Obedience | PARTNER HUND Magazin

Obedience

Obedience heißt nichts anderes als „Gehorsam". Auch bei Obedience wird dieser „Gehorsam" ausschließlich über die Futter- oder die Beutemotivation oder mit dem Clicker aufgebaut. Dabei sind Einfühlungsvermögen, Geduld und gutes „Wissen über das Wesen Hund" gefragt.
 
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Wie sieht das Training bei Obedience aus?

Die Aufgaben

Obedience besteht eigentlich aus bekannten Übungen. Es beinhaltet „Sitz“, „Platz“, „Steh“, „Bleib“, Fußlaufen und Apportieren. Dazu kommen einige Übungen, die auf Distanz gezeigt werden müssen. Der Hund soll alle Übungen mit Freude, aber auch schnell und korrekt ausführen. Dies erreicht man nur, wenn der Hund auf einer guten Motivationsebene ist. Drill ist fehl am Platz, denn ein Hund im Stress kann nicht lernen. Präzision ist gefragt! Und das ist die Herausforderung. In Deutschland wird Obedience offiziell seit 1. Januar 2001 als FCI-Hundesportart angeboten. Obedience ist je nach Land in vier bis sieben Klassen aufgeteilt. In Deutschland sind es deren vier: Beginners, Obedience I, II, III. In jeder Klasse müssen zehn Übungen gezeigt werden. Die Beginner-Klasse ist die Einsteigerklasse. Da wird auch das Team bewertet, das heißt, der Umgang Mensch–Hund. Die internationale Klasse (Obedience III) ist die Königsklasse; in dieser wird verlangt: - Sitzen in der Gruppe während zwei Minuten (Hundeführer geht außer Sicht) - Ablegen in der Gruppe mit Ablenkung während vier Minuten (Hundeführer geht außer Sicht) - Freifolge mit verschiedenen Schrittwechseln - „Steh“, „Sitz“, „Platz“ aus der Bewegung - Heranrufen mit „Steh und Platz“ - Voraussenden zu einem Kegel und Verschieben (nach rechts/links) in ein Viereck - Voraussenden zu einem Kegel und Apportieren (Holzapport) auf Anweisung (rechts oder links) - Sprung über die Hürde mit Apportieren (Metallapport) - Eigenidentifizierung aus 6 Gegenständen (Holz) - Kontrolle („Sitz“, „Platz“, „Steh“) auf Distanz (15 m)

Die Bewertung

Bewertet wird alles durch den Leistungsrichter. Zusätzlich gibt es den Ring-Steward, der dem Hundeführer alle Anweisungen zu den Übungen gibt. Er begleitet die Teams durch den Wettkampf. Obedience ist für jeden Hund geeignet. Die Höhe der Hürde wird auf die Schulterhöhe des Hundes eingestellt. Auch die Apportierhölzer werden der Größe des Hundes angepasst. Jeder Hund soll bei den Übungen die Grundgeschwindigkeit seiner Rasse zeigen. Die einzige Nasenarbeit ist die „Eigenidentifikation“: Der Hund sucht unter den am Boden liegenden Hölzern das aus, das der Hundeführer vorher in der Hand hatte. Je nach Klasse liegen bis max. sechs Hölzer in einem Kreis oder auf einer Linie, fünf neutrale und das mit dem Geruch des Hundeführers. Der Hund hat das gefundene Holz sauber und schnell zu apportieren. Das Besondere an Obedience Ich möchte das deutlich machen: Man spürt den Hund durch die nahe Zusammenarbeit. Die Motivation gibt dem Hund das „Wollen“, für Sie zu arbeiten. Wichtig ist, dass die Übungen die Mensch-Hund- Beziehung vertiefen, der Hund hat „ein Lächeln“ um die Schnauze. Alle Übungen können auf spielerische Art aufgebaut werden. So kann man Obedience auch Zuhause (vor dem Spiegel) trainieren. Es ist immer reine Teamarbeit, bei der auch ganz kleine und ältere Hunde eine Chance haben. Obedience ist Perfektion und „Fun“ pur, stellt aber sehr hohe Anforderungen an Hund und Hundeführer! Gefragt sind Fantasie bei der Ausbildung, das richtige Motivieren des Hundes, seine ganze Aufmerksamkeit, damit er auf Distanz die Anweisungen sofort ausführen kann. Er soll praktisch immer durch eine unsichtbare Leine mit dem Hundeführer verbunden sein.

Die Voraussetzungen

Gefragt sind auch eine Super- Kondition, gute Balance, ein gutes Körpergefühl. Der Hundeführer soll seinen Hund „lesen“ können, er soll emotional, psychisch und physisch fit sein, denn alles beginnt im Kopf des Hundeführers, nicht beim Hund. Wenn alles stimmt, will der Hund für uns arbeiten.

Wie sieht das Training aus?

Wir können schon mit dem Welpen beginnen, wenn wir keine Erwartungshaltung an ihn stellen. Andernfalls verliert der Welpe die Freude, mit uns etwas zu machen. Alles können wir auf spielerische Art vermitteln. Da in der Regel der Hundeführer zu wenig interessant für den Hund ist, brauchen wir ein Hilfsmittel, ein Stück Fleisch oder einen Ball. Einfach etwas, worauf der Hund total abfährt. Parallel zu den Hilfsmitteln muss der Hundeführer lernen, mit dem Hund zu spielen, mit oder ohne Gegenstand. Ziel ist ja, dass der Hundeführer die höchste Motivation für den Hund ist. Lehre ich den Hund von Anfang an korrektes „Sitzen bei Fuß“, wird er nie eine schräge Grundstellung einnehmen. Er wird nur die Perfektion kennen, somit muss ich nie korrigieren. Wenn ich korrigieren muss, habe ich Fehler gemacht! Trainieren würde ich jeden Tag nur 5–10 Minuten. Denn ein Hund in höchster Spannung und Konzentration kann höchstens 10 Minuten richtig aufnehmen.

Nicht Quantität ist maßgebend, sondern Qualität!

Schritt für Schritt führe ich den Hund zur perfekten Übung. Die jeweiligen Übungen muss ich zuerst zerlegen und dann beim ersten Schritt beginnen. Überspringe ich einzelne Schritte, fällt die ganze Übung früher oder später auseinander. Ich gehe erst einen Schritt weiter, wenn ich mir sicher bin, dass der Hund alles verstanden hat. All diese kleinen Schritte setzte ich am Schluss wie ein „Puzzle“ zusammen. Zusammengefasst: Arbeiten Sie locker und konsequent. Arbeiten Sie an sich selbst, und Ihr Hund wird Ihnen dankbar sein und Spaß daran finden. Es gibt viele Wege, die nach Rom führen – nehmen Sie den, den Ihr Hund versteht. Verzichten Sie auf Gewalt – Gewalt beginnt dort, wo Wissen aufhört!

ANGELA SCHMID führt in der Schweiz eine Hundeschule, ist Obedience- und Wesensrichterin für Australian Cattle-Dog und Kelpie. Ihr Australian Kelpie Bandit wurde Int. Rettungshunde-Champion, Vereinsmeister im Schafehüten, Suchhund mit höchster Auszeichnung, Europasieger Dog-Dancing, Obedience bis zur höchsten Klasse mit 293 Punkten 1. Rang. Das „Beginners- Aufbauvideo“ und OB für Fortgeschrittene kann man bei ihr beziehen. www.dogdancing.ch oder +41 763743733.
 
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