Begleithundesport

Der Hund, ganz egal von welcher Körpergröße und für welchen Zweck gehalten, wird immer nur dann als angenehmer Begleiter und Gefährte des Menschen anerkannt und empfunden, wenn er sich durch Gehorsam auszeichnet und seine Umwelt nicht stört.
 
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Der Hund lernt die Regeln des Straßenverkehrs.

Schulung für Mensch und Hund

Eigentlich geht es beim Thema „Begleithundesport“ um mehr als eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung für Mensch und Tier. Die Begleithundeprüfung sollte für jeden Vierbeiner – unabhängig von der Körpergröße – genauso ein Muss sein wie der Schulbesuch unserer Kinder. Geht es doch ausschließlich darum, dem Vierbeiner den Benimm beizubringen, dessen es bedarf, um im alltäglichen Leben nicht unangenehm aufzufallen. Sicher wird jeder Leser sich an Situationen erinnern, in denen sogar die größten Hundeliebhaber den Vierbeiner dorthin gewünscht haben, wo der Pfeffer wächst, wenn z.B. unbeteiligte Passanten angesprungen wurden, Radfahrer gewagte Manöver absolvierten, um wütenden Hunden zu entkommen, Kaufhalleneingänge blockiert waren, weil ausgewachsene Bernhardiner davor lagen u. a. m. Aber man darf nicht dem Hund böse sein. Berechtigten Zorn verdienen die Besitzer, die es nicht verstanden haben, ihrem Tier den notwendigen Gehorsam beizubringen. Häufig zeigt sich der ungehorsame Hund dort, wo er aus Geltungssucht angeschafft wurde, weil der Nachbar auch einen Vierbeiner hat. Die Folge falscher oder übertriebener Tierliebe ist fast immer ein unerzogenes Tier.

Auch Chihuahuas brauchen Erziehung

Jeder ist unangenehm berührt, wenn er einen Hund sieht, der mit seinem Herrn spazieren geht, diesen hin- und herzerrt und mit ihm macht, was er will. Wie angenehm werden dagegen Tiere empfunden, die an der Seite ihres Besitzers gehorsam laufen, denen man die Freude am täglichen Spaziergang ansieht. Nun wird sicher der eine oder andere behaupten, dass bei einem Zwergpudel oder Chihuahua bei der Erziehung nicht von Unterordnung gesprochen werden kann, und sich dafür einsetzen, dass dies ein Privileg der Gebrauchshunderassen sei, und für seinen Standpunkt viele Argumente finden. Wir meinen, die Unterordnung ist immer das Spiegelbild guter Erziehung, speziell des Gehorsams. Sie ist Voraussetzung einer vielschichtigen Ausbildung für die unterschiedlichsten Einsatzgebiete.Und damit sind wir wieder bei der Begleithundeausbildung, die von fast allen Hundevereinen und –klubs und jeder guten Hundeschule angeboten wird.

Was muss der Hund lernen?

Beste Voraussetzungen, erfolgreich an einem Lehrgang zur Begleithundeprüfung teilzunehmen, hat der Hundebesitzer,der mit seinem Vierbeiner Welpenspielstunden und ähnliche Veranstaltungen regelmäßig besucht hat. Bevor man zur Tat, sprich zur Anmeldung für einen Lehrgang, schreitet, heißt es die Entscheidung zu treffen, ob die Prüfung in einem Mitgliedsverein des Verbandes für das Deutsche Hundewesen (VDH) oder in einer Hundeschule abgelegt werden soll. Ersteres hat den Vorteil, dass die erreichte Qualifikation Grundlage für weitere sportliche Ambitionen ist. Wer aber das Ziel hat, ausschließlich einen gut erzogenen Hund als Begleiter auf allen Wegen zu haben, ist in der Hundeschule ebenso gut aufgehoben.

Auch der Hundehalter muss lernen

Wenden wir uns dem Ablauf im VDH zu. Erste Voraussetzung,um irgendwann einmal eine Prüfung abzulegen, ist, dass der Hundehalter die Sachkundeprüfung analog den Regelungen zum VDH-Hundeführerschein in einer termingeschützten Veranstaltung bereits erfolgreich abgelegt hat oder den behördlichen Nachweis der Sachkunde vorlegen kann. In der Regel ist das Bestandteil der Lehrgänge, die zum geprüften Begleithund führen sollen. Hier lernt der Vierbeiner ordentlich mit und ohne Leine neben seinem Besitzer zu laufen, sich von nichts und niemandem dabei ablenken zu lassen, auch nicht beim Laufen durch Menschengruppen.

Auch allein gelassen muss er artig sein

Er muss sich auf Kommando setzen und legen und an dem angewiesenen Ort auch allein bleiben, bis er wieder abgeholt oder abgerufen wird. Außerhalb des Übungsgeländes lernt der Hund sich unter vielen Menschen ordentlich zu benehmen, er begegnet Radfahrern, Autos und Joggern bzw. Inline-Scatern und natürlich Artgenossen aller Größen und Geschlechtern. Auch allein gelassen muss er wissen, wie er sich zu benehmen hat. Die Ausbildung ist einzig und allein darauf gerichtet den Hund so zu erziehen, dass er seiner Umwelt kein Missvergnügen bereitet und auch unseren vierbeinigen Kameraden nicht unbedingt wohlgesonnene Zeitgenossen anerkennen müssen: „Das ist aber ein braver Hund!“

Vereine und Schulen sollte man gut prüfen

An Ausrüstungsgegenständen bzw. Kleidung benötigt man kaum etwas, was nicht schon da sein sollte. Für den Hund logischerweise Halsband und Führleine, beim Besitzer wetterfeste Kleidung. Zum Training auf dem Platz sollte man feste Turnschuhe anziehen, die keine glatte Sohle haben, ansonsten herrscht die gleiche Anzugsordnung, die auch für Spaziergänge mit dem Vierbeiner gilt. Natürlich gibt es die Lehrgänge nebst Prüfung nicht kostenlos, da sollte man sich schon vorher erkundigen und gegebenenfalls einige Vergleiche anstellen. Wichtig ist auch, sich den Ort des späteren Geschehens einmal näher anzuschauen. Wie ist der Umgangston? Eher kasernenhofmäßig (dann ganz schnell weg) oder geht es ruhig zu? Sind mehrere unterschiedliche Hunde (verschiedene Rassen und Mischlinge in buntem Durcheinander) oder ist der Verein streng auf die Betreuung einer Rasse ausgerichtet? Auch das kann Probleme bringen.

Schulung für Mensch und Hund wichtig

Lassen wir abschließend mit Burkhard Seibel einen Experten in Sachen Hund zu Wort kommen: „ In einer Zeit, in der vor allen Dingen in urbanen Lebensräumen Hundehaltung erschwert und Hundehalter sehr kritisch betrachtet werden, ist es von besonderer Bedeutung, das Gespann Hundehalter und Hund in einer Art und Weise zu präsentieren, die Akzeptanz und eventuell sogar Sympathie erzeugt. Ein wesentliches Mittel, um einen Hund vorteilhaft zu zeigen, ist ein entspanntes und kontrolliertes Zusammenwirken zwischen Mensch und Tier. Solcherlei Zusammenspiel zwischen den Partnern braucht Übung und Gewöhnung an die speziellen Umstände unserer Zivilisation, so zum Beispiel das Verhalten im Straßenverkehr.

Hund lernt die Regeln des Straßenverkehrs

Hier bietet die Begleithundeprüfung mit einer sachkundigen Vorbereitung eine außerordentlich gute Möglichkeit, unseren Partner Hund durch gezielte Übung im Bereich Unterordnung und Verhalten im Straßenverkehr an diese Aufgaben heranzuführen und zu gewöhnen. Es ist ja nicht nur der Hund, der hier geschult wird, der Hundehalter selbst gewinnt in der Regel zum einen durch die gemeinsam zu erarbeitende Prüfung einen anderen Einblick in die Bedürfnisse des Tieres und zum anderen lernt er auch zu verstehen, dass es Situationen im täglichen Miteinander gibt, die eine konsequente Führung des Hundes notwendig werden lassen. Aus den genannten Gründen halte ich die Begleithundeprüfung unabhängig von der Größe des Hundes für ein erstrebenswertes und lohnendes Ziel für alle Hundehalter.“ (Text: Hans-Joachim Swarovsky/Burkhard Seibel)

 
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