Tipps gegen Ziehen an der Leine | PARTNER HUND Magazin

Tipps gegen Ziehen an der Leine

Es ist nicht nur lästig, wenn der Hund sich ins Zeug legt und Herrchen/Frauchen hinter sich her zieht. Es kann, bei einem kräftigen Hund auch gefährlich werden. Wer es versäumt hat, seinen Begleiter von Anfang an an lockeres Leine-gehen zu gewöhnen, der kann auch den notorischen "Zughund" noch umerziehen. Mit Konsequenz und eiserner Energie.
 
7 Tipps gegen Ziehen an der Leine © animals-digital.de
7 Tipps gegen Ziehen an der Leine
Von Ursula Birr
 

1 Stop and Go

Es ist der sicherste, leider auch zeitaufwendigste und mühsamste Weg zum leinenführigen Hund: Bleiben Sie grundsätzlich und immer stehen – wortlos –, wenn der Hund die Leine strafft. Das irritiert ihn. Wendet er sich um und kommt auf Sie zu, gibt’s ein Wort der Anerkennung, ein Tätscheln oder ein Leckerchen. Zieht er weiter, folgen Sie auf keinen Fall, sondern stoppen ihn über die Leine. Das dumme Herumstehen ist für jeden Hund langweilig, aber es testet Ihre Geduld aus. Denn kaum geht’s weiter, wird er wieder ziehen, und Sie müssen erneut stehen bleiben. Ein Spaziergang kann so für beide Seiten zur Plage werden. Jedenfalls so lange, bis es endlich "Klick" im Hundehirn macht. Und er verknüpft, dass Weiterlaufen nur dann klappt, wenn er nicht zieht. Rückfällig kann er dennoch werden, wenn die Hundewiese lockt oder ein Geruch ihn den zweiten Gang einlegen lässt. Lassen Sie sich dann nicht beirren. Stop and Go erschöpft nicht nur Sie, sondern auch den Vierbeiner. Er bekommt sein Erfolgserlebnis dann, wenn er locker läuft. Dann legen nämlich Sie den zweiten Gang ein und schenken ihm ein hundegerechtes Tempo.

2 Handfläche als Stoppschild

Bei hartgesottenen Zughunden können Sie zu deftigeren Maßnahmen greifen. Die müssen aber punktgenau sitzen, damit sie verstanden werden. Die Pet-Flasche etwa, mit der Sie den Hund besprühen, wenn er losdonnern will. Oder der Schlüsselbund, der immer dann vor seine Pfoten fällt, wenn sich die Leine strafft. Bei einem größeren Hund ist die Handfläche effektiv, die vor seiner Nase eindeutig das Tempo vorgibt: Bis hierhin und nicht weiter!

3 Ablenkungsmanöver

Ein bewährtes Mittel, das sich auszahlt: Seien Sie interessanter als der Duft der großen weiten Welt. Lenken Sie die Aufmerksamkeit des Hundes auf sich. Durch kleine Aufgaben, im Wechsel mal einen Ball oder Zerrstrick in der Hand wird die Nähe zu Ihnen spannender als das (vergebliche) Zerren. Weil sich auch mit Leine einige Spielchen machen lassen, erfüllen Sie auch das stillschweigend gegebene Versprechen.

4 Letzte Hoffnung Kopfhalfter

Für alle, deren Hund sie mit seinen Bärenkräften aus dem Gleichgewicht bringen könnte oder der spontan losstürmt, sind Halti oder ein anderes Kopfhalfter manchmal die beste Übergangslösung. Allerdings nur dann, wenn sie sich vor dem ersten Gebrauch genau in die Handhabung einweisen lassen. Am besten von einem erfahrenen Trainer. Die Gebrauchsanweisung alleine genügt leider nicht, und Fehler im Umgang mit dem Halfter lassen sich schwer wieder ausbügeln. Und: Niemals das Halti alleine benutzen, sondern den Hund immer zusätzlich noch mit Halsband und Leine führen. Mit dem Kopfhalfter können Sie dann alle anderen Übungen machen, sodass der Hund sich allmählich ans ungewohnte langsame Laufen gewöhnt. Denn Leinentraining ersetzt das Halfter nicht, Sie wollen es ja nicht lebenslänglich benutzen. Aber es gibt Ihnen in den ersten Trainingstagen Sicherheit: Der Hund kann nicht losstürmen, Ihnen die Leine aus der Hand reißen oder Sie zu Fall bringen. Wenn Sie ihn fürs Laufen an der lockeren Leine immer wieder bestätigen, wird er sich im Lauf der Zeit anpassen und verstehen, dass Freiheit nur dann winkt, wenn er vorher Disziplin gezeigt hat.

5 Kein Halsband, keine Flexi

Einen Hund, der sich voll ins Zeug legt und die Leine über Gebühr strapaziert, hält auch kein Halsband zurück. Im Gegenteil: Es schädigt den Kehlkopf und die Nackenwirbel. Stachelhalsband und Würger sollten ohnehin der Vergangenheit angehören, weil sie den Hund nichts lehren, aber Schmerzen und Verletzungen zufügen. Und auch die Flexileine ist kontraproduktiv, weil sie Einwirkung, die Sie haben, minimiert. Bis das Leinentraining sitzt, benutzen Sie am besten ein Geschirr, das optimal passt und den Druck auf die Brust verteilt.

6 Kleiner Deal

Sie gehören zu den sanften Erziehern, die zum Nachgeben neigen und bei denen Konsequenz nicht zu den wahren Stärken gehört? Dann probieren Sie es mit Bestechung: In der linken Gürteltasche (wenn Sie den Hund links führen) locken duftende Leckereien, die er vor dem Leinentraining beschnüffeln darf. Lassen Sie dann die Leine durchhängen und locken mit Klopfen auf die Tasche. Jeder halbwegs verfressene Hund wird neben Ihnen an der lockeren Leine laufen und sich immer mal wieder ein paar Belohnungen verdienen.

7 Tempo und Richtungswechsel

Sportliche Halter können ihren Vierbeiner damit überraschen: Gehen Sie los, drehen sofort, wenn die Leine zu straff wird, um und laufen in die Gegenrichtung. Mal schnell, dann schleichend. Jedes Mal, wenn der Hund zu ziehen beginnt, ändern Sie entweder die Richtung oder das Tempo. Das verwirrt und erfordert Konzentration vom Hund. Aber auch von Ihnen, denn Sie dürfen sich auf keinen Fall seinen Absichten in puncto Richtung und Tempo beugen. So ein Spaziergang kann sogar zum Spaß werden, wenn Sie genügend Fantasie entwickeln. Besetzen Sie jeden Wechsel mit Worten: Laaaangsaaam, Tempo, zuuurück, voran, liiiinks herum, reeechts herum, Dreeehung, und jetzt im Kreis! Das alles mit aufmunternder Stimme, auf keinen Fall streng als Befehl, sondern wie ein Spiel, das Ihnen gerade eingefallen ist. Vor allem kleine Hunde, mit denen Sie Schritt halten können, finden so einen Tanz-Spaziergang bald spannend und versuchen, die nächsten Schritte von Ihren Augen abzulesen. Als Belohnung gibt es Freilauf ohne Begrenzung oder eine Schnüffelrunde, in der Ihr Hund die Pausen bestimmen darf.

Das gilt für alle Übungen: Passen Sie die Trainingszeit unbedingt dem Alter Ihres Hundes an, damit er nicht übermüdet. Danach sollte er sich austoben, mit Artgenossen spielen oder nach Gusto schnuppern dürfen.
 

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Dieser Artikel ist in unserer Zeitschrift Ausgabe 4/2015 erschienen.
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