Im Land der freien Hunde: das ländliche Rumänien | PARTNER HUND Magazin

Im Land der freien Hunde: das ländliche Rumänien

Mit Auto, Zelt und Pyrenäen-Schäferhund Nubuk erkundeten Iris Höfling und ihr Mann das ländliche Rumänien. Sie trafen auf eine einmalige Natur, viele Hunde, die auf der Straße leben, und überall auf Menschen, die Besucher mit offenen Armen aufnehmen.
 
Im Land der freien Hunde: das ländliche Rumänien © pixabay.com/skeeze (CC0 Public Domain)
Im Land der freien Hunde: Urlaub im ländlichen Rumänien

Reisen in Rumänien ist anders

Nach dem Grenzübergang von Ungarn ändert sich die Beschaffenheit des Straßenbelages schlag(loch)artig, auch sind nicht immer alle Gullideckel vorhanden. Das allein verringert die Durchschnittsgeschwindigkeit auf ca. 40 km/h. Außerdem kann es sein, dass hinter der nächsten Kurve ein unbeleuchtetes Pferdegespann fährt, hochbeladen mit Heu. Dieses Bild sollte uns die nächsten zwei Wochen begleiten: Pferd, Ochs oder Esel und Wagen, machmal holzberädert und metallbeschlagen. Obenauf sitzt die Familie, oft drei Generationen. Die Familien funktionieren, überall herrscht Gastfreundschaft und die Bereitwilligkeit, weniges zu teilen. Wo sonst erlebt man es, von fremden Menschen eingeladen zu werden? Eine Übersetzerin aus der Nachbarschaft wird geholt und eine Gespielin für den Hund, der gerade ein Loch im Gemüsegarten gräbt. Aber verbieten dürfen wir das nicht, schließlich ist doch auch der Hund Gast und soll sich wohlfühlen ...!

Freundliche Menschen, soziale Hunde

Unser Rumänienurlaub gerät viel mehr zu einem Besuch bei den Menschen als zu einer Reise zu Sehenswürdigkeiten, die das Land durchaus auch zu bieten hat. Wir fahren im Auto fast nie allein, denn in Rumänien ist es üblich, per Anhalter zu fahren. Am Dorfausgang stehen die Menschen und warten auf eine Fahrgelegenheit. Immer kommt ein Gespräch zustande, Rumänisch, Englisch, Französisch oder mithilfe von Gesten, je nachdem. Wir erfahren, wo die Bären wohnen, wo es Schlammvulkane gibt, wie wir zum Campingplatz kommen, dass im nächsten Dorf Markttag ist. Nie hat ein Mitfahrer auch nur die kleinste Kleinigkeit aus dem Auto mitgehen lassen (es lag genug herum ...). Am Ende einer Fahrt wird Geld als Benzinkostenbeteiligung angeboten. Vor den vielen Straßenhunden und den großen wütenden Herdenschutzhunden in den Bergen waren wir vor der Reise gewarnt worden. Gleich am ersten Campingplatz kamen fünf Hunde angerannt, auf mich und meinen Nubuk zu. Da wurde mir doch etwas mulmig. Bellen, beschnüffeln, gemeinsam oder getrennt seines Weges gehen. So funktionierte das Ritual fortan. Nubuk, aufgrund schlechter Erfahrung kein Freund größerer Hundeversammlungen, lernte es schnell. Er lief inmitten der Rudel von manchmal zehn Hunden durch die Gegend und ich musste mein ganzes Vertrauen in den Hund bündeln, um zu wissen: Er kommt wieder. Er kam auch, sogar ohne Floh (weil gut präpariert). Die Straßenhunde leben im Rudel und sind daher viel besser sozialisiert als so mancher Hund bei uns. Auch die Hunde der Schäfer sind freundlich, solange man nicht an die Schafe geht. Das haben sie Nubuk offensichtlich auch gesagt, er unternahm jedenfalls keinen Versuch, sich den Schafen zu nähern.

Ein Land voller Gegensätze

Was haben wir denn nun gesehen in Rumänien? Schroffe Burgzüge umgeben von dschungelartigen Wäldern, Zustiege zu den wenigen Hütten von 12 bis 14 Stunden, also nur mit Zelt und Kocher begehbar. Vier Grad in der Nacht auf den Bergen, 35 Grad tagsüber in der Ebene. Eine großartige Vogelwelt auf den Seen des Do-naudeltas bei Bootsfahrten mit einem einheimischen Fischer. Da musste das Boot auch mal über flache Stellen getragen werden. Pelikanschwärme von 100 Tieren. Griechisch-römische Ausgrabungen am Schwarzen Meer (natürlich darf der Hund mit ins Museum und sich dort frei zwischen den Amphoren bewegen!). Eine funkelnagelneue Feriensiedlung am Schwarzen Meer, die ein Regierungsmitglied persönlich bauen ließ. Er kaufte die ganze Gegend. Dort kann man dann reiche, mit jeweils zwei Handys bewaffnete Rumänen bestaunen. Die Gänse der Fischer dürfen jetzt allerdings nicht mehr ans Wasser laufen. Das stört. Ein Kloster aus dem 11. Jahrhundert, das Mönche in Kreidefelsen schlugen. Ein Weingut, das Wein nach Japan exportiert. Einen See, der durch warme Quellen mit tropischen Seerosen bewachsen ist. Sanitäranlagen auf Campingplätzen oder in Restaurants: o.k., reden wir nicht darüber.

Ungeregelt wohlfühlen

Und wiederum Menschen. Rumänen, die mit alten Zelten oder Plastikplanen Urlaub machen an schönen Flüssen oder Bergbächen. Am offenen Feuer kochen und in der Großfamilie die freie Zeit genießen. Kostet nichts, nur die Anfahrt, in einem vollgestopften „Dacia 1310“ aus den siebziger Jahren. Verbietet auch niemand. Und für so zwei wandernde, rucksackbepackte Deutsche mit Hund ist allemal ein Stück Melone übrig oder ein  Becher voll selbstgemachten Weines, manchmal auch ein selbstgebrannter Zwetschgenschnaps.

Mit etwas Wehmut zurück

Wir begreifen das alles erst am Neusiedlersee nahe Wien, als wir ein DIN A3 großes Blatt mit den Vorschriften für den dortigen Campingplatz in Händen halten: Angewiesener numerierter Zeltplatz; Hund nur mit Leine und Maulkorb! Na, immerhin, die Duschen sind sauber und funktionieren. Wir sind wieder zu Hause!

(Iris Höfling)
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