Wandern mit Hund im Wettersteingebirge | PARTNER HUND Magazin

Wandern mit Hund im Wettersteingebirge

Wer mit Hund auf eine Mehr-Tages-Tour im Gebirge gehen will, muss sorgfältig planen und doppelte Ausrüstung in seinen Rucksack packen. Kerstin Wägner war in den Alpen zwischen Bayern und Tirol. Erfahren Sie hier, wie es ihr dabei ergangen ist.
 
Wandern mit Hund im Wettersteingbirge © pixabay.com/ReneKnoll (CC0 Public Domain)
Wandern mit Hund in den Alpen verspricht tolle Aussichten!

Der Berg ruft

Kerstin Wägner ließ sich nicht abschrecken und wanderte Anfang Oktober 2005 mit ihrem Podenco-Mädchen in den Alpen zwischen Bayern und Tirol. Satte 18 kg wiegt der Rucksack von Kerstin Wägner, als sie im Morgengrauen in Leutasch-Lehner aufbricht. „Schließlich habe ich Ausrüstung für drei Tage für mich und meinen Hund dabei, d.h. Brotzeit, Wasser, Schlafsack, eine Decke für den Hund und sogar ein leichtes Zelt, falls wir unser Tagesziel, die Reintalangerhütte, nicht erreichen. Danaben natürlich noch ein Erste-Hilfe-Set und ein Tragesystem, falls Ayla sich verletzt.

Stunde um Stunde geht es bergan

„Am Waldrand folgen wir dem gelben Schild Richtung Söllerpass und Meilerhütte auf einem breiten Forstweg.“ Noch überzieht Raureif die herbstlichen Wiesen, doch kurze Zeit später, bei strahlender Sonne auf den Weiden den Puittales, ist es viel zu warm für Fleecepullover. „Einige Höhenmeter später führen uns rote Steinmarkierungen am Boden durch Latschen hindurch in die sehr steile Söllerrinne. Ayla geht immer voran, klettert auf die Felsen am Wegrand, alle Sinne auf Gämsen gerichtig.“ Aber sie geht, „wie es sich für Freunde der jagenden Zunft gehört“, an der Leine. An einem gesicherten Felsen muss Ayla ca. einen Meter hoch und etwas schräg hinaufspringen. Mit einem „Das schaffst du schon!“ gelingt es auch leicht.  Mit einem schweren Hund kann man auch vorher abzweigen und auf leichtem Steig zur Meilerhütte gelangen. Vier Stunden nach unserem Aufbruch sitzen wir gemütlich auf 2.372 m vor der Meilerhütte in der Sonne und machen Brotzeit. Beim nordseitigen Abstieg zum Schachenhaus gehen wir teilweise über vereiste Stufen. Nachts herrscht bereits Frost. Die Aussicht reicht weit in die Ammergauer Alpen und ins Estergebirge hinein. Etwas Karwendel ist rechterhand zu sehen, und das Zugspitzmassiv liegt uns zu Füßen.“ Am Schloss Schachen sind so viele Ausflügler unterwegs, dass die beiden Wanderer gleich ins Reintal zur Botthütte absteigen.

Hundemüde in der Hütte

„In unzähligen Kehren führt uns der Weg an kleinen Wasserstellen vorbei, und endlich trinkt Ayla mal was!“ Unten im schattigen Tal geht es auf einem guten Wanderweg entlang der Partnach weiter. „Nach laut Karte ca. 1.320 Hm (Höhenmetern) im Aufstieg, 1.000 Hm im Abstieg und vielen Kilometern haben wir nach fast acht Stunden reiner Gehzeit unser Tagesziel erreicht. Nach einem kleinen Frühstück nehmen wir am nächsten Morgen die erste Etappe von 680 Hm zur Knorrhütte unter die Sohle bzw. die Pfoten. Dort rasten wir für ein zweites Frühstück und genießen die herrliche Aussicht (d.h. Ayla hält ausnahmsweise ein Schönheitsschläfchen).“

Ayla hat nur Augen für Gemsen

Über den Plattensteig geht es nahezu eben zum Gatterl, dem Grenzübergang zurück nach Österreich,weiter zum Feldernjöchel und dann Richtung Leutasch. „Hoch über der Baumgrenze verläuft der gut markierte Pfad im stetigen Auf und Ab durch Mulden, an Schuttflanken entlang, über begraste Kämme mit immer wieder neuen berauschenden Ausblicken. Besonders fasziniert sind Ayla und ich von den vielen Murmeltieren, die ihre Warnrufe ausstoßen, entweder schnell in ihren Höhlen verschwinden oder uns aus sicherer Entfernung beäugen. An der bewirtschafteten Rotmoosalm gibt’s eine Apfelschorle für mich und ein Spiel mit Hüttenhund Blacki für Ayla. Über ihre Ausdauer kann ich mich nur wundern. Zu Hause schläft sie ca. 18 Stunden Minimum. In einem Kar liegen mächtige Felsbrocken zum Boulder- Klettern herum. Aus dem Wald unter uns hören wir einen Hirsch röhren. Es ist Brunftzeit, natürlich! Nach fünf Stunden Südsteig kommen wir doch recht müde am Scharnitzjoch an, steigen ins Puittal ab und verabschieden uns von dem Risengämsenrudel des Tages. Ich zähle 40 Tiere. Ayla ist die Anzahl völlig egal, sie schaut sehnsüchtig hinterher. So eine kleine Hatz zum Abschluss wäre wie ein verfrühtes Weihnachtsgeschenk.“    (K.Wägner)

Weitere Info

Beste Wanderzeit: Juni bis Mitte Oktober (Schneelage beachten). Übernachtung mit Hund unbedingt vorher in Hütten anfragen und anmelden. Viele Hütten haben ab Oktober Winterpause! Aufstiegsvariante durch das Bergleintal zur Meilerhütte, Weg 801/22 (leichter, etwas weiter).
Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren