Mit dem Hund ins Tiroler Hochgebirge | PARTNER HUND Magazin

Mit dem Hund ins Tiroler Hochgebirge

Horst und Birgit Gossert aus Schmalenberg in der Pfalz zieht es im Urlaub meist nach Tirol. Um ihre Katalanische Schäferhündin Bea fit für die Berge zu machen, buchten sie einen Alpinkurs für Hundehalter. Lesen Sie hier die Erfahrungen, die sie gemacht haben.
 
Mit dem Hund ins Tiroler Hochgebirge © pixabay.com/danfador (CC0 Public Domain)
Den Hund "bergfest" machen - ist das möglich?
Wir fahren seit 22 Jahren im Urlaub nach Ehrwald in Tirol. Hier kann man hervorragend Ski fahren und wandern, weil das Gebiet sehr gut erschlossen ist. Im „Zugspitz-Hotel Diana Thörle“ sind wir inzwischen schon Stammgäste. Für Leute mit Hund ist es dort ideal. Das Hotel liegt etwas außerhalb vom Ort, man muss zum Gassigehen nur vor die Tür gehen, außerdem isst man dort auch noch sehr gut.

Mit der Ehrwalder Almbahn kann man bequem auf 1500 Meter Höhe fahren, und von da aus gibt es herrliche Halbtages- und Tageswanderungen. Die Touren zum Seebensee oder zur Coburger Hütte sind familientauglich, während die Wanderungen über den Hohen Gang, den Immensteig oder Richtung Sonnenspitze klettermäßig etwas anspruchsvoller sind. So wurde im Laufe der Jahre aus Wandern allmählich leichtes Klettern. Seit drei Jahren ist unsere Katalanische Schäferhündin Bea mit von der Partie. Sie wurde auf La Gomera neben einem Mülleimer gefunden und kam mit etwa fünf Monaten zu uns.

Das Jahr über sind wir viel im Pfälzer Bergland unterwegs, wo es auch mal auf über 600 Meter hinaufgehen kann, aber mit den Alpen ist das natürlich nicht zu vergleichen. Bea kam zwar im Gebirge ganz gut voran, trotzdem fragten wir uns, ob wir auch alles richtig machen. Im Internet stießen wir auf Michael Dorn, der in der Nähe von Garmisch-Partenkirchen Kletterkurse für Menschen mit Hund anbietet. Da sein Übungsgelände nur knapp 20 Kilometer von Ehrwald entfernt ist, ließ sich das gut mit unserem Urlaub verbinden. Der Kurs fand am rund 1900 Meter hohen Kramer statt und dauerte viereinhalb Stunden. Da die Grundkurse grundsätzlich Einzelkurse sind, waren außer uns dreien nur der Bergführer selbst und sein Hund Rowdy dabei.

Neue Kletterordnung für Menschen und Hund

Zunächst erklärte uns Michael, dass man stets eine Hand für den Hund frei haben sollte, wenn es steil wird, und man dem Hund in unwegsamem Gelände die Richtung weisen muss. Es kann nämlich schnell gefährlich werden, wenn er wild herumspringt. Wir mussten also darauf achten, dass Bea auf Kommando konsequent hinter oder zwischen uns zu laufen hat. Anfangs war es gar nicht so einfach, auf die Kommandos zu bestehen. Inzwischen hat Bea das aber so verinnerlicht, dass es manchmal richtig schwierig wird, sie vorauszuschicken.

Als Nächstes hieß es, in einer Felsrinne mit vier bis fünf Meter hohen Abstufungen nach oben zu steigen. Da wir bis dahin nur Klettersteige gewöhnt waren, wo das Seil einem eine gewisse Sicherheit gibt, war das ziemlich ungewohnt. Neu für uns war auch, den Hund nach oben zu lotsen. Nach und nach bekamen wir aber immer mehr Sicherheit.

Beim Bergabgehen, wo der Hund nicht immer exakt in der gleichen Spur wie der Mensch laufen muss, hat sich Bea ordentlich was von Rowdy abgeschaut. Der Schlittenhundmischling kennt das Gebiet aus dem Effeff und hat Bea gezeigt, wie sie die einzelnen Abschnitte am besten bewältigen kann. Auch uns hat er damit indirekt geholfen, weil wir gesehen haben, wie wir Bea unterstützen können, bestimmte Stellen zu überwinden.

Weil man dem Hund immer wieder Hilfestellung geben muss, damit er die Höhenunterschiede bewerkstelligen kann, ist das Runtergehen weitaus schwieriger als das Raufklettern, wo ihm seine eigene Dynamik zu Hilfe kommt. Da Bea beim Abstieg wegen der Verletzungsgefahr möglichst nicht springen sollte, mussten wir sie an der Wand entlang nach unten führen, so dass sie mehr oder weniger bergab glitt. Wir durften also immer nur um so viel weiter gehen, dass wir sie noch anleiten konnten, wie sie am besten zur nächsten Zwischenstufe kam.

Tipps und Tricks für den Wanderalltag in Tirol

Spaß gemacht haben uns auch die leichten Abseilübungen. Wir lernten, wie man sich selbst abseilen und den Hund neben dem Seil nach unten lotsen kann. Insgesamt hat uns der Kurs sehr gut gefallen. Michael ist auf jeden von uns gezielt eingegangen, hat uns Tricks und Kniffe insbesondere für unsere Bea gezeigt und die Schwierigkeitsgrade so gesteigert, dass alle jederzeit mithalten konnten. Der eine oder andere Tipp hat uns noch während unseres Urlaubs im Wanderalltag in Tirol geholfen, und Bea ist durch den Kurs viel sicherer in der Höhe geworden. Außerdem ernteten wir so manchen bewundernden Blick von entgegenkommenden Wanderern, wenn wir einfach nur das Kommando „hinten“ geben mussten, und schon lief Bea brav hinter uns.

Text: HORST GOSSERT



Informationen zu Unterkunft und Alpinkurs

Das Zugspitz-Hotel: Im "Diana Thörle" gibt es neben einigen Hotelzimmern überwiegend Apartments. Außerdem bietet es ein Restaurant und eine Wellness-Oase. Mehr unter www.zugspitzhotel.at

Alpines Hundetraining: Bergführer Michael Dorn bietet bei Garmisch-Partenkirchen alpine Ausbildung, Berg-, Kletter- und Schneeschuh-Touren für Hundehalter an. Infos unter www.vierpfotenamberg.de

 
Artikel aus Partner Hund Ausgabe 10/2014. Jetzt abonnieren!
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