Fährtenarbeit | PARTNER HUND Magazin

Fährtenarbeit

Viele Kilometer zu Fuß kreuz und quer durchs Gelände, bei Dreck und Regen, sengender Sonne und sogar Schneematsch, das ist der Alltag des Fährtenhundesports. Und das soll Spaß machen?
 
© Th. Reinhardt/pixelio.de
Wer sind die Supernasen?

Ein Sport ohne Zwänge

Günter Westhus hat sich mit Haut und Haaren der Fährtenarbeit verschrieben. Warum? „Von allen mir bekannten Sportarten mit dem Hund begeistert mich die Fährtenarbeit am meisten. Frei von allen Zwängen, wie Übungsstunden usw., kann ich mit dem Hund in der freien Natur bei Wind und Wetter meinem Hobby nachgehen. Die Sucharbeit kommt meiner Meinung dem Naturell eines Hundes am nächsten. Warum soll ich das beim Hund am besten entwickelte Organ, den Geruchssinn, nicht nutzen? Der Fährtenhundsport ist sicher nicht die populärste Sparte innerhalb des Hundesportes, findet aber immer mehr Anhänger. Geeignet sind grundsätzlich die bekannten Gebrauchshunderassen. Aber auch von anderen Rassen oder Mischlingen habe ich vorzüglicheArbeiten gesehen. Der kleinste mir bekannte Fährtenhund ist eine Border-Terrier-Hündin, die begeisternde Leistungen zeigt.“

Darum geht es bei der Fährtenarbeit

Die Hunde werden so ausgebildet, dass sie in der Lage sind, einer menschlichen Fährte über Stock und Stein zu folgen. Natürlich gibt es auch noch die Erziehung des „Schweißhundes“ für den Jäger, aber damit wollen wir uns an dieser Stelle nicht befassen. Eine perfekte Fährtenarbeit sieht so aus, dass der Führer seinen Hund an den Beginn der Fährte führt, den so genannten Ansatz. Dort wird der Vierbeiner mit dem Kommando „Such“ eingewiesen und erst dann laufen gelassen, wenn man sich sicher ist, dass er die Fährte angenommen hat. Jetzt wird die ca. 10 m lange Fährtenleine immer mehr nachgegeben, bis sie ihre volle Länge erreicht hat und das Ende sich in der Hand des Hundeführers befindet.

Hund wird durch Lob motiviert

Der Hund wird aufmerksam beobachtet, schließlich sind im Verlauf der Fährte je nach Schwierigkeitsgrad spitze und stumpfe Winkel sowie kreuzende Fremdfährten, so genannte Verleiter, eingebaut. Kommt der Hund an einen dem Fährtenleger gehörenden Gegenstand, muss er ihn deutlich verweisen (z.B. durch Platzmachen). Der Hundeführer nimmt den Gegenstand, zeigt ihn dem Richter und setzt den Hund neu auf die Fährte an. Am Ende der Fährte wird das Fährtengeschirr abgenommen und der Hund ausgiebig gelobt.

Wer sind die Supernasen?

In freier Wildbahn benutzen die Verwandten unseres Hundes vor allem die Nase, um Nahrung aufzuspüren sowie den Kontakt zu Artgenossen herzustellen bzw. zu erhalten. Dieses Verhalten ist dem Hund angeboren und bildet die Grundlage für die Erziehung zum Suchen auf Kommando, vor allem auf menschliche Fährten. Der menschliche Geruch auf einer Spur muss dem Vierbeiner interessant gemacht werden, Signalbedeutung erhalten. Die Nase ist ohne Zweifel das leistungsfähigste Sinnesorgan des Hundes, wobei es natürlich bei den einzelnen Vierbeinern Unterschiede gibt in der Fähigkeit, Gerüche aufzunehmen. Das ist schon anatomisch bedingt. So hat z.B. der Deutsche Schäferhund etwa 220 Millionen Riechzellen, der Dackel nur knapp die Hälfte. Hunde, die rassebedingt schon unter Atemschwierigkeiten leiden, sind ebenfalls nicht unbedingt die idealen Fährtenexperten. Ideal sind Vierbeiner, die über ein gesundes Nervenkostüm verfügen, nicht ängstlich oder scheu sind und eine hohe Reizschwelle haben. Eigentlich eignen sich alle Gebrauchshunde für die Ausbildung, wobei es natürlich in den einzelnen Rassen, ja sogar unter Wurfgeschwistern, solche und solche gibt. Der Vierbeiner, der bereits als Welpe eifrig versucht, seinen Menschen überall zu finden, und dabei auch die Nase geschickt einsetzt, wird später bestimmt nicht versagen. Die ersten Tests kann man also durchaus im Kreise der Familie machen, mit der so genannten Führerversteckfährte, einem „Spiel“, das sich für jeden Hund eignet. Ein Familienmitglied hält den Hund so, dass er den Hundeführer nicht sehen kann, der sich entfernt und hinter Büschen u.ä. versteckt. Schon dabei ruft und lockt er den Kleinen. Ist er verschwunden, lässt der Helfer den Hund mit dem Kommando „Such“ los. Wie in dem alten Kinderspiel „heiß und kalt“ macht sich der Hundeführer bemerkbar, wenn der Hund in seine Nähe kommt. Hat er „gefunden“ gibt es viel Lob. Das wiederholt man so lange, bis der Kleine eindeutig mit der Nase sucht. Für die nächsten Schritte braucht man dann aber fachkundige Hilfe, am besten in einem Hundesportverein.

Was man benötigt

Die zur Fährtenarbeit benötigten speziellen Hilfsmittel sind eigentlich schnell aufgezählt: vor allem wetterfeste Kleidung und Gummistiefel, dazu ein Fährten- oder Suchgeschirr (sieht in etwa so aus wie die immer mehr in Mode kommenden Geschirre zum Ausführen der Hunde, gibt es im Fachhandel) und eine Fährtenleine (etwa 10 m lang, Leder oder Nylon). Und dazu noch – was mit das Wichtigste ist – ausreichend Gelände. Eine große Rolle spielen bei der Ausbildung auch qualifizierte Mitstreiter, die Fährtenleger. Schon deshalb empfiehlt sich, sobald man sich sicher ist, dass die Fährtenarbeit für den vierbeinigen Sportskameraden das Richtige ist, einen geeigneten Verein zu suchen, in dem man dann trainieren kann.

GÜNTER WESTHUS ist 65 Jahre und betreibt seit 20 Jahren Hundesport. Er trainiert und startet für den „Schutzhund-Sportverein Rhede 1930 e.V.“. Zurzeit hat er zwei Hunde. Der fast zwölfjährige Deutsche Schäferhund „Puck v.d. Rostatt“ ist seit Oktober 2003 im Ruhestand. Mit seinem fünfjährigen Malinois „Jo vom Greifenring“ betreibt Günter Westhus ausschließlich den Fährtenhund-Sport. Der bisher größte Erfolg dieses Teams ist der Titel des FCI-Vizeweltmeisters (IPO-FH) 2004. (Hans-Joachim Swarowsky)



Foto: © Th. Reinhardt/ www.pixelio.de
Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren