So werden Mensch und Hund ein Team | PARTNER HUND Magazin

So werden Mensch und Hund ein Team

Auch die bedingungslose Liebe und Bindung eines Hundes seinen Menschen gegenüber will erarbeitet werden. Mit Futter und Streicheln allein ist es nicht getan. Ihr Hund braucht mehr: ein Vorbild!
 
© Thomas Brodmann / animals-digital.de
Der Hund bindet sich nur an Menschen, denen er vertraut.

Welpenspiele und Welpenprägung

Mit der Wahl für einen Welpen übernimmt man die Verantwortung für die Aufzucht des jungen Hundes: Der Kleine muss gesund ernährt werden, benötigt Bewegung und muss vom Besitzer die große, weite Welt gezeigt bekommen. Dies erfordert viel Zeit und Geduld. Die wichtigen Phasen der Sozialisierung und Erziehung müssen genutzt werden, um dem Welpen zu zeigen, dass sein Herrchen/Frauchen der/die beste der Welt sind, auf die er sich immer verlassen kann.

Der Hund bindet sich nur an Menschen, denen er vertraut

Es ist keine Hexerei, den Hund für ein „Leben“ an sich zu binden und ihm trotzdem die Freiheiten zu lassen, die er benötigt. Eine Bindung wird nicht alleine durch schmusen und engen Körperkontakt erreicht, erzwingen kann man sie schon gar nicht. Eine innige und feste Bindung wird über Geduld, Konsequenz, Spiel und Beschäftigung aufgebaut. Für eine intakte Bindung muss der Hund seinen Besitzer als souveränen „Leiter“ kennen lernen, dem er blind vertraut.

Nicht zu früh zum "Babysitter" geben

Die Bereitschaft, sich an seinen Besitzer zu binden und ihm zu folgen, kann sich deutlich verschlechtern, wenn der Welpe oder Junghund am Anfang kein konstantes Umfeld in seinem neuen Zuhause kennen lernt. Das bedeutet, dass am Anfang darauf geachtet werden sollte, den Hund nicht zu lange bei Freunden oder Bekannten zum „Babysitten“ abzugeben. Der Besitzer sollte darauf achten, dass sein Hund ihn und nur ihn als Bezugsperson in seiner ersten Zeit kennen lernt.

Ständiges Herumkommandieren hilft wenig

Unser Freund ist auch nicht durch ständiges Herumkommandieren und Kontrollieren in den „Griff“ zu bekommen; dies führt nicht nur zu einem deutlichen Bindungsverlust, sondern der Hund wird auch noch in die soziale „Isolation“ geschoben. Ihm umgekehrt alle Freiheiten zu lassen, keine Regeln beizubringen und nur „lieb“ zu haben, schadet ihm genauso. Wie so oft macht es die „Mischung“. Wenn man sich mit dem Lernverhalten des Hundes beschäftigt, stellt man schnell fest, dass der Hund durch „Testen“ und dem daraus resultierenden Erfolg oder Misserfolg lernt. Hier spielen die Kommunikation und die Körpersprache zwischen Mensch und Hund eine wichtige Rolle. Hunde formen sich am meisten über das „Lernen am Erfolg“. Der einfachste Weg, dem Hund erwünschtes Verhalten beizubringen, ist die klassische Konditionierung – auch positive Verstärkung genannt.

Positiv bestärken heißt auch, aus sich herauszugehen. Dies fällt den meisten Menschen sehr schwer. Am Besten kann es zu Hause ohne die Blicke und Kommentare anderer geübt werden. Dazu gehört, sich mit dem Hund auf dem Boden zu wälzen und allen möglichen Quatsch zu veranstalten – den „Affen für seinen Hund machen“. Gerade in der Zeit, in der sich der Welpe an seinen Besitzer gewöhnt, ist dies für ihn extrem wichtig. Der Hund soll seinen Besitzer nicht nur als seinen „Leiter“ sehen, sondern auch als besten Kumpel, mit dem man so richtig Quatsch machen kann. Der Hund will nicht nur am Anfang, sondern bei intensivem Bindungsaufbau immer seinem Herrchen/Frauchen gefallen. Durch positive Bestätigung ist das leicht zu lenken.

Eine weitere Form des Lernens ist die negative Verstärkung. Dabei geht es darum, dem Hund in bestimmten Situationen klar zu machen, das sein gerade gezeigtes Verhalten nicht gebilligt wird. Die negative Verstärkung beinhaltet das Erlernen eines bestimmten Signals (ein Ton, ein Gegenstand oder ein missbilligender Ausdruck), das zur Vermeidung einer bestimmten Handlung eingesetzt wird und ein unerwünschtes Verhalten schon im Ansatz stoppt. Da der Hund seinen Besitzer durch den Bindungsaufbau als vertrauenswürdig und positiv empfindet, geht die Welt nicht unter, wenn er ab und zu in seine Schranken verwiesen wird.

Der Hund lernt nicht nur durch Erfolg, sondern auch durch Misserfolg. So sind z.B. das Zerbeißen von Gegenständen, Anknurren des Besitzers, das Verteidigen eines Gegenstandes gegenüber dem Besitzer nicht erlaubt und werden auch nicht geduldet.

Wichtig

Bei allen Dingen, die man gemeinsam mit seinem Hund unternimmt und erlebt, handelt der Besitzer überlegt und selbstbewusst. Bei allen Gelegenheiten, zu Hause, im Verein, in Hundeschulen usw.: Wenn Sie sich mit dem Hund beschäftigen, zeigen Sie ihm gegenüber immer ein souveränes und selbstbewusstes Verhalten. Dann wird der Hund Ihnen in allen Situationen folgen und Sie als „Leiter“ akzeptieren. Denn der „denkende“ Teil des Gespannes läuft immer auf zwei Beinen!

(Text: Philipp Müller-Schnick)

 

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