ADAC-Sicherheitstest: Hund im Auto transportieren

Ob und wie Tiersicherungssysteme die Verletzungsgefahr für Mensch und Haustier bei einem Unfall mindern, hat der ADAC in einem umfangreichen Systemvergleich getestet.
 
Hund in Auto © stock.adobe.com/Eva
Augen auf beim Autofahren!

Hunde werden im Vergleich zu anderen Haustieren besonders oft im Auto mitgeführt. Während der Fahrt muss der Hund unbedingt gesichert werden – zu seiner eigenen Sicherheit genauso wie zur Sicherheit anderer Insassen und Verkehrsteilnehmer. 

Wichtigste Ergebnisse des ADAC Sicherheitstests

Der Fahrer ist nach § 23 der Straßenverkehrs-Ordnung zur Sicherung der Tiere im Auto verpflichtet. Andernfalls drohen ein Verwarnungs- oder Bußgeld von 35 bis 75 Euro und eventuell Punkte in Flensburg.

ADAC Test – Diese Beförderung ist zu empfehlen:
  • Die sicherste Möglichkeit, Tiere im Auto zu befördern, ist mit einer Transportbox  im Fußraum der Rücksitze oder im Laderaum direkt hinter den Sitzlehnen und dann kombiniert mit einem Trenngitter. 
  • Kleine Hunde: Höchste Sicherheit bieten Transportboxen, die in den Fußraum hinter den Fahrer oder Beifahrer gestellt werden und dadurch nicht nach vorne katapultiert werden können.
  • Größere Hunde: Höchste Sicherheit bieten Transportboxen, die quer zur Fahrtrichtung und direkt an die Sitzlehne in den Laderaum gestellt werden. Der Laderaum sollte zusätzlich mit einem stabilen Trenngitter versehen sein.
ADAC Test – DIese Beförderung ist nur bedingt zu empfehlen: 
  • Bedingt empfehlenswert sind Geschirre mit breiten Gurten und Metallverschlüssen, die das Tier rechts und links am Körper auf den Sitz fixieren. Wichtig jedoch dabei: Die Befestigung sollte beiderseits des Körpers erfolgen und darf kaum Spiel nach vorne aufweisen. Verankert werden muss das Geschirr  entweder in den Gurtschlössern oder – falls vorhanden – mit den Isofix-Verbindungen. Der ADAC fordert die Hersteller auf, nur noch stabile und fest verankerbare Gurtgeschirre anzubieten.
ADAC Test – Diese Beförderung ist nicht zu empfehlen: 
  • Abzuraten ist von der Fixierung am Rücksitz mit einem Haltegeschirr, das nicht stabil ausgeführt ist und zu viel Vorverlagerung erlaubt. Im ADAC-Test zerbrach der Karabinerverschluss und der Tierdummy schlug wie ein Geschoss in die Lehne des Vordersitzes ein. Schon ein 20 Kilogramm schwerer Hund entwickelt bei einer Geschwindigkeit von 50 km/h eine Aufprallwucht von über 500 Kilogramm. Tödliche Verletzungen für das Tier und schwere Verletzungen für die Fahrzeuginsassen können die Folge sein.
  • Abzuraten ist von einem Transport der Box auf dem Rücksitz, selbst wenn diese mit dem Sicherheitsgurt gesichert ist.  Beim ADAC-Aufpralltest schlug der Dummy durch die Gittertüre auf die Rückenlehne des Vordersitzes. Auch die Befestigung des Gurtes hielt den Belastungen nicht stand.
 

Darauf sollte man beim Kauf von Transportboxen achten

Der ADAC bemängelt die zum Teil missverständlichen Angaben in den Bedienungsanleitungen, die häufig zu Fehlbedienungen führen und so die Sicherheit von Mensch und Tier gefährden. Der Club empfiehlt beim Kauf von Tiersicherungssystemen darauf zu achten, dass die Produkte durch ein Crashtestverfahren nach ECE R17, ECE R 126 oder DIN 75410-2 überprüft wurden. Hier werden alle Exemplare mittels sogenannter Schlittenversuche getestet. Dazu wurden die Systeme in der Rohkarosserie eines Opel Astra installiert, die mit Gurten und Sitzen ausgestattet war. Die Aufprallgeschwindigkeit des Schlittens betrug 50 km/h. Die Abbremsung wurde analog den Anforderungen an die Sitzstabilität (ECE R17) bzw. an die Ladungssicherung (ECE R126 und DIN 75410-02) durchgeführt.
 

So schneiden die verschiedenen Transportarten im Test ab 

Kuscheltier in Form eines großen Hundes und einer Katze wurden mit eingepflanztem Ballast auf das nötige Gewicht gebracht (Hund 22 KIlogramm, Katze 4 Kilogramm). In Foto-Sequenzen wurde deutlich gezeigt, was in den unterschiedlichen Varianten der Sicherung mit Hund und Fahrzeuginsassen bei einem Aufprall geschieht: 

Der Hund ist nicht gesichert:
Der Hunde-Dummy durchmisst den Fahrzeug-Innenraum von hinten nach vorne in Kopfhöhe der Insassen und landet im Nacken des Herrchens. Im Real-Unfall wäre das für beide fatal: Die Aufprallwucht entspricht einem Gewicht von über 500 Kilogramm. 

Der Hund ist mit minderwertigem Gurtsystem gesichert:
Ein Test mit Hundegurt der schwachen Art zeigte: Dieses Gurtsystem hat beim Aufprall nach dem Bruch eines Karabinerhakens zu einer extremen Vorverlagerung geführt. Der Hunde-Dummy bohrt sich tief in die Rückenlehne des Fahrers, die dabei massiv deformiert wird. Der Fahrer muss mit schweren Verletzungen im Rückenbereich rechnen, der Hund hätte keine Chance.

Der Hund ist in einer Box im Bodenbereich: 
Die Box im Bodenbereich bleibt sicher stehen. Es handelt sich hierbei um eine empfehlenswerte Lösung, sofern Tier und Box nicht zu groß sind.

Bei großer Box und schwerem Hund: Die Box wird zwar beim Aufprall so massiv gegen die Rückenlehne gepresst, dass sich die Lehne verformt. Die Box bleibt aber stabil, der Hund wird über seine Länge gut in der Box aufgefangen, schwere Verletzungen würden ihm erspart bleiben. Da ein Verletzungsrisiko für Passagiere auf der Rücksitzbank bei schweren Kollisionen nicht völlig auszuschließen ist, wäre ein zusätzliches Trenngitter optimal.

Box ist auf dem Rücksitz an Gurtverankerungen platziert:
Obwohl dieser Crashversuch nur mit einer 4 Kilogramm schweren Plüsch-Katze stattfand zeigte er schwere Folgen auf: Beim Aufprall des Fahrzeugs mit 50 km/h beginnt die auf der Rücksitzbank platzierte Box an den Gurtverankerungen aufzureißen, der Dummy schießt mitsamt der zerbrechenden Gittertüre in die Rückenlehne des Beifahrers. Für das Tier ginge das schlimm aus, aber auch beim Beifahrer wäre mit zusätzlichen Belastungen zu rechnen.
 

Empfehlung vom ADAC: So sollten Sie die Box platzieren

Platzieren Sie die stabile Transportbox im Kofferraum immer quer und  direkt an der Rückenlehne! Ein zusätzliches Trenngitter zur Rückbank sorgt für noch mehr Sicherheit. Diese Empfehlung gilt auch bei schweren Gepäckstücken!
 
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