ZOS - Zielobjektsuche

Ob Deutschland, Österreich oder die Schweiz, wenn es um interessante Fortbildungen geht, gibt es einen Geheimtipp: die "Zielobjektsuche", kurz ZOS genannt. Ziel der neuen Methode ist, eine bessere Auslastung von Familienhunden im alltäglichen Leben zu erreichen.
 
© M. Brunner
ZOS lautet das Zauberwort der Hundeszene. Ausgeschrieben „Zielobjektsuche“. Auf die Idee dazu kam Thomas Baumann, weil er bei immer mehr Problemhunden einen Auslöser entdeckte: mangelnde oder falsche Auslastung. „Gerade durch Ball-, Zerr- und Beutespiele, die nicht fachmännisch gemacht werden, bekommt man immer ballverrücktere Hunde, die man kaum in den Griff bekommt“, erklärt der erfahrene Trainer.
Da er in seiner jahrelangen internationalen polizeilichen Arbeit mit Sprengstoff-, Rauschgift- und anderen Spürhunden  die Erfahrung gemacht hatte, dass die Polizeihunde nach fünf bis zehn Minuten konzentrierter Suche zwar völlig erschöpft, aber glücklich waren, überlegten er und seine Frau Ina, wie sich diese Ausbildung für Familienhunde adaptieren ließe. Das Ergebnis ist ZOS, eine Verschmelzung der schon bekannten Gegenstandssuche mit feinen Spezifikationen im Diensthundewesen.
„Bei der Zielobjektsuche wird der Hund mithilfe des Clickers auf drei bis fünf kleine Gegenstände konditioniert, z.B. Stift, Feuerzeug, Münze. Im Fortgeschrittenen-Stadium werden alle Gegenstände gleichzeitig versteckt, und der Hund soll auf Kommando nur einen davon suchen. Dabei kommt er natürlich an den anderen Dingen vorbei, darf sie aber nicht anzeigen“, führt er aus.Der Hundehalter beginnt das Training mit einem Gegenstand, z.B. einem Kugelschreiber. In einer Hand hat er den Clicker und von drei Fingern umschlossen etwas Futter, in der anderen den Stift. Beide Hände sind oben. Nun sagt er ganz betont „Stiiift!“ und dann „Go!“. Mit dem „Go!“ gehen beide Hände nach unten. Schnüffelt der Hund an der Futterhand, wird dies ignoriert. Jeder Hund prüft irgendwann die andere Hand mit dem Stift.
Berührt er den Stift mit der Nase, wird geclickt und sofort am Stift gefüttert. „Die meisten Hunde lernen sehr schnell, dass das Berühren des Gegenstandes Futter bedeutet, und werden ihn dann auch in weiterer Entfernung anstupsen“, erklärt der Experte. Hat der Hund das Prinzip verstanden, wird ein zweiter und dann ein dritter Gegenstand eingeführt. Jede Übung wird mit „Stiiift!“ und „Go!“, „Müünze!“ und „Go!“ etc. begonnen. Je häufiger man das macht, desto mehr wird ihm klar, was mit dem jeweiligen Begriff gemeint ist. Danach lernt er, sich davor abzulegen. „Dazu legt man den Stift etc. auf den Boden. Stupst der Hund mit der Nase daran, geht man mit der Futterhand nach unten und sagt motivierend ohne emotionalen Druck „Platz!“, „Platz!“, „Platz!“. Dann clickt man und öffnet die Hand. Dadurch bringt man ihn zum Hinlegen und bereitet ihn vor, dass später nicht mehr das Berühren beclickt wird, sondern das Platz unmittelbar vor dem gefundenen Gegenstand.
Mit der Zeit wird das Suchobjekt immer weiter weggelegt oder -geworfen und schließlich versteckt. Damit der Hund am gefundenen Ding bleibt, gibt’s nur eine Belohnung, wenn er liegen bleibt. Man geht hin und öffnet die Hand in unmittelbarer Nähe des Gegenstandes. Geht er weg, bleibt man stehen, bis er die gewünschte Reaktion zeigt.
Besonders spannend ist, wenn ein Fremder das Verstecken übernimmt und der Halter nicht weiß, wo das gesuchte Objekt ist. „Die Hunde suchen dabei im Grunde genommen die Geruchskomposition aus dem Eigengeruch des Besitzers, dem spezifischen Geruch des Gegenstandes und dem des Futters, der sich darauf ablagert“, erklärt Thomas Baumann. „Da die Mixtur einmalig ist, muss man stets den gleichen Stift, die gleiche Münze und das gleiche Feuerzeug verwenden und in separaten Behältnissen aufbewahren, um Geruchsüberlagerungen zu verhindern.“
Bei Fortgeschrittenen werden neben bekannten Gegenständen auch andere persönliche Dinge versteckt, z.B. eine Haarspange oder ein Schlüssel. So wird der Individualgeruch des Halters als Leitgeruch ausgeschlossen. Den meisten Hunden macht ZOS unheimlich viel Spaß. Sogar nordische Rassen und Herdenschutzhunde, taube, blinde und durch andere körperliche Gebrechen gehandicapte Hunde haben hier Kurse mit großem Eifer absolviert. Da diese konzentrierte Form der Suche aber sehr anstrengend ist, muss man darauf achten, den vierbeinigen Partner nicht zu überfordern. Sehr viele Hunde fangen schon nach drei oder vier Minuten zu hecheln an, nach fünf Minuten haben die meisten genug und brauchen eine Pause. Nur ganz wenige Schnüffelnasen halten zehn Minuten Sucharbeit durch. Auch mit der Anzahl der Gegenstände dürfen sie nicht überfordert werden. „Wir haben festgestellt, dass Hunde eine Höchstkapazität von bis zu zehn Gegenständen haben. Manche Hunde scheitern bereits an drei, vier oder fünf und verwechseln sie in der Suche“, berichtet der Hundetrainer.
Wichtig ist, dass der Hund zu Beginn des Trainings Erfolgserlebnisse hat, man diese aber später auch mal weglässt. Da der sporadische Erfolg die Motivation mehr erhöht als ein genereller, sollte man immer dann eine Pause machen, wenn er noch Lust hat. „Das Abbrechen vor Erschöpfung ist die Zauberformel schlechthin, um die Motivationslaune zu erhalten“, erklärt er. „Überläuft ein Hund aus Schlampigkeit ein Objekt, ist es für ihn die größte Strafe, ohne Kommentar abgerufen zu werden und für einige Minuten liegen bleiben zu müssen. Das erhöht seine Motivation, beim nächsten Suchdurchgang erfolgreich zu sein.“

© Saskia Brixner
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