Schlittenhundesport

Schlittenhunde erfreuen sich hierzulande großer Beliebtheit. Jahr für Jahr werden immer mehr Menschen in den Bann der nordischen Hunderassen und des Sports gezogen.
 
© Christian Vajk/pixelio.de
Eine gute Kondition und sehr gute Langlauftechnik sind die besten Voraussetzungen.

Prägende Erfahrungen

Meine Frau und ich hatten uns schon immer mit dem Gedanken getragen, einen Hund zu kaufen. Nach dem Besuch eines Schlittenhunderennens in unserer Gegend war es dann passiert. Nach Aufklärungsarbeit durch den Züchter unserer ersten Hündin haben wir uns entschlossen, einen Husky zu kaufen. An den sportlichen Gedanken haben wir zu diesem Zeitpunkt keine Zeit verschwendet. Bei einem Besuch eines Rennens, bei dem auch besagter Züchter teilnahm, musste ich am Samstagmorgen erfahren, dass ich mich jetzt bitte umziehen solle, da mein erster Start gegen 10 Uhr sei. Nach ungefähr zehn Minuten glich meine Gesichtsfarbe wieder der eines normalen Menschen. Freundlicherweise hatte man mich, ohne mein Wissen, für das Rennen mit zwei Hunden angemeldet, die ich vor Ort zur Verfügung gestellt bekam, genauso wie den dazugehörigen Wagen.

Beim ersten Rennen die rote Laterne

Ich konnte mir im Nachhinein dann auch erklären, warum ich meine Laufschuhe mitnehmen sollte. Nach einem erfolgreichen letzten Platz (mit 20 Minuten Rückstand) war es dann passiert. Der nächste Hund wurde in Auftrag gegeben. Tja … und fünf Monate später kam der zweite … dann der dritte … der vierte … der erste und der zweite eigene Wurf und natürlich der Sport, wobei ich sagen muss, dass ich das Ganze mit meinen sieben Damen immer sehr locker gesehen habe. Dabei sein ist alles. Wobei ich auch sagen möchte, dass ich mir nichts Schöneres vorstellen kann, als bei minus zehn Grad und mit sieben Hunden vor dem Schlitten die pure Natur zu genießen. Mittlerweile hat mein Altersheim (von 8 bis 16 Jahren) die Wohnung in Beschlag genommen, und ich bin froh, wenn ich ab und zu einen Platz auf dem Sofa ergattern kann. Schlittenhunde müssen extrem viel laufen Wie man sieht, reicht schon ein Schlittenhund aus, um das Leben einer Familie total umzukrempeln. Schlittenhunde sind zwar begeisterte Familienhunde, das Rudel der Artgenossen kann ihnen eine Familie aber nur bei vollem Einsatz ersetzen. Wird man dann auch noch dem extremen Bewegungsdrang der Hunde nicht gerecht, kann es schnell zu Problemen kommen, bei denen die Tiere leider immer die Verlierer sind! Damit es dazu nicht kommt, sollte Folgendes bedacht werden: Schlittenhunde leben nicht gerne alleine! Sie sind begeisterte Familienhunde, leidenschaftliche Jäger, noch leidenschaftlichere Läufer und möchten artgerecht bewegt werden. Wer seinem Schlittenhund oder seinen Schlittenhunden eine artgerechte Beschäftigung bieten will, kommt um den Sport mit ihnen nicht herum. Je nach Anzahl und Rasse der eingespannten Hunde gibt es unterschiedliche Klassen, die für den Zuschauer oder einen Neuling im Schlittenhundesport nicht so einfach zu durchschauen sind. Um für Außenstehende etwas Licht in den Rennablauf zu bringen, hat die AGSD (Arbeitsgemeinschaft Schlittenhundesport Deutschland e.V.) die Rennklassen wie folgt kurz beschrieben und erläutert. Die AGSD ist der Dachverband der reinrassigen deutschen Schlittenhundesportvereine. Die Aufgabe der AGSD ist die Unterstützung und Förderung des Schlittenhundesportes mit den vier von der F.C.I. (Federation Cynologique International) anerkannten reinrassigen Schlittenhunderassen. Skandinavier, Skijöring und S-Velo Hier ist der Einzelhundbesitzer angesprochen. Nicht jeder, der von Schlittenhunden begeistert ist, kann und möchte ein ganzes Rudel halten. Aber auch der Einzelhund braucht seine Bewegung und seine Arbeit. Ihm fehlt schließlich der „Kamerad“, mit dem er herumtollen kann. Um es gleich vorwegzunehmen: Der Skandinaviersport ist außerordentlich anspruchsvoll, sowohl für den Schlittenhundeführer als auch für das Tier. Der Hund zieht eine sogenannte Pulka, eine flache Glasfiberwanne, die mit Gewichten beladen ist. Er läuft zwischen zwei Zugstangen. Der Musher ist über eine Leine, die an der Pulka befestigt ist, mit seinem Hund verbunden und läuft per Langlaufski hinter dem Hund her. Wenn noch kein Schnee liegt, wird hinterhergejoggt, und die Pulka ist mit kleinen Rädern versehen. Eine gute Kondition und sehr gute Langlauftechnik (Skating) sind die besten Voraussetzungen, um diese Kategorie erfolgreich auszuüben. Werden zwei oder drei Hunde hintereinander vor die Pulka gespannt, ist eine Bremsvorrichtung an der Pulka erforderlich. In der Kategorie Skijöring ist der Musher durch eine Leine direkt ohne Pulka mit dem Hund verbunden. Bei den Wagenrennen im Herbst wird außerdem noch die Klasse S-Velo mit ein bis zwei Hunden vor dem Mountainbike ausgefahren. Ein einzelner Skandinavierhund benötigt außer einer sehr guten Ausbildung auch eine entsprechende Motivation zum Laufen. Zwei und mehr Hunde animieren sich gegenseitig mit ihrer Laufbegeisterung. Der Einzelhund muss deshalb den Spaß an der Sache von seinem Musher vermittelt bekommen.

C1 und C2

Hier geht für gewöhnlich das erste Rätselraten los: Was bedeutet der Buchstabe und was ist mit der Zahl gemeint? Zunächst zum Buchstaben: C bedeutet zwei bis vier Hunde vor dem Trainingswagen oder dem Schlitten. Ein C-Gespann fordert von seinem Musher einen großen sportlichen Einsatz. Je mehr er sein kleines Team unterstützt, desto schneller ist es. Die Kraft eines C-Teams lässt sich in einer kritischen Situation gut ausbremsen, sollte aber nicht unterschätzt werden. Die Zahl „1“ besagt, dass in diesem Gespann nur oder überwiegend Siberian Huskies laufen. Sie sind aufgrund ihrer Wendigkeit und Schnelligkeit den anderen Schlittenhunderassen, die ihr höheres Eigengewicht in Schwung bringen müssen, überlegen und werden gesondert gewertet. Die Zahl „2“ bedeutet, dass in einem solchen Gespann Malamutes, Grönländer oder Samojeden eingespannt werden. Diese dürfen auch gemischt laufen; etwa zwei Malamuten und ein Grönländer oder drei Samojeden und ein Malamute. Werden nur zwei Hunde eingespannt, muss der Musher mithelfen, den Wagen oder den Schlitten zu schieben, und so seine Hunde unterstützen. Er ersetzt den fehlenden dritten oder vierten Hund. Von der Kraft her schaffen es drei oder vier Hunde leicht, ihren Musher zu ziehen. Ein Schlittenhund ist in der Lage, das bis zu Zehnfache seines Eigengewichtes zu ziehen.

B1 und B2

Der Buchstabe B bedeutet: Es sind vier bis sechs Hunde eingespannt. Die Zahlen haben die gleiche Bedeutung wie in der C-Klasse; 1 für Siberian Huskies, 2 für Malamute, Grönlandhund oder Samojede. In einem B-Gespann muss Disziplin herrschen. Sechs kräftige Grönländer oder Alaskan Malamutes beispielsweise lassen sich nicht mehr mit reiner Muskelkraft und angezogener Bremse zum Stehen bringen. Dazu bedarf es zusätzlicher Sicherheitseinrichtungen an den Fahrzeugen. Sollte ein Musher das Pech haben, dass sich beim ersten Lauf ein Hund verletzt und deshalb aus dem Gespann herausgenommen werden muss, kann er beim zweiten Lauf immer noch mit vier bis fünf Hunden starten. A und O In der A-Klasse haben die Musher sechs bis acht Hunde eingespannt – eine beträchtliche Länge. Gleiches gilt in noch stärkerem Maße für die offene = O-Klasse. Hier sind mindestens neun Hunde einzuspannen, nach oben gibt es keine Grenzen. Meistens trifft man Gespanne mit zehn bis 14 Hunden, seltener 16 und mehr Hunde. Hier sind überwiegend Siberian Huskies vertreten.

Autor: MATHIAS NAGENGAST


Foto: © Christian Vajk/ www.pixelio.de
 
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