Klare Signale an den Vierbeiner

Verständigung mit Hund

Er weiß ganz genau, dass er das nicht darf. Glauben viele Hundehalter und sind sauer auf ihren Vierbeiner. Doch der weiß allzu oft nicht oder nicht mehr, was Sie eigentlich von ihm wollen.
 
Verständigung mit dem Hund © animals-digital.de
Wort, Intonation, Geste und Körpersprache müssen übereinstimmen.
Hunde wollen gefallen, sagen die Engländer über ihre Retriever. Was für Labrador, Golden, Curly und Flat coated Retriever gilt, trifft auch auf die Mehrzahl der anderen Hunde zu. Sie wollen in der Gunst ihrer Menschen stehen, alles richtig machen und werden oft ganz unwissentlich zu Missetätern. Ursache sind natürlich wieder wir Menschen. Zum einen, weil wir fest dran glauben, dass unser Hund „jedes Wort versteht“. Zum anderen, weil wir ebenfalls unwissentlich viele unserer Wünsche falsch an den Hund bringen. Oder ihn gleichzeitig mit zwei konträren Wünschen überfordern. Denn dann entscheidet er sich in der Regel für das ihm angenehmere Tun. Ein guter Hundetrainer würde Ihnen im Minutentakt sagen können, was Sie jetzt schon wieder verkehrt machen, aber die Hundeschule besuchen die meisten Halter einige Wochen, nachdem der Hund bei ihnen eingezogen ist. Dann fühlen sie sich lebenslang im Besitz des Hundeführerscheins, und allmählich schleichen sich die falschen Signale wieder ein.Also müssen Sie selbst den Beobachter spielen und entsprechend korrigieren.

Das fängt schon drinnen an

Gerade zu Hause machen Sie instinktiv vieles richtig, und Ihr Hund erhält eindeutige Aussagen und eine klare Bestätigung. Wenn Sie ihn z.B. rufen, weil es was zu futtern gibt, dann stürmt er Ihnen vermutlich freudig entgegen und tut alles, wirklich alles, um an die Mahlzeit zu kommen. Die folgt dann auch prompt. Oder Sie schnalzen mit der Zunge, denn es geht raus zumSpaziergang. Wieder haben Sie einen Vierbeiner an Ihrer Seite, der sich willig anleinen lässt. Wieder folgt seine Bestätigung, denn er kann raus. Auch der Ball, den Sie im Garten oder Flur werfen, wird mit einem verheißungsvollen „Schau her!“ bzw. der hocherhobenen Hand angekündigt. Ihr Mitspieler ist begeistert, sitzt erwartungsvoll vor Ihnen und fängt genauso enthusiastisch seinen Ball.

Warum klappt das draußen nicht so reibungslos?

Weil Sie da alles anders machen: Ihr Rufen klingt nicht verheißungsvoll, sondern eher unheilverkündend. Und Ihre Körperhaltung ist aus Hundesicht beinahe drohend. In Ihrer Stimme schwingt vielleicht Nervosität mit oder Unsicherheit, vielleicht auch Wut, weil Ihr Rufen so wirkungslos verhallt. Das alles registriert Ihr Hund sehr wohl. Die Erfahrung hat ihn gelehrt, dass er gerade in Ungnade ist, und er ist seinerseits verunsichert. Noch mehr in Verwirrung stürzen Sie Ihren vierbeinigen Begleiter, wennn Sie aus vollem Halse „Ruhe“ rufen. Weil er jemanden verbellt, weil er imAuto jault und kläfft, weil er sich mit einem Artgenossen angelegt hat. Mag sein, dass er das Wort „Ruhig“ kennt, aber er kann es nicht in Verbindung bringen mit Ihrem aufgeregtem Schrei und Ihren wilden Gesten. Auch ein „Aus“ sagt ihm nichts, denn was soll er auslassen, wenn er nichts im Maul hat? Die einzig klaren Signale sind für ihn Ihre Körpersprache und die aufgeregte Stimme. Beruhigend ist beides nicht, also bellt er noch lauter, stärker, erregter und erntet Beschimpfungen. Übrigens wirkt auch Ihr panisches Rufen, wenn er hinter einem Hasen herjagt, geradezu anfeuernd. Wer dann den Hund, wenn er endlich tut, was man die ganze Zeit wollte, nämlich zurückkommen, das Bellen stoppen, Ruhe geben, auch noch beutelt und tadelt, erntet absolutes Unverständnis von Seiten des Tieres. Versuchen Sie es mal genau andersherum. Kommunizieren Sie mit Ihrem Hund mit nur wenigen, dafür klaren und eindeutigen Worten: eines für Lob und Bestätigung, eines als Aufforderung, eines für Stopp. Welche Worte Sie nutzen, ist gleichgültig.

Wichtiger ist, dass Wort, Intonation, Geste und Körpersprache übereinstimmen

Beim Lob lächeln Sie breit, zeigen Freudensignale und reden mit hoher entzückter Stimme. Bei der Aufforderung schauen Sie den Hund direkt an, die Stimme klingt lockend, Sie können unterstützend gestikulieren. Beim „Stop“ dämpfen Sie die Stimme, sie muss gelassen und sehr ruhig klingen, Sie dürfen leise reden, und Ihr Körper sollte ganz entspannt sein. Beim Training machen Sie sich klar, dass Sie der Schüler sind, nicht Ihr Hund. Sie müssen lernen, Ihr „Feiiiin“ immer richtig einzusetzen, also grundsätzlich, wenn Ihr Hund etwas tut, was er soll. Dazu gehört auch das Zurückkommen mit Verspätung. Sobald er da ist, muss er bestätigt werden. Jegliche Aufforderung leiten Sie mit dem Namensruf ein, dann kann sie nie verpuffen. Schaut Ihr Hund nicht auf, lassen Sie keinen Wunsch folgen, rufen auch kein zweites Mal, sondern lassen einige Zeit vergehen. Schaut er Sie an, machen Sie ihm klar, was Sie wollen. Ohne Ärger in der Stimme, ohne verkrampfte Körperhaltung. Freundlich lockend und bereit, sofort zu loben.
Das Stopp-Signal ist sicher das schwierigste, aber wenn Sie erst einmal merken, wie toll es wirkt, wird es mit jedem Male einfacher und wirkungsvoller.

Ihr Hund bellt?

Sie beruhigen mit langgezogenen gedämpften Worten, so als müssten Sie ihn trösten. Und belohnen ihn sofort, wenn er nachlässt, mit einem Spiel oder einem Leckerbissen. Und einem Lächeln, denn das zeigt ihm deutlich Ihre Billigung.Bewaffnen Sie sich in der Anfangsphase mit einer Gürteltasche voller kleinsterFutterbröckchen oder Leckerbissen. Drei-, viermal erhält er sofort eine Belohnung, wenn er etwas richtig getan hat, und schon haben Sie einen aufmerksamen Hund, der immer wieder zwischendurch einen Blick auf Sie wirft, bereit, Ihnen jeden Wunsch von den Augen (und Ihrem Körper) abzulesen. Sicher, er freut sich über die zu erwartende Belohnung. Aber Ihre Freude ist für ihn mindestens genauso befriedigend. Denn in jedem Hund steckt auch der Wunsch, zu gefallen.

© Ursula Birr
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