Berlin durch Blaualgen-Vergiftungen gestorben.


Was sind Blaualgen und wann sind sie giftig?

Blaualgen sind Bakterien mit einer blau-grünlichen Farbe. Daher kommt auch der wissenschaftliche Name Cyanobakterien. Sie sind die ältesten Organismen der Erde und finden sich in jedem Ökosystem. Sie produzieren Sauerstoff und versorgen damit die Lebewesen in den Gewässern.
 
„Das Vorhandensein der Cyanobakterien an sich ist noch kein Grund zur Beunruhigung“, sagt Thomas Friedl, Algenforscher der Universität Göttingen, gegenüber Spiegel Online.
 
Problematisch wird es erst bei hohen Temperaturen oder wenn große Mengen an landwirtschaftlichen Abfallprodukten in den Gewässern landen. Denn das begünstigt die massenhafte Vermehrung der Blaualgen. Kommt es zur Blüte, normalerweise im August, treiben die Blaualgen wie ein grüner Teppich auf der Oberfläche des Wassers. Bei starkem Befall durch Blaualgen ist die giftige Wirkung sehr hoch und vor allem für Tiere und Kinder sehr gefährlich.


Welches Gesundheitsrisiko bergen Blaualgen für Tier und Mensch?

Blaualgen sind toxisch. Das Baden in stark bewachsenen Gewässern ist schädlich für Tiere, Kinder und auch Erwachsene.
 
Erwachsene, die beim Baden zu viel befallenes Wasser verschluckt haben, können mit Reizungen der Haut, Schleimhaut und Bindehaut sowie Durchfall und Erbrechen davon kommen. Schlimmstenfalls kann es aber zu Fieber, Leberschäden, Lähmungen der Atemmuskulatur oder sogar Schädigung des Nervensystems kommen. Für kleine Kinder, die zu viel verunreinigtes Wasser verschlucken, herrscht Lebensgefahr!
 
Ebenso gefährdet sind auch Tiere: Für Hunde, die die Überreste der angeschwemmten Blaualgen fressen oder sich diese auch nur vom Fell lecken, kann das tödlich enden, wie die aktuellen Fälle in den USA sowie die Fälle des vergangenen Jahres in Berlin belegen.


Welche Gewässer sind betroffen?

Wenn die Temperaturen steigen, nimmt die Blaualgenblüte rasant zu. So geschehen ist das im Hitzesommer 2018, als so viele Badeverbote verhängt wurden, wie schon lange nicht mehr. Zum Vergleich: 2018 galten Badeverbote wegen Blaualgenbefall an 47 deutschen Badegewässern, im Jahr 2017 waren es nur 17.
 
Für die Überwachung der Badegewässer sind die einzelnen Bundesländer verantwortlich. Sie kontrollieren die Gewässer und informieren online über entsprechende Verbote oder geben Warnhinweise. Über die Deutschlandkarte des Umwelt-Bundesamts , gelangen Sie zu den entsprechenden Internet-Auftritten der Bundesländer. Dort können Sie Listen der Badegewässer, Badegewässerprofile, die Ergebnisse der Qualitätseinstufungen und aktuelle Daten zur Wasserqualität in der Badesaison 2019 einsehen.
 
Zudem werden Badegäste direkt an den Gewässern mit Warnhinweisen über Badeverbote informiert.


Wie erkenne ich Blaualgen-Befall?

Sich auf Warnhinweise zu verlassen, ist aber nicht genug. Denn die Gewässer werden nur einmal im Monat überprüft. Bei hohen Temperaturen kann sich die Qualität des Wassers aber sehr schnell ändern. Achten Sie daher auf Anzeichen, die darauf hindeuten, dass ein Gewässer stark mit Blaualgen befallen ist.
 
„Cyanobakterien können an der Gewässeroberfläche schwimmen. Das sind dann die grünen Schlieren. Die sind zu unterscheiden von Grünalgen, die lange Fäden ziehen. Manche Cyanobakterien bilden kleine Kügelchen, die man auch mit bloßem Auge erkennen kann. Wenn man knietief im Wasser steht und seine Füße nicht mehr sieht, dann ist Vorsicht geboten", rät Jutta Fastner vom Umweltbundesamt im Experten-Interview auf mdr.de.

Blaualgen im See
Blau-grünliche Schlieren und Teppiche im Gewässer deuten auf Blaualgen hin. © shutterstock.com / Cheng Wei

Zusammengefasst: Schlieren und Teppiche im Wasser, die blau-grünlich schimmern, sind ein eindeutiges Anzeichen auf Belastung durch Blaualgen. Ein weiteres Zeichen für Blaualgen-Befall kann auch ein übler Geruch nach faulen Eiern, Gülle und Ammoniak sein. Ist der Befall so stark, dass Sie knietief im Wasser stehend Ihre Füße nicht mehr sehen können, kann es für Tier und Mensch sehr gefährlich werden.  


Wie schütze ich meinen Hund vor einer Vergiftung durch Blaualgen?

Es gibt nur einen sicheren Weg, Ihren Hund vor einer Vergiftung mit Blaualgen zu schützen: Haben Sie Blaualgen in einem Gewässer entdeckt, dann lassen Sie Ihren Hund dort auf keinen Fall baden! Nur so können Sie garantieren, dass Ihr Hund sich nicht vergiftet. Für ungetrübte Badefreuden empfiehlt sich außerdem:
  • Suchen Sie ein Gewässer auf Ihrer Gassi-Tour regelmäßig auf, dann halten Sie sich bei der zuständigen Stelle immer auf dem Laufenden über die Wasserqualität.
  • Beachten Sie unbedingt Badeverbote und lassen Sie Ihren Hund nicht in Gewässern baden, die mit Warnhinweisen auf Blaualgen versehen sind.
  • Vermeiden Sie das Baden an Stellen, in denen sich viele Wasservögel tummeln.
  • Nehmen Sie den Hund an befallenen Stellen an die Leine (vor allem an warmen, flachen, ruhigen Bereichen von Seen, Teichen und Bächen, die lange Sonnenlicht ausgesetzt sind).
  • Hat der Hund befallenes Gewässer bereits betreten, dann achten Sie darauf, dass er Fell und Pfoten keinesfalls ableckt.
  • Hat Ihr Hund bei der Gassitour in einem Gewässer gebadet, dann brausen Sie ihn daheim gründlich ab. So vermeiden Sie, dass sich Blaualgen im Fell festsetzen.
 

Wie erkenne ich eine Vergiftung durch Blaualgen beim Hund?

Viele Hundebesitzer, deren Hunde urplötzlich sehr krank werden und sogar sterben, führen das meist nicht auf das Baden an einem mit Blaualgen befallenen See zurück. Vielmehr sind eine heftige Infektion oder andere Ursachen im Verdacht. Achten Sie daher auf folgende Symptome bei Ihrem Hund. Sollten Sie diese Symptome nach einer nicht lange zurückliegenden Bade-Tour feststellen, dann liegt eine Vergiftung mit Blaualgen nahe.
  • Lethargie, Schwäche und Orientierungslosigkeit
  • Blasse Schleimhäute
  • Übermäßiger Speichelfluss und Tränenproduktion
  • Muskelzittern, Muskelstarre, Lähmungen, Krampfanfälle
  • Atemnot
  • Erbrechen und Durchfall
  • Gelbsucht
  • Schock und Bewusstlosigkeit
 Auch für Katzen, Pferde und Vögel ist eine Vergiftung mit Blaualgen sehr gefährlich. Haben sich die Tiere erstmal vergiftet, ist der Krankheitsverlauf dramatisch und endet in vielen Fällen tödlich.

 
 
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