Wer kann was? | PARTNER HUND Magazin

Wer kann was?

Jeder Hund kann auf seinem Gebiet Erstaunliches leisten.
 

Jeder Hund hat seine Stärken

Jeder sollte das tun, was ihm am meisten Spaß macht. Und was er am besten kann. Das gilt nicht nur für uns Menschen, sondern auch für unsere Vierbeiner. Also sollten wir unsere Englische Bulldogge mal lieber nicht zum Windhund-Coursing anmelden und uns mit dem winzigen Malteser-Mischling auch nicht unbedingt auf Mondioring versteifen. Es gibt zwar bestimmt den einen oder anderen Agility-Begeisterten Kuvasz, aber das sind doch eher die Ausnahmen, die die Regel  bestätigen. Für jeden Vierbeiner gibt es Sportarten und Beschäftigungen, die seiner Statur entsprechen. Wofür er dann auch noch Talent zeigt und woran Sie beide Spaß haben, müssen Sie herausfinden. Wir haben für Sie eine Auswahl an Hundetypen und geeigneten Freizeitbeschäftigungen zusammengestellt, die sich gut kombinieren lassen.

Zwerghunde - bis ca. 25cm

Einen Hundeschlitten samt Musher werden die Kleinsten der Kleinen nicht gerade ziehen können, aber sie haben eine Menge anderer Qualitäten: Sie sind wendig, lebhaft und leicht. Daher eignen sie sich unter anderem für Sportarten, bei denen speziell Beweglichkeit und/oder Gehorsam gefragt sind. Dog Dance, Heelwork to Music - und wie die Varianten des Hund-Mensch-Tanzens alle heißen - sind z.B. eine kreative Beschäftigung, die auch die Zarten mitmachen können. Voraussetzung für das Ausüben fast aller Hundesportarten sind Team-Test, Hundeführerschein oder Begleithundeprüfung - dies gilt für alle Rassen und Größen! Beherrscht der Zwerg den Grundgehorsam, steht aber auch Mobility, Clickertraining in allen Varianten oder Turnierhundsport nichts mehr im Wege. Auch gegen Agility ist nichts einzuwenden. Genau genommen können die Kleinen auch Fährtenarbeit leisten, denn eine kleine Nase kann beinahe ebenso gut schnuppern wie eine große. Für robuste, klein geratene Jack Russells oder Mischlinge dieser Statur ist sogar Rettungshundarbeit denkbar.

Rassebeispiele: Chihuahua, Papillon, Zwergspitz, Japan Chin, Zwergpinscher... und deren Mischlinge

Kurzbeinige Hunde - niederläufige bis max. 40cm

Langer Rücken - kurze Beine! Das hört sich nicht gerade athletisch an. Aber Dackelmischlinge und Skye Terrier sind deshalb noch lange keine schlechten Sportler. Im Gegenteil! Sitzt einmal der Grundgehorsam, kann es losgehen: Tanz mit dem Hund, Mobility und Clickertraining sind auf jeden Fall geeignete Freizeitbeschäftigungen. Sogar Flyball und Agility sind möglich. Allerdings gibt es hier eine kleine Einschränkung. Es gilt: Vorsicht Bandscheiben! Niederläufige Hunde haben oft Rückenprobleme. Gehen Sie daher regelmäßig mit Ihrem Vierbeiner zum Tierarzt, wenn Sie Hundesport betreiben, und achten Sie darauf, dass Ihr Hund sich nicht überschätzt. Vermeiden Sie hohe Sprünge und lang andauerndes, schnelles Laufen. Basset oder Dackel können übrigens als passionierte Jagdhunde bei der Fährten- oder sogar Rettungshundarbeit eine gute Figur machen. Welsh Corgies bzw. Hütehund-Mixe werden dagegen Spaß an der Hütearbeit haben. Und wenn man es nicht übertreibt mit dem Eifer, sind auch  Dummy-Arbeit, Frisbee oder Turnierhundsport möglich.

Rassebeispiele: Dackel, Basset Hound, Schottish Terrier, Französische Niederlaufhunde, Welsh Corgie... und deren Mischlinge

Kleinhunde - normaler Körperbau bis ca. 40cm

Die wendigen Kleinhunde, egal ob Rassehund oder Mischling, mit "normalem" Körperbau sind fast Allrounder. Sie sind nicht so zart wie die Zwerge, aber dennoch beweglich und flink. Generell können unter anderem folgende Sportarten in die engere Auswahl gezogen werden: Als Grundlage natürlich wie immer Team-Test, Hundeführerschein oder Begleithundprüfung, danach Agility, Mobility, Clickertraining, Canicross, Dummy-Arbeit, Obedience, Flyball, Frisbee, Turnierhundsport oder auch Rally-Obedience. Des Weiteren ist für Kleinhunde-Besitzer auf jeden Fall die Fährtenarbeit als Freizeitbeschäftigung eine Überlegung wert, gerade wenn der Hund viel Jagdtrieb (z.B. Deutscher Jagdterrier oder Beagle) besitzt und sich sehr lerneifrig zeigt. Vierbeiner z.B. im Jack-Russel-Terrier-Format können übrigens außerdem in Rettungshundestaffeln durchaus mithalten! Für kleine Hütehunderassen wie den Sheltie und entsprechende Mischlinge liegt natürlich die Hütehundarbeit nahe.

Rassebeispiele: Zwergschnauzer, Sheltie, Cavalier King Charles Spaniel, Beagle, Pudel, Schnauzer, Border Terrier... und deren Mischlinge.

Kleinhunde - kompakter Körperbau bis ca. 40cm

Gedrungene, relativ schwere Rassehunde oder Mischlinge etwa vom Typ der Englischen Bulldogge sind eher für Kopfarbeit als für temporeiche Sportarten geeignet. Zwar darf man ihnen auf keinen Fall Lauffreude und –bedürfnis absprechen, doch sollte man davon absehen, bei einem Agility-Turnier unbedingt gewinnen zu wollen. Zum einen müssen sie ihr eigenes mehr oder weniger hohes Körpergewicht herumwuchten, zum anderen sind besonders stumpfnasige Rassen leider oft recht kurzatmig. Auch Dog Dance & Co. Sind für die zum Großteil eher weniger springkräftigen Schwergewichte nur bedingt geeignet. Versuchen Sie es lieber mit ruhiger Beschäftigung: dem Team-Test, dem Hundeführerschein, der Begleithundeprüfung, Mobility, dem Clickertraining oder auch Obedience, was bei der etwas sturen Bulldogge bestimmt schon Herausforderung genug ist. Fährtenarbeit oder Rettungshundearbeit kann je nach Begabung auch eine Alternative sein. „Leichtere“ Typen (Bullterrier-Format) können sich getrost an schnelleren Sportarten (unter Kleinhunde, normaler Körperbau) versuchen.

Rassebeispiele: Miniature Bull Terrier, Englische/Französische Bulldogge, Mops...und deren Mischlinge.

Kleinhunde - eher flüchtiger Körperbau bis ca. 40cm

Die zarten Kleinhunde werden oft unterschätzt. Gerade feingliedrige Mixe und einige Terrier wie Manchester oder Bedlington sind in der Regel keine zerbrechlichen Porzellanhündchen, sondern robuste Kerle. Für die lebhaften Terrier eignen sich viele Sportarten, aber es ist darauf zu achten, dass sie nicht zu „aufgedreht“ werden. Obedience kann den wilden Kerlen auch nicht schaden, und natürlich ist auch bei ihnen zuvor die Basisausbildung, Team-Test, Hundeführerschein oder Begleithundeausbildung angesagt. Danach sind Agility, Mobility, Clickertraining, Canicross, Tanz mit dem Hund, Frisbee, Flyball oder Turnierhundesport denkbar. Mit dem italienischen Windspiel kann man im Grunde auch alle diese Sportarten ausüben, obwohl viele Windhunde – oft auch deren Mischlinge aus dem Süden- nicht viel mit Sport und spiel am Hut haben. Das Windspiel ist zudem natürlich prädestiniert für Windhunderennen. Eine rassegerechte Power-Sportart! Überhaupt sind Sportarten, bei denen sie sich richtig austoben können, sinnvoll. Allerdings darf man auch sie nicht zu sehr aufstacheln.

Rassebeispiele: Windspiel, Toy Terrier, Brasilianischer Terrier, Bedlington Terrier...und deren Mischlinge.

Mittelgroße Hunde – normaler Körperbau bis ca. 60cm

Auch diese Hunde sind von ihrer Statur her für nahezu alle Sportarten geeignet. Border Collies und die Australian Shepherds sind ja sogar inzwischen die Agility-Hunde schlechthin geworden, Mischlinge dieser Kategorie natürlich eingeschlossen. Generell bringen alle – ob Pinscher, Border-Mix oder Appenzeller Sennenhund – körperliche Voraussetzungen für folgende Freizeitbeschäftigungen mit: Mobility, Hütehundearbeit, Turnierhundesport, Clickertraining, Team-Test, Fährtenarbeit, Canicross, Frisbee, Flyball, Treibball, Obedience oder Schlittenhundesport. Voraussetzung ist auch hier wieder die Basisausbildung: Team-Test, Hundeführerschein und die Begeleithundeprüfung. Tanz mit dem Hund kann auch auf dem Programm stehen. Sogar Hunde im Retriever- Format können hervorragend mit ihren Besitzern „tanzen“, wenn die Tanzfiguren der jeweiligen Körpergröße entsprechend ausgewählt sind. Besonders gerne werden Hunde über 40 cm übrigens auch für die Rettungshundearbeit eingesetzt.

Rassebeispiele: Cocker, Springer und Field Spaniel (untere Grenze), Collies, Appenzeller und Entlebucher Sennenhund, Husky, Schnauzer... und deren Mischlinge.

Mittelgroße Hunde – kompakter Körperbau bis ca. 60cm

Die Kraftpakete dieser Größenordnung können Power-Sportler sein, wenn auch keine Flitzer. Besitzen Sie einen Hund mit Staff- oder Shar-Pei-Statur können Sie auf jeden Fall einmal mit dem Gedanken an Mobility, Hütehundearbeit, Tanz, Turnierhundesport, Clickertraining, Fährtenarbeit und bedingt Obedience spielen. Selbstverständlich nach der weiterführenden Basisausbildung, dem Hundeführerschein bzw. der Begeleithundeprüfung. Wofür Ihr Hund Begabung zeigt und was Ihnen Spaß bereitet, werden Sie schnell merken. Theoretisch könnten Sie sich auch an Agility versuchen – das gilt in dieser Kategorie besonders für den Bullterrier oder auch den American Staffordshire Terrier. Schwere Hunde dagegen tun sich bei Übungen, die Wendigkeit und Schnelligkeit erfordern, oft schwer. Hohe Sprünge schaden zudem den Gelenken kompakter Tiere besonders, da sie ein großes Gewicht auffangen müssen. Aber gegen gemäßigtes Agility (plus Tierarztkontrolle) ist auch bei ihnen nichts einzuwenden. Eine Rettungshundeausbildung ist möglich, wenn der Vierbeiner Eifer und körperliche Fitness mitbringt.

Rassebeispiele: Chow Chow, Shar Pei, Clumber spaniel, Staffordshire Bull... und deren Mischlinge

Mittelgroße Hunde – eher flüchtiger Körperbau bis ca. 60cm

Das sind die Renner unter den Mittelgroßen. Reinrassigen windhnden macht man mit Windhundrennen oder Coursing eine große Freude und wird ihrem natürlichen Laufbedürfnis gerecht. Podengo-Mixe aus dem Süden (Spanien, Portugal, Italien) sind ebenfalls begeisterte Läufer und haben beste Voraussetzungen für Frisbee, Flyball, Tanz mit dem Hund, Turnierhundesport, Hunde-Biathlon, Rally-Obedience, Canicross und natürlich Agility, sofern sie nicht allzu zart gebaut  und recht lernfreudig sind. Fährtenarbeit kann man bei entsprechender Begabung natürlich auch ausprobieren. Ebenso sind Mischlinge von windhundartiger Statur, aber auch die recht schlanken, nicht windhundartigen Rassehunde wie Dalmatiner bei der Rettungshundestaffel gern gesehen. Obedience ist ebenfalls eine gute Beschäftigung für alle Hunde dieser Gruppe, zumal, wie bereits erwähnt, ohnehin jeder Hund den Grundgehorsam beherrschen sollte – auch wenn gerade viele edle Windhunde lieber das tun, auf was sie gerade Lust haben.

Rassebeispiele: Whippet, Cirneco dell’Etna, Dalmatiner, Podengo Portugues medio, Deutscher Pinscher... und deren Mischlinge

Grosse Hunde – bis ca. 80cm

Die großen Hunde sind oft auch große Arbeiter: viele Rettungshunde sind im Hovawart-Format. Schäferhunde und entsprechenden Mischlinge finden wir häufig in der Ausbildung zur Vielseitigkeitsprüfung. Wie bei allen Hunderassen gilt bei den großen Rassen natürlich ganz besonders: Ohne eine solide Grundgehorsams-Ausbildung wie Team-Test, Hundeführerschein oder Begleithundeprüfung fehlt die Voraussetzung, um in den anderen Sportarten zu starten. Empfehlenswert, aber sehr anspruchsvoll ist Obedience. Geeignete Sportarten: Mobility, Hütehundarbeit, Turnierhundesport, Clickertraining, Team-Test, Mondioring, Fährtenarbeit, Flyball, Hunde-Biathlon, Canicross. Der Tanz mit dem Hund ist als kreative Sportart natürlich auch eine Option, aber man muss ausprobieren, wie man mit einem so großen Hund dabei zurechtkommt. Agility ist denkbar, allerdings – der Wendigkeit wegen – eher für die Hunde an der unteren Größengrenze, also zwischen 60 und 70 cm.

Rassebeispiele: Deutscher Schäferhund, Beauceron Briard, Hovawart, Setter, Malinois, Airedale Terrier, Bouvier, Riesenschnauzer, Retriever... und deren Mischlinge.

Grosse Hunde – kompakter Körperbau bis ca. 80cm

Ein bisschen gemütlich muss man es den „dicken Bären“ zuliebe schon angehen lassen. Das heißt: Wer einen Hund mit Neufundländer-Ausmaßen besitzt, sollte vom Agility absehen und sich besser Ruhigem widmen: Basisausbildung Team-Test, Hundeführerschein und Begleithundeprüfung, und dann evtl. Mobility, Hüten, Obedience oder Clickertraining in Erwägung ziehen. Oder aber man macht mit seinem Vierbeiner das, wofür beispielsweise Berner und der Große Schweizer Sennenhund prädestiniert sind: Wagenziehen, Weightpulling. Gemeint ist natürlich die gemütliche Variante des Zughundesports und keine Hundeschlittenrennen. Schlittensport ist eher etwas für die Großen vom Typ Malamute oder Akita Inu, wobei sie niemals die Geschwindigkeit eines Husky-Gespanns an den Tag legen werden. Bloodhounds bzw. schwere Jagdhund-Mixe können bei der Fährtenarbeit viel Spaß haben. Geht Ihr Kraftpaket eher in Richtung Rottweiler, so ist Rettungs- oder Vielseitigkeitsausbildung (Fährte, Unterordnung und Schutzdienst in Kombination) denkbar.

Rassebeispiele: Landseer, Rottweiler, Kuvasz, Mastino Napoletano, Bordeauxdogge... und deren Mischlinge

Grosse Hunde – flüchtiger Körperbau bis ca. 80cm

Unter diese Kategorie fallen hauptsächlich die großen Windhunde und deren Mischlinge, aber durchaus auch leicht gebaute, große Hundetypen wie der Dobermann. Greyhound, Barsoi, Podenco Canario und ihre Verwandten sind natürlich absolute Läufer – daher sind Windhundrennen auf der Bahn und das Coursing die geeignetsten Sportarten, bei denen dem rassetypischen Hetz- und Lauftrieb Rechnung getragen wird. Clickertraining ist ohnehin für nahezu jeden Hund geeignet, ebenso können sich Besitzer großer schlanker Rassen an Team-Test, Hundeführerschein, der Begeleithundeprüfung und Mobility versuchen. Auch Hunde-Biathlon, Rally-Obedience, Tanz mit dem Hund, Canicross und sogar Agility sind denkbar, besonders wenn der Hund vom Körperbau her eher in Richtung Dobermann tendiert.

Rassebeispiele: Greyhound, Barsoi, Chart Polski, Deerhound, Azawakh, Dobermann, Setter, Podenco Ibicenco, Podenco Canario (untere Grenze), Pharaohund... und deren Mischlinge.

Riesenrassen – über 80cm

Die wenigen wirklichen Riesen unter den Hunden sind im Allgemeinen keine großen Sportler. Es dauert sehr lange, bis sie körperlich ausgewachsen sind, und bis dahin sollten sie möglichst geschont werden. Keine Sprünge, keine Treppen und kein langes Laufen am Fahrrad. Dazu ist eine besonders sorgfältige Ernährung notwenig. Dennoch sind die Großen natürlich nicht gänzlich unsportlich. Die Basisausbildung Team-Test, Hundeführerschein oder die Begeleithundeprüfung ist fast „Pflicht“. Als „Kür“ sind Mobility oder Clickertraining denkbar. Mastinos, Bernhardiner und entsprechende Mischlinge werden beim Zughundesport gerne zeigen, was sie können. Doggen machen bedingt auch Agility und Turnierhundesport mit, doch hier muss der Besitzer entscheiden, wie fit sein Hund ist. Außerdem sind die meisten Hindernisse zu klein, der DDC (Deutsche Doggen Club) informiert über spezielle Agility- Formen. Herdenschutzhunde wie der Kangal haben einen gering ausgeprägten Spieltrieb und verwirklichen sich lieber selbst. Es gibt aber auch durchaus Tiere, die z.B. zur Flächensuche ausgebildet werden können. Ein Irish Wolfhound wird gerne Coursing machen und auch bei der Fährtenarbeit mitziehen.
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