Ein Paar, zwei Hunde | PARTNER HUND Magazin

Ein Paar, zwei Hunde

Statistiken besagen, dass sich viele Paare beim Spazierengehen mit ihren Hunden getroffen haben. Wenn man Glück hat, sind auch die Vierbeiner sofort ein Herz und eine Seele. Es kann aber auch zu Problemen kommen, wenn zwei erwachsene Hunde unfreiwillig ein Rudel bilden sollen.
 
 
© Thomas Brodmann / animals-digital.de
Der Mensch kann die Rangfolge nicht bestimmen.

Wenn zwei erwachsene Hunde in eine Familie kommen

Die dreijährige Rhodesian-Ridgeback-Hündin und eine gleichaltrige Rottweiler-Dobermann-Mix-Hündin sind ein unfreiwilliges Paar: Ihre Besitzer haben sich ineinander verliebt. Sie lernten sich beim Spazierengehen mit ihren Hündinnen kennen, die nach ersten Anlauf-Schwierigkeiten doch noch gut miteinander auskamen. Doch inzwischen ist das nicht mehr der Fall: Sie beäugen sich misstrauisch, knurren sich an, gehen sich aus dem Weg. Immer wieder kommt es zu angespannten Situationen. Die Besitzer fragen sich, ob es sich hierbei um Rangordnungskämpfe handelt und ob ein Rudel denn immer eine Rangfolge haben muss?

Entweder Rudel oder Fremde

Die Antwort: Sie müssen die Rangfolge nicht festlegen. Sie können sich auch als Fremde behandeln, sich übersehen. Aber dann müssen sie auch als Fremde auf Distanz bleiben und sich aus dem Wege gehen können. Wenn Mensch aber zwei Hunde in einem gemeinsamen Rudel halten will, dann muss Mensch sich an die Hunde-Rudel-Ordnung halten – sonst „knallt’s“ immer wieder ...

Rudelführer streiten nie, sie siegen

Ein Hunderudel ist eine über die Zeit gewachsene Einheit, in der es drei unterscheidbare Ränge gibt: 1. die „Alttiere“, meist Mutter und Vater, die die Verantwortung für das Ganze tragen, 2. die erwachsenen „Helfer“, die beim Rudel bleiben und bestimmte Pflichten, aber auch Rechte übernehmen, 3. die „Jungtiere“, die sich versorgen lassen. Die Alttiere sind für den „Rudelfrieden“ verantwortlich, sie leben ihn vor: Sie streiten nie, sie setzen sich – einig und als Team – einfach durch. Die Jungtiere dagegen kabbeln sich ewig: Die müssen ihre Beziehungen untereinander ja noch klären, aber das interessiert die Alttiere wenig bis gar nicht. Und ab und zu kracht es auch zwischen den erwachsenen Helfern: Dann müssen die Alttiere eingreifen und Rechte und Pflichten neu verteilen. Und sie müssen – ob es ihnen nun passt oder nicht – die mit der Zeit und im gegenseitigen Umgang gewachsenen Dominanzstrukturen im Helferrudel akzeptieren.

Der Mensch kann die Rangfolge nicht bestimmen

Nur die Menschen, verstehen das offensichtlich nicht. Die versuchen jede Dominanzhaltung zu unterbinden, jeder ergreift für seinen Hund Partei. Und echten „Rudelfrieden“, in dem jeder ein bisschen nachgibt, aber doch jeder seine eigenen Rechte und Pflichten hat, den gibt es immer nur, wenn gerade mal einer der Menschen nicht zugegen ist. „Wir sind die Oberhäupter, und die Hunde sollten sich in Ruhe lassen oder gleichgültig sein.“ So etwas kann man natürlich rein theoretisch fordern – praktisch bekommen wird man es damit aber nicht. Machen Sie doch einfach einmal ein Gedankenexperiment: Stellen Sie sich vor, Sie beide hätten, als Sie sich kennen lernten, nicht jeder eine gerade einjährige Hündin, sondern jeder ein Töchterchen neben sich gehabt. Erst war die eine ein bisschen „frühreifer“, da gab die andere bewundernd nach. Aber dann hat die andere aufgeholt, und nun  fetzt es ab und zu richtig. Und was sagen die „Eltern“? „Solange ihr eure Füße unter unseren Tisch steckt, habt ihr euch gefälligst zu vertragen.“ Aber kaum haben sie das durchgesetzt und erst einmal „Burgfrieden“ hergestellt, da geraten sie sich gegenseitig „in die Wolle“ und „jeder ergreift Partei“ für seine Tochter – in Anwesenheit der beiden ...

Hundefremdwort Gleichberechtigung

Hunde-Alttiere streiten sich nicht. Die setzen sich durch. Hier und jetzt und ohne jeden Skrupel. Solche schönen (menschlichen) Worte wie „Freiheit, Gleichheit, Gerechtigkeit“, damit können Hunde wenig anfangen. Sie können allerdings auch nichts mit „Macht, Unterwerfung, Gleichschaltung“ anfangen. Für Hunde ist „Dominanz“ nun einmal nicht gleichbedeutend mit „Untertanmachen“, sondern mit (durchaus mitunter lästigem) „Verantwortung tragen“. Weshalb im Hunderudel auch jeder seinen Platz, seine Rechte und Pflichten hat, weshalb es für das Sensibelchen auch absolut nicht „entwürdigend“ ist, sich vom Trampelchen die Straße frei räumen zulassen.

Die Regeln für den Menschen

1. Akzeptieren Sie, dass die Hündinnen so sind, wie sie sind. Das hat nämlich – unter Hunden – Vorteile: Je größer die individuellen Unterschiede sind, desto größer die Chance, dass die betroffenen Hunde friedlich in ein Rudel hineinwachsen und sich ihre Rollen ohne Eifersüchteleien aufteilen. Je ähnlicher sich Hunde sind, desto eher „knallt’s“.

2. Akzeptieren Sie, dass eine Hündin die Dominantere ist: Lassen Sie ihr immer und überall den Vortritt, schimpfen Sie nicht mit ihr, wenn die andere dabei ist (mit einem Hund zu schimpfen, der vom Jagdausflug zurückkommt, ist sowieso kontraindiziert: ein Hund, der kommt, muss IMMER gelobt werden!). Und wenn Sie der Dominanten etwas wegnehmen, darf die Unterlegene das natürlich nicht bekommen!

Seien Sie den beiden ein zuverlässiges Alttier-Paar, das mit einer Stimme redet. Und vergessen Sie dieses „mein Hund – dein Hund“. Jeder von Ihnen hat den Hund, der zu ihm passt:. Aus Sicht der Hunde, Ihrer erwachsenen Helfer, ist das kein unlösbares Problem. Aber: Die Hunde werden sich nur einigen, wenn Sie sich einig sind.

(Text: Gudrun Beckmann)
Fotos: 
Thomas Brodmann / animals-digital.de
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