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Krankheitsbild Bandscheibenvorfall

So wie wir Menschen können auch Hunde einen Bandscheibenvorfall bekommen. Und auch für sie kann das ausgesprochen schmerzhaft werden.
 
© Thomas Brodmann / animals-digital.de
Ein Bandscheibenvorfall ist auch für den Hund sehr schmerzhaft.

Definition

Unter dem Bandscheibenvorfall ist eine Erkrankung der Wirbelsäule zu verstehen, bei der Teile der Bandscheibe in den Rückenmarkskanal oder Spinalnervenkanal vortreten.

Krankheitsentstehung und -entwicklung

Die Bandscheiben liegen als Puffer zwischen den knöchernen Wirbeln der Wirbelsäule. Sie bestehen aus einem Ring aus Bindegewebe und einem Gallertkern. Als derb-elastische Kissen federn sie Stöße ab. Sie dienen aber auch der Beweglichkeit der Wirbelsäule. Bei einem Bandscheibenvorfall reißt entweder der Bindegewebsring und der Gallertkern drückt direkt auf das Rückenmark oder der Bindegewebsring verliert seine Festigkeit und der Gallerkern schiebt ihn nach oben in Richtung Rückenmark. Schlimmer ist meist der erste Bandscheibenvorfallstyp. Denn er kann sich plötzlich ereignen und für eine Schwellung, ähnlich einer Beule, sorgen, die den Druck auf das Rückenmark noch verstärkt, während beim zweiten Typ der Druck allmählich erhöht wird und das Rückenmark sich daran in Grenzen „gewöhnen“ kann.

Klinisches Bild - Symptome

Der Druck auf das Rückenmark verursacht die Symptome des Bandscheibenvorfalls. Wird das Rückenmark verletzt, sind je nach Ort und Schwere der Verletzung, wichtige Körperfunktionen gestört. Im schlimmsten Falle kommt es zur vollständigen Lähmung. Man teilt Bandscheibenvorfälle in fünf Grade ein.

Die fünf Grade

Bei einem Bandscheibenvorfall ersten Grades reagiert der Hund überempfindlich auf Berührungen der Wirbelsäule. Der Rücken kann auch schmerzhaft aufgekrümmt sein. Die Rückenmuskulatur ist verspannt und hart. Der Hund bewegt sich unwillig, aber noch durchaus normal.

Beim zweiten Grad fällt dem Betrachter ein unsicherer Stand auf. Die Bewegungen des Hundes wirken steif, übertrieben und „eckig“. Tierärzte sprechen von ataktischen Bewegungen. Der Hund kann aber noch gehen.

Zu einer deutlichen Muskelschwäche kommt es beim dritten Grad. Bringt der Tierarzt dann ein Körperteil in eine ungewöhnliche Position, braucht der Hund deutlich länger, um dieses wieder normal in Stellung zu bringen. Der Hund kann sich außerdem nur mit seitlicher Abstützung aufrecht halten.

Gelähmt ist das Tier ab dem vierten Grad. Diese Lähmung betrifft die Muskulatur, die hinter dem Ort des Bandscheibenvorfalls liegt. In der Regel sind die Hinterbeine gelähmt. Bei diesem Grad können auch die Funktion der Schließmuskeln von Blase und Darm gestört sein und das Tier kann Kot- und Harnabsatz nicht mehr kontrollieren.

Beim fünften und schwersten Grad versagt schließlich die Wahrnehmung von Schmerzen. Der Patient nimmt die „Fischrobbenstellung“ ein und kann sich nicht mehr bewegen.

Prognose

Entscheidend für die Heilungsaussichten des Hundes ist der Schweregrad der Symptome. Bei einem Bandscheibenvorfall fünften Grades stehen die Chancen für den Hund schlecht. Selbst bei einer sofortigen Operation bleiben viele gelähmt und müssen von ihren Haltern lebenslang gepflegt werden, wenn diese sich nicht für eine Einschläferung entscheiden. Einen Bandscheibenvorfall ersten und zweiten Grades kann der Tierarzt noch ohne Operation in den Griff bekommen. Dazu verordnet er dem Hund strenge Käfigruhe bis zu zwei Wochen. Die Käfigruhe ist die entscheidende Maßnahme bei der Behandlung. Wird sie nicht eingehalten, kann es zur Verschlimmerung des Vorfalls kommen. Nach der Käfigruhe darf der Hund auf keinen Fall springen oder Treppen steigen. Das bedeutet kurze Spaziergänge an der Leine und physiotherapeutische Übungen. Hunde mit einem Bandscheibenvorfall dritten und vierten Grades müssen operiert werden.

Wer ist gefährdet?

Die Krankheitsbezeichnung „Dackellähme“ hat durchaus ihre Berechtigung. Wenn auch andere Hunderassen einen Bandscheibenvorfall erleiden können, tragen eben Dackel ein hohes Risiko für dieses Rückenproblem. Sie gehören, wie z.B. Pekinesen oder Französische Bulldoggen zu chondrodystrophen Rassen. So nennt man Rassen, deren Körperbau die Folge einer gewollten Entwicklungsstörung des Skeletts ist. Diese Hunde mit den kurzen Beinen und dem langen Rücken können bereits von einem Jahr Probleme mit den Bandscheiben haben, während Hunde anderer Rassen in der Regel erst ab einem Alter von fünf Jahren gefährdet sind.

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