Wirkt sich die Größe des Hundes auf die Lebenserwartung aus? | PARTNER HUND Magazin

Wirkt sich die Größe des Hundes auf die Lebenserwartung aus?

Je größer der Hund, desto kurzlebiger ist er. Diese alte Erfahrung bestätigte auch unsere Umfrage. Nur die ganz Kleinen hielten sich nicht an diesen Trend: 7-kg-Hunde leben im Schnitt nicht länger, sondern kürzer als 15-kg-Hunde.
 
© Thomas Brodmann / animals-digital.de
Bestimmt die Rasse das Wesen des Hundes?

Ist Gesundheit angeboren?

Gibt es bei Hunden so etwas wie die „Goldene Mitte“, Größen, die man – selbst innerhalb der Rassen – weder nach oben noch nach unten überschreiten sollte? Und bestimmt der individuelle Körperbau die Lebenserwartung? Wir fragten bei Hundehaltern nach Rasseähnlichkeiten.  Gemessen an der Durchschnitts-Lebenserwartung von 10,4 Jahren ist die Antwort ziemlich eindeutig: Der ganz normal gebaute Goldie z.B. lebt im Schnitt 0,6 Jahre länger. Ist er eher klein, bringt ihm das zwar keine Nachteile, aber auch kaum Vorteile. Ist er dagegen – gemessen an anderen Goldies – eher groß und kräftig, dann verliert er dem „normal“ gebauten Goldie gegenüber schon 1,1 Lebensjahre. Und die hochbeinigen Schlakse gehen im Schnitt sogar 2,3 Jahre früher.

Bestimmt die Rasse das Wesen des Hundes?

Und wie ist das mit dem mehr oder weniger angeborenen „Wesen“ der Hunde? Das „Wesen“ unserer Hunde ist ja, durch Erbe und Umwelt „geprägt“, auch recht unterschiedlich. Und mitunter kann man schon in einem einzigen Wurf Welpen die ganze Streubreite finden: die geborene „Schlaftablette“, den „Choleriker“, den nimmermüden „Forscher“. Hat auch dieses häufig so unterschiedliche „Wesen“ Einfluss auf die Gesundheit und die Lebenserwartung unserer Hunde? Auch das hinterfragten wir.

Wir sehen: Die „Schlaftablette“, der „Forscher“, das „Hinkelchen“, sie bewegen sich alle ganz eng um den statistischen Durchschnittswert von 10,4 Jahren. Der fröhliche Temperamentsbolzen aber, der sich mehrmals täglich auf- und gleich wieder abregt, der übertrifft sie an Lebenserwartung alle. Den Schwarzen Peter hat der, der sich zwar auch über alles aufregt, sich dann aber nicht abregen kann, der, der immer unter Strom, unter Dampf steht. Der lebt nicht nur deutlich stressiger als die ruhigen. Der lebt im Schnitt auch 2,6 Jahre kürzer als sein fröhlicher Kumpan, der mit Stress – so oder so – schnell fertig wird und dann seine Ruhe genießt ...

Besseres Immunsystem beim Hund dank Kinderkrankheiten?

Aber nicht nur der Körperbau, auch der Grund-„Charakter“ ist bei Hunden unterschiedlich. Es gibt ja auch mehr oder weniger vitale „Linien“. Hunde, die selten oder nie krank waren, bewegen sich im statistischen Mittelbereich: die, die selten krank waren, eher an der oberen Grenze, die, die „nie“ krank waren, an der unteren. Deutlich besser dran sind die, die sich von ihrer Krankheit nicht „überrumpeln“ ließen, bei denen sich die Krankheit über die Zeit irgendwie „einschlich“: Sie lebten im Schnitt 1,1 Jahre länger als der Durchschnitt. Auffällig ist das hohe Lebensalter, das die erreichten, die als Welpen, als Neue, krank in ihre Familie kamen und dort erst gesund gepflegt wurden. Fast wirkt es so, als ob sie durch ihre durchgemachten „Kinderkrankheiten“ eine verbesserte Vitalität, ein wirksameres Immunsystem erreicht hätten, das sie vor Krankheitsrisiken schützt. Sie sterben im Schnitt „alt und weise“ mit fast 13 Jahren ...

Kranker Welpe, gesunder Junghund?

Aber holen Sie sich jetzt bitte nicht einfach den nächsten kranken Welpen ins Haus. Von allen, die krank ankamen, wurden nur 30 Prozent gesund. 70 Prozent aber blieben von Anfang an und lebenslänglich krank, wurden – wie man auf dem Land sagt – „Rotlauffänger“ und „fingen“ sich alles an Krankheiten ein, was es nur gibt. Die einzige Krankheit, die sich sich nie (= null Prozent) „einfingen“, war Altersschwäche ... Sicher, hierbei spielen auch die Tierärzte eine Rolle.

Fazit

Aus einem von Anfang an avitalen, zu großen, zu aufgeregten Rotlauffänger macht auch der kompetenteste Tierarzt keinen vitalen Naturburschen. Er kann nur helfen, lindern. Aber: Fallen Sie deshalb bitte nicht von einem Extrem ins andere: Nein, „Natur hilft“ nicht immer, und „die Zeit heilt“ auch nicht jede Wunde. Schieben Sie die Fragen, die Sie haben, nicht auf bis zum nächsten Impftermin. Seien Sie, wenn Sie Sorgen haben, ruhig mal drei Wochen lang „Dauergast beim Tierarzt“. Sie wissen doch: Nur schnelle Hilfe ist gute Hilfe. Und wenn Sie dann hinterher sagen müssen: „Wie häufig ich beim Tierarzt war? Das weiß ich nicht. Das war von Jahr zu Jahr sehr unterschiedlich“, dann haben Sie für ihren Partner Hund genau das Beste getan ...
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