Die Bedeutung der Stimme | PARTNER HUND Magazin

Die Bedeutung der Stimme

Warum reagiert ein Hund nur auf das „Hier", ein anderer ausschließlich auf „Komm"? Weil das pure Wort für ihn keinerlei Bedeutung hat. Wer das berücksichtigt, tut sich viel leichter in der Erziehung.
 
 
© Thomas Brodmann / animals-digital.de
Gerade beim Heranrufen passieren unabsichtlich die meisten menschlichen Fehler.

Hunde reagieren auf Betonung

Machen Sie sich frei von dem Gedanken, dass Ihr Hund die Worte versteht, die Sie benutzen. Genau das tut er nämlich nicht. Als hervorragende „Vokabellerner“ verknüpfen Hunde aber eine Handlung, ein Objekt oder eine Person mit dem jeweiligen Wort, wenn wir es oft genug und eindeutig anwenden. Sie wissen also nicht, was „Sitz“ bedeutet, lernen aber sich zu setzen, wenn wir „Sitz“ sagen. Konfrontieren wir aber unseren Hund mit einem „Setz dich hin!“, noch dazu in anderer Betonung, hat er keine Ahnung, was wir von ihm verlangen. Und wenn wir gar in ganzen Sätzen sprechen, verändert sich das in einen Satz eingebaute „Sitz“ für die Hundeohren so stark, dass er es buchstäblich nicht mehr versteht. Denn es ist das Klangbild, das sich dem Hund einprägt, etwa langgezogene Vokale oder hart ausgestoßene Zischlaute.

Klangbilder für die Hundeerziehung nutzen

Hundetrainer nutzen Klangbilder ganz gezielt. Sie sagen nicht „Sitz“, sie stoßen ein kurzes hartes „Sitztztztz“ aus, nicht gesungen, sondern auf ein- und demselben Ton. Ähnlich klingen „Platztztztz“ und das „Bei Fussssssss!“, das in den Wiederholungen nur noch „Fussss!“ heißt. Dank ihrer guten Kombinationsgabe lernen Hunde, dass bei Kommandos mit Zischlauten eine sofortige Reaktion erwünscht ist, eine volle Konzentration auf den Menschen.

Doch wer ist schon so konsequent wie ein professioneller Trainer? Unsere Stimme passt sich meistens automatisch unserer Laune an. Wenn wir uns ärgern, vergessen wir das ruhige bestimmte knappe „Bei Fussss!“ und verwirren unseren Hund, der zusätzlich ja noch den Leinenruck spürt, durch „wirres Gestammel“ wie „Nein, hierher, langsam, lass das“, oder – für Hundeohren noch unverständlicher – indem wir grummelnd seinen Namen rufen.

Kommst du endlich, oder nicht?

Ganz ähnlich ist es mit dem „Hier“, was melodisch und langgezogen dem Hund einen gesprochenen „Pfiff“ signalisieren soll. Also nicht „Hier“, „Komm“, oder „Hierher“ rufen, sondern immer laut und lang „Hiiiiier!“, verbunden mit einem lockenden Namensruf und – ganz besonders wichtig – einem „Braaaav“ als Willkommensdankeschön, wenn Ihr Hund das „Hiiiiier“ auch befolgt.

Fehler beim Heranrufen des Hundes

Gerade beim Heranrufen passieren unabsichtlich die meisten menschlichen Fehler. Denn welchen Grund sollte ein Hund haben, der unwirsch angepflaumt wird, etwa mit „Bello, kommst du sofort hierher?“, freudig auf uns zuzurennen? Er hört unseren Ärger ja schon an der Betonung. Oft genug wird seine Vorahnung auch durch ein zorniges „Na endlich“ oder „Schneller ging’s wohl nicht, was“, verbunden mit einer drohenden Handbewegung, bestätigt. Probieren Sie’s mal aus. Auch der dickköpfigste Hund lernt ein verheißungsvolles langes „Hiiiier“, im Zusammenhang mit seinem aufmunternd ausgesprochenen Namen, ganz schnell und auf Dauer, wenn er nach seiner Ankunft aufs herzlichste begrüßt wird. Zwingen Sie sich zu einem Lob, unterdrücken Sie Ungeduld und Ärger, wenigstens in Ihrer Stimme.
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