Wie schlau sind Hunde wirklich? | PARTNER HUND Magazin

Wie schlau sind Hunde wirklich?

Er ist der beste Freund des Menschen und viele Hundebesitzer meinen, ihr Hund würde sie so gut verstehen wie kaum ein anderer. Doch ist das wirklich so?
 
Wie schlau sind Hunde wirklich? © Fotolia.com/nickkhamov
Wie schlau sind Hunde wirklich?
Hunde helfen dem Menschen auf vielfältige Art und Weise, etwa als Blinden- oder Hütehunde. Experten meinen, die Intelligenz der Vierbeiner wurde in der Vergangenheit massiv unterschätzt. Wie intelligent sind Hunde nun also wirklich und lässt sich ihr IQ messen, beziehungsweise sogar trainieren?

Wie äußert sich die Intelligenz beim Hund?

Hunde sind in der Lage, bis zu 250 Wörter zu verstehen und menschliche Gestik und Mimik zu deuten. Vielen Hundebesitzern ist gar nicht bewusst, dass die Fähigkeit der Hunde, das Minenspiel ihrer Besitzer zu deuten, sie von allen anderen Tieren unterscheidet. Völlig selbstverständlich verstehen Hunde menschliche Gesten, die selbst Menschenaffen nicht zu deuten wissen. Hundebesitzer werden auch die Situationen kennen, in denen sie nach Hause kommen und ihr Hund sie mit einem "schlechten Gewissen" empfängt, weil er etwas ausgefressen hat. Der Hund weiß ganz genau, was er darf und was nicht und erinnert sich beim Eintreffen des Herrchens auch genau daran, dass er etwas Verbotenes getan hat. Katzen zum Beispiel zeigen keinerlei Reue, wenn sie Essen vom Tisch klauen oder das Sofa zerkratzen. Zwar ist noch nicht belegt, ob Hunde wirklich ein Schuldbewusstsein entwickeln, jedoch zeigt dieses Beispiel, dass sie die Regeln des Herrchens genau kennen und es ihnen im Gedächtnis bleibt, wenn sie diese nicht befolgt haben, beziehungsweise, dass sie beim Eintreffen des Herrchens mit einer Strafe rechnen.

Hunde denken und begreifen in sozialen Zusammenhängen. Abstrakte Dinge verstehen sie hingegen nicht besonders gut, dafür durchschauen Hunde den Menschen oft besser als ihm bewusst oder sogar lieb ist. Da es von Rasse zu Rasse und von Hund zu Hund starke Unterschiede in Bezug auf die Intelligenz geben kann, kann nicht pauschal gesagt werden, woran ein besonders intelligenter Hund auf den ersten Blick zu erkennen ist. Besonders lernfähig sind jedoch Hunde, welche sowohl sehr verspielt als auch sehr aufmerksam sind.

Welches sind die intelligentesten Hunderassen?

Stanley Coren, ein amerikanischer Psychologe und Hundeforscher hat über zehn Jahre lang systematisch eine Befragung von Ausbildern in über 1.000 nordamerikanischen Hundeclubs durchgeführt, um seine These, dass bestimmte Hunderassen intelligenter sind als andere, zu belegen. Er stufte daraufhin die bekanntesten Hunderassen in Bezug auf ihre Gehorsams- und Arbeitsintelligenz ein. Was genau dies bedeutet, wird im folgenden Absatz erläutert. Seine Untersuchung kam zu dem Ergebnis, dass es sich beim Border-Collie um die intelligenteste Hunderasse handelt, dicht gefolgt vom Pudel, dem Deutschen Schäferhund, dem Golden Retriever sowie dem Doberman. Die am wenigsten intelligenten Rassen sind nach Coren Afghanische Windhunde, Basenji sowie Bulldoggen.

Was hat es mit den vier Intelligenztypen auf sich?

Stanley Coren unterscheidet bei seiner Forschung zwischen vier verschiedenen Intelligenztypen. Zum einen nennt er in diesem Zusammenhang die instinktmäßige Intelligenz, also die ererbten Fähigkeiten des Hundes, die adaptive Intelligenz, also die erlernten Fähigkeiten sowie die Arbeits- und Gehorsamsintelligenz. Die Ergebnisse der Rankingliste Corens beziehen sich jedoch ausschließlich auf die Arbeits- und Gehorsamsintelligenz, also wie schnell und wie langfristig Hunde die Anweisungen des Menschen begreifen und umsetzen, da er mittels seiner Befragung die Hunde lediglich in diese einstufen konnte.

Die Intelligenz von Hunden werde gemeinhin unterschätzt, so die Ansicht Corens. Hunde können wie eingangs erwähnt bis zu 250 Wörter lernen, menschliche Gestik und Mimik erkennen und sogar betrügen. Laut Dr. Norbert Hermann, einem bekannten Mathematiker, können Hunde auch rechnen . So wissen Hunde ganz genau, an welcher Stelle sie in einen See springen müssen, um ihrem Herrchen das geworfene Stöckchen schnellstmöglich zurückzubringen. Der Mathematiker gibt dazu in einem Beitrag an: „Es gibt einen optimalen Punkt und den kann ich ausrechnen. Da gibt es auch eine Formel und die Hunde halten die ein."

Stanley Coren hat tatsächlich einen IQ-Test für Hunde entwickelt. Dieser kann auf mehrere Tage verteilt werden, wobei Aufgabe sieben und acht direkt hintereinander ausgeführt werden müssen. Um reguläre Werte zu erhalten, darf der Test jedoch nur ein- bis zweimal durchgeführt werden.

Hat die Intelligenz von Hunden etwas mit ihrer Domestikation zu tun?

Untersuchungen zeigen, dass Hunde in Bezug auf die soziale Interaktion mit Menschen sehr viel intelligenter sind als ihre nächsten Verwandten, die Wölfe. Im Primatenzentrum des Leipziger Zoos sind Studien mit Primaten in Bezug auf die Fähigkeit menschliche Gesten zu deuten durchgeführt worden. Die Menschenaffen konnten dabei die menschlichen Gesten nicht zuordnen, woraus die Forscher schlossen, das Deuten von kommunikativen Hinweisen sei eine rein menschliche Gabe. Welches Tier solle schließlich menschliche Gesten verstehen, wenn nicht die nächsten Verwandten des Menschen?

Doch einer der Wissenschaftler bemerkte ganz beiläufig, dass sein Hund wohl in der Lage wäre, seine Gesten zu deuten. Daraufhin stellte das Forscherteam unterschiedliche Untersuchungen mit Hunden an. Unter anderem sollten die Hunde dabei zwischen zwei umgedrehten Bechern wählen, wobei sich nur unter einem ein Leckerli befand. Das Herrchen zeigte vorher auf einen der Becher und die Hunde verließen sich in den meisten Fällen auf den Fingerzeig des Herrchens. Das Experiment wurde auch mit zwei leeren Bechern durchgeführt, um auszuschließen, die Hunde hätten sich aufgrund des Geruchssinns für den einen oder den anderen Becher entschieden. Bis dahin wurde von der Wissenschaftsgemeinde angenommen, Hunde hätten sich durch die Abhängigkeit vom Menschen im Gegensatz zu den Wölfen eher zurück entwickelt. Doch im Zuge der Studien in Leipzig überzeugten die Hunde in Bezug auf ihre sozialen und kognitiven Fähigkeiten. Nun stellten sich die Forscher die Frage, ob diese Fähigkeiten angeboren sind oder vom Hund ab dem Welpenalter an durch das Zusammenleben mit Menschen erlernt werden. Sie führten den Becher-Versuch nun noch einmal mit Welpen durch. Das Ergebnis war eindeutig. Welpen aller Alterststufen verhielten sich genauso wie die erwachsenen Hunde und folgten bei ihrer Entscheidung dem Fingerzeig des Menschen. Dies verstanden die Forscher als Zeichen dafür, dass die Fähigkeit der Deutung kommunikativer Gesten des Menschen vom Hund nicht erlernt werden muss, sondern vielmehr angeboren sei. Daraus wiederum zogen sie den Schluss, dass die Jahrtausende lange Domestikation des Hundes eine entscheidende Rolle bei der Entstehung dieser angeborenen Fähigkeit spiele. Ebenfalls für diese These sprechen Studien mit Wölfen, welche von Menschenhand aufgezogen wurden. Zwar sind auch sie an den Menschen gewöhnt, seine Gesten deuten können sie aber nicht.

In welchen Bereichen spielt die Intelligenz von Hunden für den Menschen eine besondere Rolle?

Hunde können den Menschen auf ganz vielfältige Weise unterstützen und ganz unterschiedliche Aufgaben übernehmen. So gibt es zum Beispiel Schlittenhunde, die Menschen in arktischen Regionen von A nach B bringen, Militärhunde, die mit Soldaten in Krisengebiete reisen und Jagdhunde, die Jäger bereits seit Jahrhunderten bei ihrer Arbeit unterstützen oder Hütehunde, die die Herde beisammenhalten. Eine besonders große Rolle spielt die Intelligenz bei Blindenhunden. Ihre Ausbildung dauert fast ein Jahr. Zum einen muss ein Blindenhund Interesse am Lernen zeigen, zum anderen jedoch auch stressresistent sein. Gedränge oder laute Geräusche dürfen ihn nicht aus der Fassung bringen, schließlich ist er für die Sicherheit seines blinden Herrchens oder Frauchens zuständig und muss es im Zweifelsfall auch verteidigen können. Schäferhunde, Labradore und Golden Retriever sind die verbreitetsten Rassen unter den Blindenhunden. Blindenhunde müssen ihre Halter führen können. Dies beinhaltet, dass sie Hindernisse erkennen, umgehen oder stehendbleiben, um ihrem Halter so zu signalisieren, dass ein Hindernis im Weg ist oder Gefahr besteht. Zudem muss ein Blindenhund in der Lage sein, auf Kommando bestimmte Ziele beziehungsweise Orte wie Fahrstühle oder Zebrastreifen aufzusuchen. Er muss sich all die verschiedenen Kommandos also merken und diese bei Bedarf abrufen können.

Neben seiner Intelligenz ist auch der gute Geruchssinn des Hundes sehr hilfreich für den Menschen, etwa, wenn ein Lawinenhund Verschüttete erschnüffelt oder wenn ein Drogen- oder Bombenhund dabei hilft, gefährliche Substanzen aus dem Verkehr zu ziehen. 

Kann die Intelligenz des Hundes gefördert werden?

Es gibt zwei verschiedene Arten, wie ein Hund beschäftigt werden kann. Zum einen kann der Hund auf ein bestimmtes Lernziel hin trainiert werden, etwa um die Zeitung zu apportieren. Zum anderen kann auch darauf verzichtet werden, dem Hund ein bestimmtes Lernziel vorzugeben, sondern es wird ihm eine Aufgabe gestellt, bei der er seine Problemlösefähigkeit unter Beweis stellen kann. Die zweite Option bietet dem Hund viel mehr Möglichkeiten, eigene Ideen zu entwickeln und sich von seiner erfinderischen und kreativen Seite zu zeigen. Aufgaben, die die Intelligenz des Hundes fördern, sollten also stets so gestellt werden, dass der Hund nicht durch das Anwenden erlernter Muster zum Ziel kommt, sondern selbst die Initiative ergreift und eine Lösung entwickeln muss. Anbei zwei Beispiele, wie solche Übungen aussehen können:

Eine Belohnung auspacken

Leckerlis werden in die Vertiefungen einer leeren Eierschachtel gelegt und einige andere leere Eierschachteln werden darüber und darunter gestapelt. Ein ungeduldiger Hund wird die Schachteln zerbeißen, um an die Belohnung zu kommen. Ein geschickter Hund hingegen wird versuchen, die Schachteln mit Hilfe von Maul und Pfoten voneinander zu lösen.

Das Gedächtnis trainieren

Hierfür kann beim nächsten Spaziergang mit dem Hund ein Dummy mitgeführt werden. Dieser wird geworfen, jedoch ohne, dass der Hund ihn apportieren darf. Der Spaziergang wird fortgesetzt. Kommen Hund und Halter nach circa zehn Minuten auf dem Rückweg an der Stelle vorbei in deren Nähe der Dummy liegt, kann der Halter die Reaktion des Hundes beobachten. Auf keinen Fall sollte er stehenbleiben oder den Hund darauf aufmerksam machen, dass das Spielzeug noch immer dort liegt. Ein aufmerksamer Hund wird sich an das geworfene Spielzeug erinnern und danach suchen. Nach und nach kann die Anzahl der Spielzeuge oder die Dauer der Zeit erhöht werden.
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