Computerfreaks mit kalter Schnauze

Nicht nur Kids fahren total auf Computerspiele ab, auch Hunde haben offensichtlich den Reiz der modernen Unterhaltungselektronik für sich entdeckt – das zeigen zumindest neuartige Versuche von Dr. Friederike Range an der Universität Wien.
 
Guinness kann es kaum erwarten, mit dem Spielen endlich loszulegen. Denn sie liebt es, Knobelaufgaben am Computer zu lösen.  Mit wedelnder Rute starrt die dreijährige Border-Collie-Hündin auf den dunklen Monitor. Zwei Farbfotos leuchten auf: auf dem linken eine Parklandschaft mit vielen Blumen, daneben eines mit einem Boxer.  Schnell stupst Guinness ihre Schnauze gegen das Hundebild. Richtig gemacht! Als Belohnung lässt der Computer ein Stückchen Trockenfutter vor die Pfoten von Guinness fallen.
Guinness ist nicht der einzige Vierbeiner in Wien, der Gefallen an der Computer-Tätigkeit gefunden hat. „Über 35 Hunde kommen im Laufe einer Woche zu uns“, sagt Dr. Friederike Range. „und die meisten sind richtig heiß auf diese Arbeit.“ Mit „zu uns“ meint die Wissenschaftlerin das „Clever Dog Lab“ der Universität Wien, wo Friederike Range als Postdoc tätig ist und das soziale und individuelle Lernen bei Hunden erforscht.Um den kognitiven Fähigkeiten ihrer bellenden Probanden auf die Schliche zu kommen, hat die Wissenschaftlerin zusammen mit ihrem Team diese bei Hunden neuartige Computermethode entwickelt. Am Touchscreen – ein Bildschirm also, der auf Berührungen reagiert – sollen die Hunde lernen, Bilder zu unterscheiden.
Für das Problem, an dem Guinness gerade grübelt, konnte die 36-jährige Biologin bereits statistische Ergebnisse ermitteln und im Fachjournal „Animal Cognition“ veröffentlichen. Insgesamt vier Hunde hatte Range im Rahmen dieser Test-reihe vor den Touchscreen gesetzt: zwei Border Collies, einen Mischling und einen Australian Shepherd. Ihre Aufgabe: Hundebilder von Landschaftsbildern unterscheiden, indem sie mit der Schnauze die Tierfotos berühren. Nach einigen Tagen des Trainings schafften das die Knobelexperten in ungefähr 80% der Fälle.
Danach machten die Forscher die Aufgabe etwas schwieriger. Zunächst wurden die Tiere mit unbekannten Hunde- und Landschaftsbildern konfrontiert: Sie konnten diese immer noch ohne Probleme unterscheiden, hatten die Bilder im Training also nicht einfach „nur“ auswendig gelernt. In einem zweiten Test setzten sie den Grübelhunden Fotomontagen aus zuvor nicht gesehenen Artgenossen und bereits gezeigten Landschaftsaufnahmen vor. Sie sollten dann zwischen diesen Fotomontagen und neuen unbekannten Landschaftsbildern wählen. Auf diese Weise wollten die Forscher ganz bewusst den positiven Reiz eines abgebildeten Hundes mit dem negativen Reiz der schon bekannten Landschaft verbinden. Auch diesmal entschieden sich die Vierbeiner in ungefähr 70% der Fälle für die Hundebilder.Die Ergebnisse sollen aber nicht darauf hindeuten, dass die Testhunde ihre abgebildeten Artgenossen auch als solche erkannt hätten. „Das ist eher zweifelhaft“, gibt Friederike Range zu bedenken. „Sie erkennen sicher ein Objekt, vielleicht sogar ein Tier, aber dass sie den Hund als Hund wahrnehmen, ist eher unwahrscheinlich.“
Dennoch eine bemerkenswerte Leistung, die die Hunde da vollbringen, oder? Leider nicht, wie Range nüchtern feststellt: „Eigentlich ist das nichts Besonderes. Bilder in Kategorien einzuteilen ist eine Fähigkeit, die im Tierreich weit verbreitet ist.“ Auch seien Hunde noch nicht einmal besonders gut. Tauben zum Beispiel, die in ähnlichen Tests geprüft wurden, seien da viel besser. Die könnten immerhin Gesichter von Männern und Frauen unterscheiden. Ähnlich talentiert seien da sogar Bienen.
„Uns war zunächst wichtig zu zeigen, dass Hunde am Touchscreen arbeiten und solch abstrakte Aufgaben lösen können“, erklärt die Verhaltensbiologin. Demnach kann das Nasentier Hund also Objekte oder Lebewesen nicht nur über den Geruchssinn unterscheiden, sondern auch lernen, das über den Gesichtssinn zu tun. „Wir stehen hier mit unseren Tests aber noch ganz am Anfang.“ Derzeit ist die Wiener Forschungsgruppe dabei, die Hunde darauf zu trainieren, bekannte von unbekannten Personen zu unterscheiden. „Allerdings sind wir da noch nicht sehr erfolgreich“, gibt die Zoologin zu. Trotzdem: Die Methode  mit dem Touchscreen funktioniert. Und bei dem Spaß, den Guinness & Co. am Computer entwickeln, lassen entsprechende Forschungsergebnisse sicher nicht lange auf sich warten.    

© A. Weis
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