Achtung, Kuh! Das sollten Sie beim Wandern mit Hund in den Alpen beachten | PARTNER HUND Magazin
Wenn Wandern mit Hund zur Gefahr wird

Achtung, Kuh! Das sollten Sie beim Wandern mit Hund in den Alpen beachten

Wer mit dem Hund auf Kühe oder Herdenschutzhunde trifft, sollte ein paar Verhaltensregeln beachten. Schnell kann die Begegnung nämlich aus dem Ruder laufen und der Ausflug in den Bergen gefährlich werden. 

 
Wenn Hund und Mensch auf Kühe treffen, sind Regeln zu beachten © shutterstock/ Risteski Goce
Wenn in den Alpen Hunde auf Kühe treffen, kann es gefährlich werden

Wenn der Hund auf die Kuh trifft

Es sind Schreckensmeldungen wie diese, die immer noch in den Ohren klingen: Im Juli 2014 wurde eine Frau beim Wandern im Stubaital von einer Herde Kühe zu Tode getrampelt, und 2015 wurde eine Touristin aus Berlin beim Wandern in der Schweiz von Weidevieh tödlich verletzt. Was beide Fälle gemeinsam haben? Beide Frauen hatten einen bzw. mehrere Hunde dabei.


Was macht Hunde für Rinder so bedrohlich?

Im Frühjahr bekommen die Kühe ihren Nachwuchs und sind deshalb besonders auf die Sicherheit ihrer Kleinen bedacht. Ein Hund gleicht in seinem Verhalten einem Raubtier und stellt deswegen sowohl für die Mutterkühe als auch für die Stiere eine Gefahr für die Herde und besonders natürlich für die Jungtiere dar. Außer­dem können Kühe nicht sehr gut auf Entfernung sehen und reagieren mehr auf Bewegung. Im Zweifelsfall gehen sie also erst einmal in Richtung der potenziellen Bedrohung los. Das ist bei Mutterkühen ein impusives Verhalten, der sogenannte Schutzinstinkt.  


Die drei Arten der Rinderherden

Zunächst einmal sollten Sie nur auf ausgeschilderten Pfaden unterwegs sein. Auch hier kann es aber passieren, dass der Wanderweg über eine Alm führt, auf der Rinder weiden. Deswegen sollten Sie sich die Herde genauer anschauen. Es gibt drei Arten von Rinderherden:

1. die Mutterkuhherde, die aus den Muttertieren und ihren Kälbern besteht. Die Jungtiere sind zwar neugierig, aber mit den Mamas ist nicht zu spaßen. Und wenn dann auch noch Stiere dabei sind, sollten Sie besonders vorsichtig sein.

2. die Jungtierherde. Sie ist naturgemäß neugierig und übermütig. Da kann es beim Kontakt zu unkontrollierten Bewegungen kommen.

3. die Kuhherde, die aus weiblichen Teren besteht, die regelmäßig gemolken werden. Diese Kühe sind den Kontakt zum Menschen gewöhnt, aber natürlich sind ja auch Rinder Individuen, die ganz unterschiedlich auf die verschiedenen  Situationen reagieren. 

Deswegen sollten Sie grundsätzlich weidenden Tieren nicht zu nahe kommen und vor allem die Kälber weder füttern noch auf keinen Fall streicheln. Das kann zu Missverständnissen führen und nicht nur für Sie, sondern auch für die Wanderer, die nach Ihnen kommen, unangenehm werden.


Das Drohverhalten der Rinder

Unbedingte Vorsicht ist geboten, wenn die Rinder anfangen, Sie und Ihren Hund zu fixieren und den Kopf zu heben und zu senken. Dabei gehen die Tiere in die Knie und schnauben laut. So versuchen sie intensiver zu riechen, weil sie ja relativ schlecht sehen. Einzelne Rinder gehen dann meist langsame Schritte in ihre Richtung, bevor sie dann loslaufen.


So verhalten Sie sich richtig

Nehmen Sie Ihren Hund an die Leine und führen Sie ihn an der den Rindern abgewandten Seite. Gehen Sie ruhig und bestimmt an den Rindern vorbei, aber bitte nicht laufen!

Ob Sie ein rotes T-Shirt tragen oder der Hund ein rotes Tuch, ist den Tieren übrigens völlig egal. Dass die Farbe Rot Rinder aggressiv macht, ist ein Mythos! Die Tiere reagieren eher auf schnelle Bewegungen, deswegen locken Sie sie mit heftigem Winken eher an, als sie anzuschrecken. 

Wenden Sie den frei laufenden Rindern nicht den Rücken zu, sondern behalten Sie sie immer im Auge. Aber nicht direkt in die Augen sehen. Sollte das Verhalten dann in Aggression umschlagen, leinen Sie Ihren Hund  am besten ab, so schwer es auch fällt! Er ist ohne Sie schneller und kann Angriffen viel besser ausweichen als Sie. Die Aufmerksamkeit der Rinder wird dann auf den Hund gelenkt und Sie können den Gefahrbereich ruhig und zügig verlassen. 


Für den äußersten Notfall

Nur im absoluten Notfall versetzen Sie dem Rind mit einem Stock einen gezielten Schlag auf die Nase. Aber wirklich nur, wenn es keinen andere Möglichkeit gibt. Auch hier gilt: Nicht rennen! Langsam und stetig den Gefahrenbereich verlassen und den Tieren nicht den Rücken zuwenden.  

Nicht nur von frei laufenden Rindern geht eine potenzielle Gefahr für Sie und Ihren Hund aus, auch von Herdenschutzhunden , die ihre Aufgabe sehr ernst nehmen, und die besteht eben in der Abwehr von fremden Tieren. Allein in der Schweiz versehen rund 200 Herdenschützer in den Sommermonaten ihren Dienst. 

Vorzugsweise Maremmanos oder Pyrenäenberghunde werden für diese anspruchsvolle Arbeit ausgebildet. Sie müssen selbstständig agieren, sind aber normalerweise so gut sozialisiert, dass sie sowohl auf Wanderer als auch auf ihre Artgenossen souverän reagieren. Dennoch gibt es ein paar Spielregeln, die Sie beim Aufeinandertreffen mit einem Herdenschützhund beachten sollten.


Verhaltensknigge

Wenn Sie offenes Weidegebiet betreten, verlangsamen Sie Ihr Tempo und unterhalten Sie sich ruhig ein wenig lauter, damit Sie die Hunde nicht überraschen. Bewahren Sie unbedingt Ruhe, auch wenn der Herdenschützer zunächst bellend auf Sie zustürmt. Ihren eigenen Hund nehmen Sie an die Leine und umgehen mit ihm die Herde weiträumig. 

Vermeiden Sie es, dem erregten Schutzhund direkt in die Augen zu schauen. Wenn alles nicht hilft, dann schirmen Sie sich mit einem Stock ab, den Sie schräg nach unten in Richtung des angreifenden Hundes richten. Bitte keinesfalls den Stock erheben, damit herumfuchteln oder herumschreien. Damit provozieren Sie die Hunde nur. Besser gehen Sie rückwärts, um klar zu signalisieren, dass Sie sich zurückziehen.

Wenn Sie diese Tipps beachten, steht einem gelungenen Wander­abenteuer mit Hund und mit harmo­nischen tierischen Begegnungen nichts mehr im Wege.

(Heike Reinhardt) 


Checkliste für sicheres Wandern

  • Bei tierischen Begegnungen grundsätzlich Ruhe bewahren und nicht davonrennen
  • Bei Sichtung von Herden, egal welcher Art, gehört der eigene Hund an die Leine
  • Versuchen Sie, die Herde in weitem Bogen zu umgehen und auf keinen Fall, sie zu durchqueren
  • Vermeiden Sie Augenkontakt mit den erregten Tieren
  • Werden Sie angegriffen, leinen Sie Ihren eigenen Hund ab
  • Verzichten Sie immer auf wildes Gestikulieren und Geschrei
  • Bringen Sie möglichst viel Raum zwischen sich und die Herde, aber ohne Hast. Wenn nötig, gehen Sie rückwärts und halten Sichtkontakt
  • Ein Stock kommt nur im äußers­ten Notfall zum Einsatz, wenn Sie sich nicht anders zu helfen wissen
Fotos: 
shutterstock/ Risteski Goce
Artikel aus Partner Hund Ausgabe 05/2017. Jetzt abonnieren!
Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren