Friesland, Nordwestholland: Hund an Bord | PARTNER HUND Magazin

Friesland, Nordwestholland: Hund an Bord

Unvergessliche Bilder, Eindrücke und Erkenntnisse blieben vom Traumurlaub. Ulla Kanning und die Golden-Retriever-Hündin Mila sind mit dem Motorboot durch Friesland, Nordwestholland geschippert. Lesen Sie hier, ob jemand seekrank wurde...
 
Friesland, Nordwestholland: Hund an Bord © pixabay.com/Hans (CC0 Public Domain)
Hund und Boot - kann das gut gehen?

Im Motorboot auf Frieslands Kanälen

Entspannt auf einem gemütlichen Motorboot sitzen, schmucke Windmühlen arbeiten sehen, friedlich grasende Kühe beobachten, abends ein lecker Bierchen in einem malerischen, holländischen Friesenstädtchen zischen oder durch die Einkaufsgässchen bummeln, in den Binnenmeeren baden, sich sonnen, sich vom sanften Schaukeln des Schiffchens in den Schlaf wiegen lassen – so sahen unsere Träume für den Sommerurlaub aus. Doch wo blieb unser Hund in diesen Träumen? Würde sich Mila auf einem schwankenden Boot wohl fühlen?

Wir hatten es schon einmal versucht, sie vom Landhund zum Seehund umzuwandeln, und stellten damals fest: Das gemietete Boot war nicht optimal und eine Woche war viel zu kurz, um den Hund an neue Lebensumstände zu gewöhnen. Diesmal wollten wir es besser machen. Wir gingen rechtzeitig (9 Monate vorher) auf die Suche nach einem hundefreundlichen schwimmenden Ferienhaus. Dabei landeten wir bei einem Charterunternehmen im Städtchen Heeg, das uns ein ganz neues, geräumiges und flaches Boot anbot. "Hieke" war sein Name. Für die Mitnahme von Mila war ein geringer Aufpreis fällig. An einem heißen Junitag reisten wir mit viel Gepäck, darunter auch ein Riesenvorrat an Hundefutter, von unserem Wohnort in der Lüneburger Heide über die holländische Grenze nach Heeg. Bootssteg und Boot beschritt unser sonst sehr ängstlicher Hund frohen Mutes. Mit einem repräsentativeren Boot hätte Mila vielleicht Probleme gehabt, den Abstand zwischen Bootskante und Deck (120 cm) zu überwinden, so aber sprang sie die 80 cm bei den kleineren Vlet-Booten locker hinunter. Auf dem mit glattem Parkett belegten Bootsdeck breiteten wir mitgebrachte Teppichbodenreste und Matten aus, um ein paar Stellen für Mila trittfest zu machen.

Wie eine Fata Morgana

Schnell fühlte sie sich wohl wie in einer schwimmenden Hundehütte. Natürlich fand sie die ersten Seefahrtstage ziemlich aufregend. Bei unserer "Kreuzfahrt" in der typischen, friesischen Landschaft zwischen Bolsward im Norden und Zwartsluis im Süden hatte sie immer etwas zu schauen. Von ihrem Aussichtspunkt aus behielt sie sowohl uns wie auch alles, was back- und steuerbords vorüberzog, aufmerksam im Auge. In der flachen Region glaubt man gelegentlich, eine Fata Morgana zu sehen, wenn sich ein Segel vermeintlich durch grüne Wiesen schiebt. Tage später aber schlummerte Mila seelenruhig, wenn "ihre" 4-köpfige Mannschaft in den Schleusen hektisch arbeitete und alle Hände voll zu tun hatte oder wenn wir unsere Benutzungsgebühr für die Schleusen- und Brückenwarte in kleine Holzschuhe hinterlegen mussten. Mit Rücksicht auf Milas Landgangsbedürfnisse machten wir alle drei Stunden Halt und sobald wir anlegten, sprang sie freudig von Bord, wälzte sich in den Wiesen, spürte aufregende Düfte auf oder knüpfte Kontakte zur Mannschaft vom Nachbarboot.

Auf jedem zweiten Boot trafen wir einen Vierbeiner

Die Holländer sind sehr tierlieb und fast auf jedem zweiten Boot trafen wir einen Vierbeiner. Wir kamen auch schnell ins Gespräch mit anderen Urlaubern. Mila sorgte immer für Gesprächsstoff. Einmal überquerte sie unbefangen die Picknick-Decke einer holländischen Familie, auf der eine gut sortierte Speisenauswahl angerichtet war. Alle trugen es mit Humor. Dann wieder nahm sie ein Schlammbad und schritt als schmutziger "gestiefelter Kater" die lachende Reihe der Nachbarn ab. Bei jeder Gelegenheit bauten wir schöne Wanderungen in unseren Törn-Plan ein, mal einen Rundgang auf einem Naturlehrpfad, mal die Umrundung einer Kleininsel. Mal war es auch nur ein Einkaufsbummel in der nächstgrößeren Stadt. Mila hatte viele neue Eindrücke zu verkraften: niedrig fliegende Fesselballons, äsende Schafe, die nicht gejagt werden durften, und, und, und. Dafür hatte sie ihr Kernrudel Tag und Nacht um sich, das manchen Leckerbissen mit ihr teilte und das ihr auch mal Trost spendete, wenn ein schreckliches Gewitter vorüberzog.

Wenn die Sonne im Schilf versinkt

Unvergessliche Bilder, Eindrücke und Erkenntnisse blieben uns von unserem Traumurlaub 2000: Die schöne "Hieke", wie sie durch einsame Grachten tuckert, eine mit sich und der Welt zufriedene Mila, die im hohen Ufergras schlummert, die glutrote Abendsonne, die hinter dem Schilf versinkt ... und die Gewissheit, dass Mila ein toller Hund ist, der mit uns durch dick und dünn geht. Selbstverständlich gehen wir alle im Herbst wieder auf "große Fahrt".

Weitere Info

Es gibt in der holländischen Provinz Friesland zahllose Anbieter von Charterbooten. Für große Hunde sind die mehrstöckigen Motorboote sicher ein Problem, weil die Treppen innen extrem steil und eng sind. Außerdem ist es schwierig, einen großen Hund an Bord zu bekommen, da der Abstand zwischen Bootsrand und Deck 120 cm beträgt. Die kleineren Vlet-Boote sind weniger problematisch.

Die Holländer verlangen keinen Bootsführerschein. Eine Einweisung erfolgt bei Übernahme des Bootes. Erfahrung ist allerdings von Vorteil, da die Gewässer (außer in der Vor- und Nachsaison) recht verkehrsreich, die Ortsdurchfahrten mit ihren gebührenpflichtigen Klapp- und Stehbrücken sehr eng und schmal und die Binnenmeere sehr sturmgepeitscht sein können.

Deutsch wird fast überall gesprochen. Schwimmen ist in den Kanälen, besser aber in den Seen möglich. Für Hunde genügt die Tollwutimpfung im Int. Impfpass.

Prospekte
Niederländisches Büro für Tourismus NBT
www.holland.com/de/tourist.htm
Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren