Dummy-Arbeit

Retriever, vor allem Golden und Labrador Retriever, sind „in". Leider sehen viele der stolzen „Neuhundler" nur die Schönheit des Vierbeiners und vergessen, dass sich für viele Jahre ein hochspezialisierter Jagdhund an ihrer Seite befindet, der arbeiten will und muss, um ein glückliches Retriever-Leben führen zu können. Doch nur die wenigsten sind Jäger.
 
© animals-digital.de

Also was tun?

Retriever gehören zu den Hunden, die das „Pech“ haben, sich ausgesprochen gut zum Familienhund zu eignen. Doch sie brauchen nicht nur ausgewogene Ernährung, gute Pflege und viel Liebe. Retriever wollen physisch und psychisch gefordert werden, und dabei ist ihnen alles recht, was den über Jahrhunderte angezüchteten Anlagen entgegenkommt. Schon der Name gibt viele Hinweise auf mögliche Aufgaben, ist er doch abgeleitet vom englischen Verb „retrieve“ = wiederbringen, apportieren. Da sich unter den vielen, vielen Retriever-Besitzern nur verschwindend wenig aktive Jäger befinden, haben die betreuenden Klubs und Verbände in weiser Voraussicht einen Ersatz für den jagdlichen Einsatz der Hunde gefunden. „Dummy“ heißt das Zauberwort.

Ein guter Ersatz für echte Beute

Das Dummy ist ein Trainingsgerät, mit dem jagdliche Aufgaben ohne den Einsatz von Wild simuliert werden. Bei einer Prüfung werden z.B. mehrere Dummys in einem unübersichtlichen Gelände verteilt, ohne dass der Hundeführer oder sein Vierbeiner wissen, wo. Der Retriever erhält die Aufgabe, diese Dummys zu finden und dem Hundeführer zu apportieren. Eine andere Variante ist, dass die Dummys vor den Augen des Hundes geworfen werden (auch ins Wasser). Der Retriever merkt sich, wohin sie gefallen sind, und apportiert sie. Dummy-Arbeit ist keine Nebenbeschäftigung Das kann in dickstem Gebüsch oder tiefem Wasser sein, aber auch Wiesen und Felder, Parks oder der eigene Garten eignen sich hervorragend für dieses „Arbeitsspiel“. Es bereitet dem Vierbeiner viel Vergnügen, trainiert seinen Körper und Geist und sorgt somit für allseitiges Wohlbefinden.

Hunde, die mit Dummys arbeiten, wildern nicht

Die Dummy-Arbeit ist ein sehr wichtiger Beitrag zur Retriever-typischen Ausbildung. Mit ihr lernt der Hund, sich seinem Führer unterzuordnen und mit ihm gemeinsam zu arbeiten. Ein durch die Dummy-Arbeit gut ausgebildeter Hund wird kaum wildern, da er gelernt hat, nicht direkt hinter allem herzulaufen. Zurzeit gibt es im Fachhandel ein breites Dummy-Sortiment, das mit dem Welpen-Dummy beginnt. Ein Dummy ist ein Tuch-Säckchen, das entweder mit Kunststoff-Granulat oder Sägemehl gefüllt ist. Es gibt unterschiedliche Varianten: Junior bzw. Welpen-Dummy (Gewicht 200–400 g), schwimmfähiges Standard-Dummy grün (Gewicht 500 g), Wasser-Dummys aus Kunststoff und mit Kaninchen- oder Fuchsfell überzogene Dummys. Als Hundeführer braucht man wetterfeste Kleidung, die auch mal Dreck verträgt, festes Schuhwerk, bei Regen Gummistiefel und vor allen Dingen keine Angst vor schlechtem Wetter. Wann kann man beginnen? Beginnen sollte man spielerisch im frühen Welpenalter, um das Dummy für den Hund interessant zu machen. Der Welpe sollte Spaß daran haben, das Welpen-Dummy zu apportieren. Man kann sich dabei seine Unsicherheit zunutze machen, da er in der ersten Zeit noch sehr die Nähe seines Führers sucht. Deshalb kommt er auch mit dem Dummy sehr gerne zurück, wenn der ihn ruft. Dadurch lernt er früh, das Dummy zu apportieren, da er nur positive Erfahrungen damit verknüpft.

Der Autor: ANDREAS DÜSTER ist selbständiger Versicherungsfachmann. Ehrenamtlich übt er die Funktion eines Vorstandsmitgliedes des Golden-Retriever-Clubs e.V. für Öffentlichkeitsarbeit und Clubnachrichten aus. Kontakt: andreas.duester@grc.de; Internet: www.grc.de
Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren