Hund & Baby - geht das gut? | PARTNER HUND Magazin

Hund & Baby - geht das gut?

Nein, einen Hund muss man nicht abgeben, wenn ein Baby kommt. Man sollte ihn nur vorher auf den Familienzuwachs vorbereiten: Bringen Sie Ihrem Hund deshalb jetzt, bei, dass er sich ins Rudel einfügen muss. Wenn er das vorher gelernt hat, wird er diese Veränderungen nicht mit dem Baby verknüpfen. Dann ist das Baby für ihn kein Grund für Eifersüchteleien.
 
Hund und Baby unbedingt aneinander gewöhnen. © animals-digital.de
Hund und Baby unbedingt aneinander gewöhnen.

Der Hund ist Ihr Helfer

Führen Sie also jetzt die ganz normale Hunderudelordnung ein: Sie und Ihr Mann, Sie sind die Rudelalttiere, die sagen, wo es lang geht. Ihr Hund ist der „erwachsene Helfer“ im Rudel: Er passt auf, meldet, hilft. Und für das Baby bleibt die ganz konkurrenzfreie Rolle des „Jungtieres“ übrig, das tun und lassen darf, was es will ... solange es sich den Anweisungen von Alttieren und Helfern fügt. Dulden Sie ab sofort keine Widerworte mehr. Und üben Sie bei Hunden, die "ihre" Sachen verteidigen, auch das „Gib her“: Sie stellen ihm den Fressnapf hin, aber in dem Moment, in dem er sich darüber beugt, sagen Sie: „Halt, gib her“ und nehmen ihn wieder auf. Nimmt er das gelassen, bekommt er den Fressnapf nach kurzer „Überprüfung“ durch Sie wieder zurück, mit viel Lob und der Aufforderung: „So, nun friss“. Sollte er allerdings mit Knurren oder Schnappen reagieren, gehen Sie stumm mit dem Fressnapf weg. Und beginnen Sie die ganze Prozedur 3 Minuten später noch einmal. Üben Sie das „Gib her“ mehrmals täglich, zu jeder sich bietenden Gelegenheit: Ihr Hund hat irgendetwas, Sie gehen hin, legen ihm eine Hand über die Schnauze, drücken kurz zu und sagen: „Gib her“. Gibt er’s, bekommt er das Ding nach kurzer Überprüfung durch Sie und mit Lob zurück. Grummelt er, müssen Sie grob werden ... und deshalb würde ich fürs Erste empfehlen: Kaufen Sie sich ein Paar Gartenhandschuhe: Wenn Sie keine Sorgen haben, wird Ihr Griff viel selbstbewusster sein, und der Hund wird das zur Kenntnis nehmen und befolgen.

Tabuzonen für den Hund einrichten

Und verteilen Sie auch jetzt schon die „Plätze“ im Haus: Babys Bettchen, der Wickeltisch sind für den Hund absolut tabu. Gehen Sie dreimal täglich mit ihm ins (noch leere) Babyzimmer, beschäftigen Sie sich dort mit irgendetwas, aber behalten Sie ihn im Auge: Ihr Hund muss jetzt lernen, dass dieses Zimmer nicht sein Revier ist, dass er dort nur Gast ist, dass er sich dort nicht einrichten darf. Engen Sie ihn jetzt ein bisschen ein, und zeigen Sie ihm, dass Sie viel „besitzergreifender“ sind als er: Liegt er auf der Couch, lassen Sie ihn ruhig liegen. Aber fünfmal täglich bauen Sie sich vor ihm auf und befehlen ganz harsch: „Ab da!“ Tut er’s, wird er kurz gelobt. Will er nicht, nehmen Sie sich Ihren Gartenhandschuh (oder eine Wasserpistole), setzen sich durch, setzen sich ohne ihn zu beachten kurz auf den frei gewordenen Platz und gehen dann wortlos weg.

Zeigen Sie, wer das Sagen hat

Liegt er irgendwo in der Wohnung, dann gehen Sie nicht um ihn herum: Sie bleiben stehen, befehlen: „Weg da!“, unterstützen den Befehl mit einem kleinen Fussstupser und gehen erst weiter, wenn er aufgestanden ist. Zeigen Sie ihm durch kleine Dominanzgesten, dass Sie hier das Sagen haben: Kommt er zum Schmusen oder Spielen, dann schicken Sie ihn weg, aber rufen Sie ihn, sobald er sich trollt, zu sich und kontrollieren Sie – statt Schmuserei – erst mal seine Augen, seine Ohren, sein Fell. Spielen Sie auch mindestens einmal täglich das Spiel: „Schau mir in die Augen, Kleiner!“ Sie fixieren ihn, stumm und ohne Lächeln, so lange, bis er den Blick abwendet. Sie wissen doch: Hunde kämpfen mit Blicken, und wer zu erst wegsieht, gibt zu, dass der andere stärker ist. Und „sprechen“ Sie im Haus viel mit ihm mit Gesten und in der Taubstummensprache: Er muss Sie dann mehr im Blick behalten und wird besser „hören“. Ihr Hund muss jetzt lernen, dass Sie „sein Alttier“ sind und er „nur“ Ihr erwachsener Helfer. Schrauben Sie jetzt seine Ansprüche zurück und verändern Sie seine Welt jetzt. Dann wird er diese – für ihn erst einmal negativen – Veränderungen nicht auf das Baby beziehen, sondern im Baby eher eine positive Abwechslung sehen. Außerdem: Wenn das Baby erst einmal da ist, haben Sie für solche Umerziehungsdinge sowieso keine Zeit und auch keine Nerven mehr ... Zeigen Sie ihm dann das Baby, in Ihrem Arm, nackt und in Windeln, schreiend und schlafend. Zeigen Sie ihm, wie sehr Sie sich darüber freuen und auch darüber, dass Sie so einen phantastischen „Helfer“ zur Seite haben, der aufpasst und es bewacht. Sorgen wegen der Hygiene müssen Sie sich nicht machen: Lassen Sie Ihren Hund vorsichtshalber entwurmen, und lassen Sie ihn dann das Baby lecken: Ein Hund, der ein Baby leckt, zeigt nur, dass er dieses Jungtier „adoptiert“ hat. Oder kurz gesagt: Hunde, die lecken, beißen nicht ...

Lassen Sie die beiden nie allein

Aber: Lassen Sie die beiden nie ohne Aufsicht. Ihr Helfer wird – in Ihrer Gegenwart – natürlich immer Ihnen den Vorrang lassen. Aber kaum haben Sie das Zimmer verlassen, wird er ganz selbstverständlich Ihre Rolle übernehmen. Und was er dann als „shocking“ oder „So-nicht-Kleines“ erlebt und – als Ihr Stellvertreter – korrigieren will, das sollten Sie immer unter Kontrolle behalten. Und: Schützen Sie Ihren Helfer gegen die Übergriffigkeiten des Jungtieres. Wenn ein Baby einem Hund fröhlich quietschend ins Fell oder in die Nase greift, dann ist das für den Hundüberhaupt nicht „lustig“. Helfen Sie ihm, beschützen Sie ihn ... ehe er das selber tun muss ... Ich weiß, in Hundekreisen gilt immer noch das Motto: Ein Hund steht immer ganz am Ende der Familienhierarchie und muss sich selbst vom Krabbelkind alles gefallen und wegnehmen lassen. Aber dieses Motto ist lebensgefährlich – für Kinder und für Hunde (die Kinder werden verletzt, und die Hunde werden dann eingeschläfert).

Erziehen Sie also beide: Bringen Sie Ihrem Helfer bei, dass das Baby Ihr Jungtier ist, dass Sie das selbst versorgen und selbst erziehen und dass er nur die Aufgabe hat, dieses Kleine in Ihrem Auftrag vor Gefahren zu schützen. Aber bringen Sie, auch vom ersten Tag an Ihrem Baby bei, dass der Hund Ihr geachteter Helfer ist, dem es nicht wehtun, den es nicht „dominieren“ darf.
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