Lagotto Romagnolo

Auf den ersten Blick könnte man den Lagotto Romagnolo für einen gelungenen Pudel-Mischling halten. Erfahren Sie im Steckbrief alles zu Herkunft und Temperament der Hunderasse Lagotto Romagnolo.
 
© Thomas Brodmann / animals-digital.de

Lagotto Romagnolo

 
Widerristhöhe: 43 bis 48 cm
Gewicht: 11 bis 16 Kilo
Alter: 14 Jahre
Ursprungsland: Italien
Fell: wollig, eng gerollte ringförmige Locken
früher: Apportierhund, Trüffelhund
 
  • Bewegungsdrang: mittel
  • Erziehungsaufwand: mittel
  • Pflegeaufwand: hoch
  • Zeitaufwand: mittel
  • Klassifikation: FCI Gruppe 8: Apportierhunde, Stöberhunde, Wasserhunde Sektion 3 Wasserhunde. Ohne Arbeitsprüfung
     
Auf den ersten Blick könnte man ihn für einen gelungenen Pudel-Mischling halten. In Wahrheit ist er der wahrscheinlich älteste bekannte Wasserhund, der sich inzwischen als ambitionierter Trüffelsucher und toller Begleithund einen Namen gemacht hat

Von den Lagunen in die Berge

Obwohl der Lagotto Romagnolo hierzulande nach wie vor eher selten anzutreffen ist, wächst seine Fangemeinde stetig. Kenner der Rasse sind sich einig, dass in dem gelockten Vierbeiner ein echter Schatz steckt, der um ein Vielfaches wertvoller ist als die begehrten Trüffel, zu deren Suche er seit Ende des 19. Jahrhunderts in Italien eingesetzt wird.

Ursprünglich waren die Vorfahren des uns heute bekannten Lagotto italienische Wasserhunde, die ab dem 16. Jahrhundert in den Lagunen von Comacchio und den Sumpfgebieten in der Niederebene der Emilia Romagna vor allem bei der Jagd auf Blesshühner mithalfen. Dabei erwiesen sich die Vierbeiner als äußerst robust und ausdauernd, schwammen sie doch oft stundenlang bei Eiseskälte im Wasser, um das Federwild zu fangen und ihrem Herrn zu apportieren.

„Càn Lagòt“ bedeutet im Dialekt der Romagna „Wasserhund“. Dank des dichten, gelockten Fells mit reichlich Unterwolle konnte das kühle Nass den Hunden nichts anhaben. Nebenbei bewachten sie auch Boot und Haus der „Vallaroli“, die zu jener Zeit die wildreichen Lagunen bevölkerten und mit ihren Hunden Jäger begleiteten und auf Trüffelsuche gingen.

Mit der Trockenlegung der Sümpfe Ende des 19. Jahrhunderts verschwand nicht nur die Wasserjagd, sondern auch das Volk der Vallaroli. Ihre Hunde jedoch blieben. Da die Trüffelsuche nun an Bedeutung gewann, fand man im Lagotto Romagnolo bald einen Verbündeten, der die Händler zuverlässig zu ihrem Ziel, dem teuren Pilz, führte. Selbst als sich die Trüffelsuche durch Abholzung der Wälder in den Tälern zunehmend in die Bergregionen verlagerte, bewährte sich der Lagotto mit seinem dichten Lockenpelz in der dornigen Vegetation.

Da zunächst nur die Gebrauchseigenschaften zählten, kreuzte man immer wieder andere Rassen mit feiner Nase ein, wie Pointer, Pudel, Spinone, Setter oder Bracken. Mitte der 70er-Jahre des letzten Jahrhunderts begannen schließlich einige Liebhaber mit der Rekonstruktion des alten, ursprünglichen Lagotto-Typs und schufen die Basis für eine Reinzucht. Die provisorische Anerkennung der Rasse durch die FCI erfolgte 1995, die offizielle im Juli 2005. Heutzutage wird der Lagotto in seinem Heimatland noch immer als Trüffelsuchhund eingesetzt. Hierzulande macht er sich langsam, aber sicher als intelligenter Familien- und Begleithund einen Namen.

Trotzdem dürfen Rasseinteressenten natürlich nie vergessen, dass der Lagotto nach wie vor über einen gro­ßen Arbeitseifer verfügt, der rassegerecht ausgelastet werden muss. Nur dann kann der intelligente Vierbeiner seine positiven Wesenszüge voll und ganz entfalten.

Anpassungsfähiges Temperament

„Der Lagotto muss zweimal am Tag für mindestens eine Stunde laufen und braucht ausreichend geistige Beschäftigung“, sagen Lieselotte und Peter Bergmann, Züchter im Zwinger „Folletti di tartufo“ (www.tartufo-hunde.de). „Nach unserer Erfahrung ist er aber auch äußerst anpassungsfähig. Wird er von Anfang an sehr gefordert mit Ballspiel, Nasenarbeit, Apportieren, Agility etc., dann fordert er das auch mit Nachdruck ein. Lebt er aber mit einem ruhigeren, älteren Ehepaar zusammen, dann wird er recht schnell zu einem etwas gemütlicheren Hund.“ Grundsätzlich ist der Lagotto für jeden geeignet, der die unbedingt notwendige Zeit für ihn aufbringen kann. Als artgerechte Haltung gilt: möglichst keine Etagenwohnung, besser ein Heim mit ausreichend großem Grundstück.

Darf ein Lagotto seinen Arbeitseifer rassegerecht ausleben, zeigt er sich zu Hause ausgeglichen, genügsam und stets gut gelaunt. Da er sehr auf seinen Menschen bezogen ist und ihm gefallen möchte, gilt er als leichtführig und durchaus für Anfänger geeignet.

„Sein Wesen hat auch gewisse komische Züge“, erklärt das Züchterpaar aus Meinhard-Neuerode. „So kann der Lagotto großartig und geduldig betteln. Wenn man diesen Hunden in die freundlichen, lustigen Gesichter schaut, dann fällt es schwer, nicht weich zu werden. Konsequenz ist daher sehr wichtig.“

Für Härte und Drill ist die Rasse dagegen nicht zu haben. Ein respektvoller, fairer Umgang gepaart mit Einfühlungsvermögen, Kreativität und viel Lob, bringen deutlich mehr. Der Lagotto liebt Streicheleinheiten und ausgiebige Schmusestunden. Er ist sehr anhänglich und sucht stets die Nähe seiner Leute. Daher ist er auch kein Hund für den Zwinger. Am liebsten ist er immer und überall mit dabei.

Bei sportlichen Menschen, die er gerne bei Freizeitaktivitäten wie Joggen, Walken, Wandern oder Radfahren begleitet, fühlt er sich wohl. Familien mit Kindern ist er ein guter Gefährte, da er sehr zart mit den Kleinen umgeht und für jeden Spaß zu haben ist, eine optimale Sozialisation beider Seiten natürlich vorausgesetzt. Zu Hause ist der Lagotto wachsam und meldet durchaus Auffälligkeiten in seinem Revier. Aggressiv oder auch scharf reagiert ein artgerecht gehaltener und optimal sozialisierter Rassevertreter aber nie.

Als einstiger Wasserhund zählt Schwimmen nach wie vor zu seinen Hobbys. Dabei macht er sogar vor schmutzigen und schlammigen Wasserpfützen nicht halt. Selbst der akkurat angelegte Gartenteich zu Hause ist vor seiner Wasserfreude nicht sicher. Allzu penible Menschen werden daher möglicherweise nicht glücklich mit dem nässeliebenden Vierbeiner.

Die Kombination aus Wasserjagdhund und Trüffelsucher mit sehr feiner Nase lassen noch heute einen gewissen Jagdtrieb in seinen Genen schlummern. Dieser erwacht auch schon mal, wenn der Lagotto beim Spaziergang auf verlockende Wildfährten stößt. Trotzdem ist sein Interesse an der Jagd gut beherrschbar.

Was das Haarkleid anbelangt, zählt der Lagotto zu den pflegeleichten Rassen. Da er nicht haart (allergikergeeignet), sollte er zweimal im Jahr geschoren werden. Ansonsten reicht wöchentliches Bürsten aus. Haare, die in das Innenohr wachsen, müssen etwa einmal im Monat entfernt werden, um Reizungen und Entzündungen im Ohr zu vermeiden. Im Winter ist das Fell zwischen den Ballen zu kürzen, damit sich keine Schneeklumpen bilden, die den Hund beim Laufen behindern.

MITGLIEDSVEREINE

Lagotto Romagnolo Club Deutschland
Im Borntal 7a
56727 Mayen
E-Mail: info@lagottoclub.de
www.lagottoclub.de


Österreichischer Kynologenverband
Siegfried-Marcus-Str. 7
A–2362 Biedermannsdorf
Tel.: 0043 (0)2236 71066720
www.oekv.at

Lagotto Club Schweiz
Leimehof, CH–5272 Gansingen AG
Tel.: 0041 (0)79 2157924 (ab 15 Uhr)
Tel.: 0041 (0)62 8750341 (ab 15 Uhr)
www.lagotto-club.ch
 
Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren