Wenn Mensch und Hund älter werden | PARTNER HUND Magazin

Wenn Mensch und Hund älter werden

Die Lebenserwartung steigt – nicht nur beim Menschen. Haustiere verbringen oft weit über ein Jahrzehnt mit ihren Besitzern. Die Bindung wird tiefer, besonders im Alter. Dr. med. vet. Thomas Görblich hat sich Gedanken über gemeinsame Lebensabschnitte von Menschen und Tieren gemacht.
 
© Thomas Brodmann / animals-digital.de
Bewegung, Sport und Spiel halten den Hund fit.
Manchmal habe ich über den Grund nachgedacht, wieso Hunde ein so kurzes Leben haben, und ich bin ziemlich sicher, es ist aus Mitleid mit dem Menschen so. Denn wenn wir schon so leiden, weil der Hund nach einer zehn- oder zwölfjährigen Freundschaft stirbt, wie wäre es dann erst, wenn er doppelt so lange leben würde?“ Dieses Zitat von Sir Walter Scott, einem großen Hundefreund, bringt es auf den Punkt: Je länger wir mit unseren vierbeinigen Gefährten zusammen sind, desto tiefer und inniger wird die Bindung.

Der Altersboom hält weiter an

Unsere Haustiere werden ganz eindeutig immer älter, die durchschnittliche Lebenserwartung beim Hund hat sich in zwei Jahrzehnten um 3 Jahre erhöht, Tendenz: steigend. Für Professor Wilfried Kraft von der I. Medizinischen Tierklinik der LMU München liegen die Ursachen für diesen Altersboom vor allem „in besserer, artgerechter Ernährung, in häufigeren Tierarztbesuchen sowie in systematischer Gesundheitsvorsorge durch Impfungen“.

Die Queen und ihr Corgi waren unzertrennlich

Daran dürfte es auch den berühmten Welsh Corgies der englischen Königin-Mutter nicht mangeln. Ranger, das Lieblingstier von Queen Mum, brachte es auf über 15 Jahre und war damit, nach Hundejahren gerechnet, älter als sein Frauchen, das zur Jahrhundertwende das Licht der Adelswelt erblickte. Die beiden waren praktisch unzertrennlich, sei es bei Empfängen, bei Tisch oder gar als Fußwärmer im königlichen Himmelbett. Seit Rangers Tod ist Minnie, ebenfalls Pembroke-Welsh-Corgie-Hündin edelster Abstammung, die engste Vertraute der Königin-Mutter.

Die prominenten Schlosshunde zeigen allerdings auch die Grenzen der Altersmedizin beim Tier: Obwohl man getrost unterstellen darf, dass es ihnen weder an tierärztlicher Betreuung noch an ausgewogener Ernährung mangelt, wird deutlich, dass sich selbst ihr Hundeleben nicht beliebig verlängern lässt. Was jedoch genau hinter der „Lebensuhr“ steckt,  welche Prozesse dafür verantwortlich sind, dass früher oder später jedem die Stunde schlägt, ob Mensch oder Tier, darüber sind sich die Forscher noch nicht ganz einig.

Die Hunde teilen auch die Alterskrankheiten der Menschen

Fest steht, dass im Alter besonders die chronischen Krankheiten zunehmen: Gelenksschäden, Hormonstörungen, Nierenschäden, Krebs – Probleme, die vor allem älteren Tieren zu schaffen machen. „Neben diesen typischen Altersleiden gibt es Krankheiten, die mit dem Tier alt geworden sind, die es also bereits als Jungtier erworben hat, die nicht gänzlich auskuriert wurden und die nun wieder zu Problemen führen“, sagt Wilfried Kraft.

Bewegung, Sport und Spiel halten fit

Die besten Chancen, mit seinem Haustier lange goldene Jahre zu erleben, hat daher, wer auf erste Krankheitsanzeichen achtet und diese – soweit möglich – konsequent behandeln lässt. Doch auch Bewegung, Sport und Spiel tragen zu Fitness, Ausgeglichenheit und damit hoher Lebenserwartung bei – und bescheren Halter wie Tier viele unvergessliche Stunden voller Spaß und Ausgelassenheit.

Kinder spüren die Bedürfnisse instinktiv

Kinder beschäftigen sich zum Beispiel ganz instinktiv auf diese Weise mit Hunden – sie tollen mit ihnen herum, unternehmen Ausflüge und bestehen Abenteuer. Damit gewinnen sie einen Freund fürs Leben und der Hund einen echten Rudelkameraden. Diese eingeschworene Gemeinschaft kann so schnell nichts erschüttern – weder schlechte Zensuren noch Stimmbruch oder Pubertät. Selbst dann bleibt uns Bello treu, tröstet uns mit seiner kalten Schnauze, und Minka schnurrt uns zuversichtlich ins Ohr. Wer das als Kind erleben durfte, findet es in jedem neuen Haustier wieder – und freut sich über den gemeinsamen Weg, der vor einem liegt, egal, ob er nur kurz ist oder viele Jahre währt. Manche Tiere leben ewig – zumindest in unseren Herzen. (Text: Dr. med. vet. Thomas Görblich)
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