Golfbegleithund | PARTNER HUND Magazin

Golfbegleithund

Golf wird auch unter Hundefreunden immer beliebter. Und was könnte schöner sein, als das Hobby in der freien Natur mit dem Vierbeiner zu teilen? Um als Golfpartner fit zu sein, muss er allerdings mehr können als nur "Sitz" und "Platz".
 
© Rainer Sturm/pixelio.de

Ausbildung zum Golfbegleithund

Hundetrainer Uwe Friedrich bitet eine Ausbildung zum "Golf-Begleithund" an. Eigentlich müsste das doch die perfekte Symbiose sein“, dachte Uwe Friedrich insgeheim, als zwei neue Klientinnen ihm erzählten, sie hätten schweren Herzens ihr Hobby Golfspielen aufgegeben. Der Grund waren nicht etwa gesundheitliche Probleme, sondern weil sie sich einen Hund zugelegt hatten. „Das war für mich nicht schlüssig. Denn beim Golfen ist man draußen, hat Bewegung, und der Hund kann dabei sein“, erinnert sich der Hundetrainer. Kurze Zeit später lernte Uwe Friedrich den Geschäftsführer des Golfclub Hammetweil Frank-Hagen Spanka kennen. Bald stand das Thema „Golf-Begleithund“ im Raum, und es wurde eifrig über ein gemeinsames Ausbildungskonzept diskutiert. Mit dem Ergebnis, dass der Hundeexperte zunächst mal das Golfspielen begann. „Ich möchte in meiner Hundeschule nichts anbieten, wo ich nicht selber dahinterstehen und die Probleme übersehen kann, die auf einen Hundehalter zukommen können“, begründet er sein Vorgehen. Mittlerweile hat Uwe Friedrichs nicht nur mehrjährige Praxis beim Golf, er hat auch unzählige Hunde fit für den Golfplatz gemacht. Denn gerade die unzureichende Erziehung und mangelnde Disziplin vieler Hunde sind schuld daran, dass Vierbeiner zu vielen Golfplätzen immer noch keinen Zugang haben. Dies hofft der mittlerweile begeisterte Golfer langfristig gesehen ändern zu können, indem er und seine Schüler mit gutem Beispiel voran gehen.

Jagdinstinkt ist fehl am Platz

Um den Golfbetrieb nicht zu stören, finden die ersten Trainingsstunden immer auf dem Gelände der Hundeschule statt. Das Angebot reicht von Tages- und Wochenend-Seminaren in der Gruppe bis zu Einzelausbildung. Erst wenn die elementaren Dinge sitzen, wird das Gehorsamstraining auf dem Platz verfeinert. Da Hunde auf Golfplätzen grundsätzlich angeleint sein müssen, dürfen sie natürlich nicht an der Leine ziehen, wenn es eine entspannte Runde für den Halter werden soll. Außerdem soll der sportliche Begleiter weder Golfbälle noch Kaninchen, Rehe oder Flugwild jagen und keinerlei Aggressivität gegen-über Menschen oder Artgenossen zeigen. Er muss immer in der Nähe seines Menschen bleiben und an dem ihm zugewiesenen Ort geduldig warten, während Herrchen oder Frauchen den nächsten Schlag ausführt. Und obwohl Mensch und Hund stundenlang durch die Natur marschieren, sind Hundehäufchen auch auf Golfplätzen ein Stein des Anstoßes. Deshalb lernt der wohlerzogene Sportkamerad, auf ein Hörzeichen hin sein Geschäft zu erledigen – das natürlich vom Halter sorgsam mit mitgeführten Plastiktüten entsorgt wird. Eine Übung, die auch in der Stadt oder auf Reisen, wo manchmal wenig Grünfläche zur Verfügung steht, von Vorteil ist. Damit der Vierbeiner nicht mit aus dem Häuschen gerät, wenn sich der Halter über einen gelungenen Schlag freut, lernt der Golf-Begleithund, nur auf klare Ankündigungs- und Auflösesignale zu reagieren. Kommt das Auflösesignal nicht, kann der Besitzer Purzelbäume schlagen, und er bleibt trotzdem ungerührt liegen. Erfolgt das Signal, darf er sich selbstverständlich auch mit seinem Menschen freuen. „Habe ich dem Hund bei der Ausbildung richtig rübergebracht, wann ich mit ihm zufrieden bin und wann unzufrieden, und weiß er genau, wann er angesprochen ist, wird er es auch nicht auf sich beziehen, wenn sich der Halter über einen verschlagenen Ball ärgert“, führt der ehemalige Diensthundeführer der Polizei Stuttgart aus.

Warten kann Freude machen

Trotz dieser ganzen Wenns und Solls kommen selbstverständlich auch die Bedürfnisse des Vierbeiners nicht zu kurz. „Bringt man ihm das Warten als lohnend bei, kann er sogar daran Freude haben“, meint Uwe Friedrich. „Wir beginnen das Training mit kurzen Sequenzen und bauen anfangs nach jeder Übung, später nach jeder zweiten und dann abwechselnd nach dem zweiten und dem achten Loch ein Apportierspiel ein, bis der Hund 18 Loch mitgehen kann. Am liebsten arbeiten wir dabei mit einem Futterdummy oder wie in der Rettungshundearbeit mit einem kleinen Stoffteil als Bringsel und Clicker.“Da sich der Hundehalter beim Training anfangs vor allem auf den Hund konzentrieren muss, wird die Qualität des Golfspiels natürlich zunächst darunter leiden. Mit zunehmender Praxis aber werden sich Mensch und Hund bald ohne Worte verstehen und die gemeinsame Zeit genießen. „Außerdem hat das Ganze noch einen angenehmen Nebeneffekt“, meint Uwe Friedrich. „Der Golf-Begleithund, der gelernt hat, seinen Besitzer über 18 Loch auf dem Fairway, Rough und Green beim Pitchen, Putten oder Chippen zu begleiten, wird auch im Alltag ein zuverlässiger Partner sein.“  

Text: Saskia Brixner



Foto: © Rainer Sturm/ www.pixelio.de
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